Elternmail Weihnachtsmann

Wer sich seine Sorgen und Nöte mit dem Referendariat von der Seele reden will, ist hier richtig. Vielleicht gibt es ja jemanden, der einen guten Rat hat.

Re: Elternmail Weihnachtsmann

Beitragvon jelo » 22.12.2010, 21:36:24

Ein Unterschied besteht schon mal darin, dass es in Bezug auf den Biologie-Unterricht nur nackte Tatsachen gibt, alles andere ist schlicht falsch. An Weihnachten sieht es schon anders aus. Wieso, fragt man sich, dürfen Kinder nicht an den Weihnachtsmann glauben, wenn andere, aufgeklärte Menschen ihnen erzählen, dass Jesus von einer Jungfrau geboren wurde?
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Re: Elternmail Weihnachtsmann

Beitragvon Lysander » 22.12.2010, 22:33:58

jelo hat geschrieben:Ein Unterschied besteht schon mal darin, dass es in Bezug auf den Biologie-Unterricht nur nackte Tatsachen gibt, alles andere ist schlicht falsch. An Weihnachten sieht es schon anders aus. Wieso, fragt man sich, dürfen Kinder nicht an den Weihnachtsmann glauben, wenn andere, aufgeklärte Menschen ihnen erzählen, dass Jesus von einer Jungfrau geboren wurde?


???
Das mit dem schlicht falsch könnte man auf Weihnachten auch übertragen. Es ist schlicht falsch, dass Maria unbefleckt empfangen hat, wenn der Heilige Geist kein Mann aus Fleisch und Blut war.
Bedenkt man, dass die heiligen drei Könige dem Christkind Geschenke brachten, mag man fragen, ob an dem ursprünglichen "Ritual" nicht die Vorzeichen vertauscht wurden.

Weihnachten im rein christlichem Kontext KANN eigentlich keinen Weihnachtsmann haben - wer soll das denn laut der christlichen Lehre sein?

Insofern gibt es da auch "nackte Tatsachen" und das andere ist schlicht falsch.
Gruß
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Re: Elternmail Weihnachtsmann

Beitragvon Peppermint Patty » 22.12.2010, 22:40:07

Also das kann man absolut nicht miteinander vergleichen, da stimme ich jelo zu. Außerdem gibt es sicherlich in der GS sehr, sehr wenige, wenn nicht sogar gar keine Kinder, die glauben, dass der Storch die Kinder bringt. Ich habe meine Masterarbeit über das Thema Sexualerziehung in der GS geschrieben und die Erfahrung gemacht, dass die meisten Eltern froh sind, dass ihre Kinder in der GS aufgeklärt werden. Es ist außerdem gar nicht möglich, seine Kinder von diesem Unterricht befreien zu lassen. Sexualerziehung ist Pflicht in der GS und das ist meiner Meinung nach auch gut so. Es gibt natürlich Eltern, die das nicht so gerne sehen, aber sicherlich nicht aus dem Grund, dass sie ihren Kindern erzählen der Storch würde die Kinder bringen, sondern lediglich deshalb, weil sie glauben, dass die Kinder eventuell schon etwas zu sehr aufgeklärt werden und die sexuellen Themen vllt nicht kindgerecht vermittelt werden. Solange man die Eltern jedoch frühzeitig und ausreichend über die Inhalte und Methoden der Sexualerziehung informiert, sind die meisten durchaus mehr als einverstanden mit der schulischen Sexualerziehung.
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Re: Elternmail Weihnachtsmann

Beitragvon Lysander » 22.12.2010, 22:49:13

@PePa

Dann frage ich mich aber, wieso die Mutter, die die E-Mail geschrieben hat, so ein Tamtam darum macht.
Sexualerziehung ist zweifelsfrei ein essenzieller Bestandteil der Pädagogik in der Grundschule, nicht zuletzt weil Kinder immer früher damit konfrontiert werden - Internet macht's möglich.
Bei einem solchen Thema wäre ich vermutlich als Vater auch "irritiert", wenn da etwas falsch oder ungeschickt vermittelt würde und es entsprechende Reaktionen meiner Kinder gäbe.
Gruß
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Re: Elternmail Weihnachtsmann

Beitragvon jelo » 23.12.2010, 9:26:07

Lysander, das ist genau das Problem: Du verstehst die Mutter einfach nicht. Da liegt das Problem dann aber beim Empfänger. Der Glaube an den Weihnachtsmann ist in allen "Schichten" vertreten, nicht, weil die Eltern zu blöd sind oder irgendwie naiv sind, sondern weil sie bewusst diese Traditionen an ihre Kinder verrmitteln wollen.

So dürfen die Kinder in unserer Kirchengemeinde an Ostern Ostereier im Garten suchen. Da regt sich auch niemand darüber auf, dass die Kinder annehmen, diese seien vom Hasen versteckt worden.

