Ausländerproblemklasse - Ich resigniere u werde zum Rassist

Wer sich seine Sorgen und Nöte mit dem Referendariat von der Seele reden will, ist hier richtig. Vielleicht gibt es ja jemanden, der einen guten Rat hat.
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LarsL
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Re: Ausländerproblemklasse - Ich resigniere u werde zum Rassist

Beitrag von LarsL »

Die Macht des kleinen Mannes (oder was auch immer) ... ;-)

Vivitur parvo bene

Re: Ausländerproblemklasse - Ich resigniere u werde zum Rassist

Beitrag von Vivitur parvo bene »

Film in der ARD zum Thema.
http://www.bild.de/BILD/politik/2010/07 ... ation.html

Der Filmbeitrag zum Ansehen:
http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/ ... Id=4980716

Wie bereiten die Lehrerseminare die ReferendarInnen auf diese Situation vor?
Meiner Einschätzung nach schlecht! Warum? Weil die AusbilderInnen ebenfalls die interkulturelle Kompetenz nicht haben. Einspruch: Doch haben sie. Sie haben in der Türkei Urlaub gemacht und gehen regelmäßig beim Türken schmausen.
Die Lösung sieht so aus: In Schulen mit Ausländeranteil über 50% sind Referendare mit Migrationshintergrund und männliche Lehrkräfte bei der Einstellung zu bevorzugen, um die Situation in den Griff zu bekommen. Einspruch: Das ist diskriminierend! Erwiderung: Sind oder waren "schulscharfe" Ausschreibungen, um Lieblingen einzustellen, nicht bisher auch schon diskriminierend? Einspruch: Nein, das ist was ganz anderes. Außerdem sind Respekt und Autorität nicht geschlechterspezifisch oder herkunftsabhängig. Erwiderung: Dann ist ja alles in Ordnung. :lol:

Primelchen
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Re: Ausländerproblemklasse - Ich resigniere u werde zum Rassist

Beitrag von Primelchen »

@Vivitur parvo bene: Dem ist nichts hinzuzufügen. Frage mich nur, warum diese Schulrealität immer wieder ignoriert wird. Würde mich so freuen, wenn unsere Politiker nur eine Woche an dieser Schule arbeiten müssten!

nicos
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Re: Ausländerproblemklasse - Ich resigniere u werde zum Rassist

Beitrag von nicos »

Da das Problem vielschichtig ist, sind wahrscheinlich mehrere Lösungsansätze erforderlich
1.Tranzendentale Meditation hat sich als sehr wirksam beim Abbau von Stress in Schulklassen erwiesen, auch in Schulklassen mit Schülern aus niedrigen Einkommenschichten. http://bewusstseinsbezogenebildung.de/i ... age=videos; http://www.schuleohnestress.de.
2.Die Türkei ist ein boomendes Land. Wirtschaftsflüchtlinge, die hier nicht Fuß fassen können sollten dorthin zurückkehren. Dazu wäre die Unterstützung der türkischen Regierung erforderlich.
3.Die Entwicklungshilfe sollte es sich zum Ziel machen, in den Herkunftsländern von Wirtschaftsflüchtlingen akzeptable Lebensbedingungen zu schaffen, so dass diese in ihre Heimat zurückkehren können.

DonQuichotte
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Re: Ausländerproblemklasse - Ich resigniere u werde zum Rassist

Beitrag von DonQuichotte »

Hallo liebe Kolleg(inn)en.
Vorweg - dass man aus o.g. Gründen zum Rassist werden muss halte ich für die schlechteste aller Möglichkeiten mit schwierigen Situationen umzugehen.
Ich selbst bin Lehrer an einer Berliner 'Brennpunkt' Gesamtschule - dazu später mehr.

Letztendlich sollte man sich erst einmal bewußt machen, dass diese problematischen Schüler selbst Opfer gesellschaftlicher Strukturen sind.
Ich möchte damit nichts entschuldigen, aber gerade wer im pädagogischen Bereich arbeitet, der sollte wissen, dass gerade junge Menschen Trotzphasen mit oftmals starkem gesellschaftlichen Protest (der übrigens auch zu Engagement führen kann) und dem Herausdefinieren des "Anders-Seins" durchleben.
Ebenso kennen es sicherlich die Meisten hier von sich selbst dass Grenzen in der Jugend ausgetestet werden.
Die Schule war da schon immer eine prädestinierte Institution - sicherlich waren die gelegentlichen 'Machtkämpfe' mit den Lehrkörpern früher meist anderer Art, dennoch sind Widerstände immer üblich gewesen.
Das gehört zum Erwachsenwerden und ist aus meiner Sicht ein vollkommen natürliches und auch sehr wichtiges Verhalten.
Es gäbe nichts schlimmeres, als dass der Schüler jeglichen vorgesetzten Lehrstoff (und auch jede Regel) kritik- bzw. reflektionslos übernimmt.
Wir sind schließlich keine Maschinen und eine demokratische Ordnung bedarf der Diskussion und des Einspruchs (Oppositionshaltung) - sowie auch des Widerstandes (Protestes).

Worauf ich hinaus will, wer die Schuld einfach an seine Schüler überträgt (ablädt), der hat noch ein großes Defizit in der Selbsterkenntnis (die eigene Rolle in der Gesellschaft).
Natürlich haben wir einen Lehrauftrag und gehen mit der Erwartung an die Schulen diesen zu erfüllen. Natürlich wird es uns auch schmackhaft gemacht und uns auch so beigebracht.
Dass die Realität dann gelegentlich vollkommen anders aussieht liegt wohl in der Natur der Sache - Entschuldigung, wir haben auch alle mal an den Weihnachtsmann geglaubt.
Dass unsere Erwartungen nun nicht der Realität entsprechen ist aber zuletzt einmal die Schuld der betr. Schüler, sondern vielmehr eine Konsequenz der Organisation des Bildungswesens sowie der Verantwortlichkeit der zuständigen Politiker(innen) und Vorgesetzten - hierarchisch abgestuft von Minister(inn)en bis zu Leitenden Direktor(inn)en.

Man kann den Schülern nicht vorwerfen ihre Freiheit zu gebrauchen (zu gestalten, wenn man es einmal so nennen möchte) - egal wie sehr uns dieses widerstrebt. Solange sie keine klaren Regeln vorgesetzt bekommen deren Einhaltung durch konsequentes Sanktionieren eingefordert wird, kann auch kein wirkliches Unrechtsbewußtsein aufkommen.
Gleiches gilt für sämtliche sozialen Kompetenzen.

Man kann uns Lehrern dagegen gut vorwerfen, dass das Bildungssystem nicht dynamisch genug auf solche Situationen reagieren kann und einzelne betroffene Lehrkräfte nicht entschlossen ihre eigene Freiheit (von der man erwarten kann, dass diese bei uns Erwachsenen klar definiert sein sollte) nutzen um dagegen zu protestieren, bzw. darauf aufmerksam zu machen.

Man reißt ein Haus nicht vom Dach aus ab, sondern vom Grundstein.
Es liegt also an Jedem von uns selbst - und wie ich hier schon lesen konnte, wird ja oftmals empfohlen die eigene Karriere (als aus meiner Sicht pervertierte Definition von Freiheit) über das Gemeinwohl zu stellen: "Rosa Brille auf und durch".
Das ist nicht Resignation (Verzweifeln) sondern Egoismus - das sollte einmal klar gesagt werden.

Nun zu mir selbst:
Ich habe nach dem Lesen dieses Beitrages selbstverständlich ganz gezielt meinen Nutzernamen gewählt - in der Hoffnung das jeder Betroffene diesen einmal reflektiert.
Selbstverständlich ist der Kampf gegen diese Zustände augenscheinlich ein Unterfangen
wie ein 'Kampf gegen Windmühlen."