In der Literatur, in Bildern, in Liedern wird der Weihnachtsmann immer wieder thematisiert; es ist also nicht so, dass es einige verrückte Eltern gibt, die ihren Kindern Blödsinn erzählen. Warum stört man sich so an dieser Tradition? Das gehört in "unserer Kultur" nun einmal zur Tradition um die Weihnachtszeit, dass man den Kindern erzählt, ein Weihnachtsmann bringe Geschenke. Warum sollten die "Puristen" unter den Christen die alleinige Deutungshoheit über das Weihnachtsfest und seine Traditionen haben?

Ich sagte ja, dass der Brief der Mutter keine Meisterleistung war, aber inhaltlich stimme ich dem zu.

Ich hätte es vielleicht anders geschrieben, etwa so:

Liebe Frau Hanna,
meine Tochter hat berichtet, dass Sie heute im Unterricht über Weihnachten gesprochen haben. Dabei sollen Sie gesagt haben, dass es den Weihnachtsmann nicht gibt und er von Coca Cola erfunden worden sei.

Ich weiß nicht, ob Sie Kinder haben und wie alt diese sind, aber meine Kinder glauben mit ihren 7 (6 / 8. ) Jahren tatsächlich noch an den Weihnachtsmann. In unserer Familie gehört der Weihnachtsmann zur Tradition dieses Festes, wie in vielen anderen Familien auch. Sie werden wissen, dass der Glaube an den Weihnachtsmann bei vielen Kindern weit verbreitet ist. Für uns ist der Weihnachtsmann eng an das Weihnachtsfest verknüpft, und wir möchten nicht, dass ein Lehrer unseren Kindern erzählt, dass das falsch sei. Nicht, weil wir unsere Kinder im Ungewissen lassen möchten oder sie für dumm verkaufen wollen, sondern weil wir das schön finden und der Weihnachtsmann für unsere Kinder ein Teil des Weihnachtszaubers ist.

Natürlich dürfen Sie als Lehrer dazu eine eigene Meinung haben, aber Weihnachten hat so viele Bräuche, da gibt es kein "richtig" und kein "falsch". Und wenn meine Kinder Spaß daran haben, sich vorzustellen, dass in einem finnischen Dorf ein alter dicker Mann wohnt, der mit seinen Wichteln das ganze Jahr über fleißig werkelt und bastelt, dann sollen sie diesen Spaß haben dürfen, ohne dass ein Lehrer ihnen diesen Zauber nimmt, nur weil er das für unvernünftig hält.

Zu gegebener Zeit hätte ICH gerne meine Kinder aufgeklärt, und zwar behutsam. Mit Sicherheit hätte ich nicht gesagt: "So, passt mal auf: Den Weihnachtsmann gibt es nicht!" Umso enttäuschter bin ich, dass Sie als Lehrer das nun übernommen haben und meine Kinder damit tatsächlich irritiert haben. Vielleicht können Sie nachvollziehen, dass meine Kinder nun sehr traurig sind. Das war sicher nicht in ihrem Sinne. Ich kann nun zusehen, wie ich versuchen kann, unseren Kindern den "Weihnachtszauber" wieder zurückzugeben. Das hätte nicht sein müssen!

Natürlich können Sie einwenden, dass wir als Christen eigentlich vor allem die Geburt Jesu feiern. Aber wenn wir in unserer Familie dies gerne mit einem Sack von Geschenken, die der Weihnachtsmann bringt, feiern möchten, dann sollte das respektiert werden. Ich bin froh, dass meine Kinder so phantasievoll sind und sich ihre kindliche Vorstellungskraft noch erhalten können. Die Realität ist für viele Kinder schwer genug, da muss man als Lehrer nicht noch nachhelfen...

Ich bin sehr enttäuscht, auch wenn Sie selbst sicher der Meinung sind, alles richtig gemacht zu haben.

Dennoch wünsche ich Ihnen ein Frohes Fest (ohne Weihnachtsmann)
Viele Grüße
Jelo
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Re: Elternmail Weihnachtsmann

Beitragvon Schaf » 23.12.2010, 10:57:32

Ich muss mich einfach kakaotrinkerin anschließen. Die Reaktion der Mutter erscheint mir stark überzogen.
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Re: Elternmail Weihnachtsmann

Beitragvon nele » 23.12.2010, 11:38:46

jelo hat geschrieben:Ein Unterschied besteht schon mal darin, dass es in Bezug auf den Biologie-Unterricht nur nackte Tatsachen gibt, alles andere ist schlicht falsch. An Weihnachten sieht es schon anders aus. Wieso, fragt man sich, dürfen Kinder nicht an den Weihnachtsmann glauben, wenn andere, aufgeklärte Menschen ihnen erzählen, dass Jesus von einer Jungfrau geboren wurde?


Die großen phänomenologischen Ähnlichkeiten zwischen dem Glauben an den Weihnachtsmann und dem Glauben an den lieben Gott sind schon frappierend...

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