Ich habe mich allerdings entschieden meine Freiheit selbst zu definieren - und auf meine Art habe ich zur Lösung der Probleme ein Stück weit beigetragen.
Niemand kann Sie, liebe Kolleg(inn)en daran hindern Zustände öffentlich zu machen.
Ich habe Ton- und Bildmitschnitte, sowie Dokumente veröffentlicht.
Das Internet ist ein wundervolles Medium, aber auch die Presse zeigt mittlerweile großes Interesse.
Ich habe natürlich ziemlichen Ärger bekommen und mußte Konsequenzen spüren, aber ist der Ruf erst ruiniert lebt es sich recht ungeniert.
Ich habe jedenfalls nicht eingesehen, warum ich erst Wut und Hass auf meine eigenen Schüler aufkommen lassen muss, die für die Zustände selber nichts können.
Ich habe mit meinem Vorgehen diejenigen getroffen, die es nach 'oben' weitergeben können -
und das funktioniert. Ab gewissen Ebenen reagiert man sehr schnell um negative Öffentlichkeit zu vermeiden - vor allem wenn man selbst keine Konsequenzen scheut und sich nicht dirigieren lässt.

Wenn Sie gar nicht mehr weiter wissen und Ihnen Niemand mehr beisteht - machen Sie es wie eines der größten Vorbilder der Menschheitsgeschichte - Mohandas Karamchand Gandhi (Mahatma = große Seele) - treten Sie in den passiven Widerstand.
Verteilen Sie am Ende des Jahres mal richtig schlechte Noten und brechen die Strukturen auf,
sollte man Sie bedrängen, lassen Sie sich krankschreiben.
Ein 'kaputtes' System zu stützen ist nicht besser als zu Hause zu bleiben - so mache ich das.
Ich bin immer wieder wochen- bis monatelang krankgeschrieben (das ist nicht schwer, beschreiben Sie den Psychologen einfach ihre Erfahrungen, bzw. auch ihre Emotionen dazu und erzählen von dem schweren inneren Konflikt gutes Tun zu wollen aber Schlechtes zu fördern)
und es interessiert mich gar nicht mehr, was an den Schulen passiert.

Von den Zuständen die ich erlebt habe möchte ich hier gar nicht schreiben, die Meisten können sich das sicherlich denken. Ich hielte es für reinen Populismus das wieder erneut zu verbildlichen.

Ich habe meinen persönlichen Kampf gegen die Windmühlen längst beendet - ich allein kann die Zustände nicht ändern.
Ich kann nur dazu beitragen, dass diese sichtbar werden - indem ich nicht mehr wie gewünscht 'funktioniere' und 'Kosten' verursache.
So funktioniert der passive Widerstand - wenn keiner mehr da ist der mitmacht, bzw. die Kosten zu hoch werden, dann wird sich schon etwas ändern.
Karriere hin oder her - ich bin noch keine 40 und ich habe mehr Selbstachtung vor mir seitdem ich diesen Weg gehe und lebe die meiste Zeit in Frieden - so wie es eigentlich jeder Mensch verdient hat.
Reich werde ich wohl nicht mehr und ich kann auch Niemanden von großartigen Leistungen berichten - aber wer kann das schon. Ich kann aber jedem Menschen in die Augen sehen und sagen dass ich Widerstand geleistet habe.

Entscheiden Sie selbst ob Sie lieber Don Quichotte oder Gandhi sein möchten.
Idealismus ist eine gute Sache - so lange man sein Ziel nicht aus den Augen verliert oder sich selbst dabei betrügt.

Ich wünsche Ihnen, liebe Kolleg(inn)en alles Gute auf dieser Reise.
Undankbarkeit ist die Tochter des Stolzes.

Illi-Noize
Moderator
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Wohnort: Bayern / StR(RS) / Betreuungslehrer Einsatzrefs, Fachschaftsleiter

Re: Ausländerproblemklasse - Ich resigniere u werde zum Rassist

Beitrag von Illi-Noize »

Ich habe hier ein braunes Posting gelöscht.

Ripley
Beiträge: 641
Registriert: 27.08.2009, 21:23:37
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Re: Ausländerproblemklasse - Ich resigniere u werde zum Rassist

Beitrag von Ripley »

hey, wir sind ja mal einer meinung! 8)

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