Referendariat abgebrochen / Kein 2. Staatsexamen

Wer sich seine Sorgen und Nöte mit dem Referendariat von der Seele reden will, ist hier richtig. Vielleicht gibt es ja jemanden, der einen guten Rat hat.

Referendariat abgebrochen / Kein 2. Staatsexamen

Beitragvon DrJones » 27.12.2017, 11:32:18

Hallo Zusammen,

ich habe Geschichte, Sozialkunde und Bildungswissenschaften (Schulpsychologie & Schulpädagogik) studiert und mit dem Ersten Staatsexamen auf Gymnasiallehramt abgeschlossen.

Das Referendariat an einem staatl. Gymnasium im Süden in Baden-Württemberg habe ich NICHT abgeschlossen und verfüge daher leider nicht über das Zweite Staatsexamen. Ich habe zunächst eine „Verlängerung“ bekommen, d.h. mein Referendariat wurde von 16 Monaten auf 24 Monate verlängert. Schließlich wurde mir der eigenständige Unterricht nicht zugeteilt und somit war das „Ref“ für mich beendet. Ich wurde entlassen, bzw. ich habe dann selbst um meine Entlassung ersucht.



Warum habe ich eine Verlängerung bekommen, warum wurde mir der eigenständige Unterricht nicht zuerkannt? (Die Antwort werde ich nur grob skizieren, es würde den Rahmen sprengen die Mobbingszenen en Detail zu beschreiben)

Nun, ein Familienmitglied von mir hatte vor ein paar Jahren exakt die gleiche „Dame“ , welche auch mir als Ausbilderin zugeteilt worden ist, als Ausbildungsleiterin in demselben Seminar und hat sich bei der Seminarleitung und dem Regierungspräsidium(!) über eben diese „Dame“ massivst (!) beschwert.

Was soll ich sagen, seit dem ersten Tag meiner „Ausbildung“ stand ich bei Ihr auf der „Abschussliste“ auf Platz Eins. Der Hass und das Rachebedürfnis kannten offensichtlich keine Grenzen. Die Antipathien waren mit den Händen greifbar. Ich musste mir hinter verschlossenen Türen auch massive Unverschämtheiten anhören. Schon zu Beginn meiner Ausbildung – nach dem ersten(!) Unterrichtsbesuch, zwei Wochen nach dem Start des Refs - wurde mir von Ihr quasi das „Endergebnis“ und „Urteil“, das Sie über mich zu fällen gedachte, schon mitgeteilt.

Da kommt Freude auf nicht wahr, liebe Kollegen!?



Gut, dieser kurze Einblick muss genügen, da es ja um was anderes geht.
Nun, zu der Kernfrage. Oder besser gesagt, zu den zwei großen Fragen an Euch. Wie kann ich in den Schuldienst zurückzukehren und dennoch Lehrer zu werden? Was könnte ich beruflich machen, was mit meinem Studium (entfernt) zu tun hat, einigermassen sicher ist, und ich schlicht und ergreifen von dem Gehalt sinnvoll leben kann ?


Ich habe schon viele Regierungspräsidien von den verschiedensten Bundesländern angeschrieben. Sie alle sagen, dass es keine Möglichkeit mehr gibt. Eine Bewerbung auf Gymnasiallehramt wird und kann nicht mehr berücksichtigt werden, da das Zweite Staatsexamen durch diese kleine Schulrechtsprüfung, die ich abgelegt habe, als schon begonnen gilt. Die ist dann wohl der Grund mich von vornherein auszuschliessen.

Da ich das Erste Staatsexamen habe, kann ich mich weder auf Quereinstieg noch auf Seiteneinstieg bewerben. Da ich leider eine kleine Schulrechtsprüfung abgelegt habe, gilt das Zweite Staatsexamen als begonnen. Auch in anderen Bundesländern.

Auf andere Schultypen wie Grundschule kann ich mich ebenfalls nicht bewerben, da ich ja auf Gymnasiallehramt studiert habe. Berufschullehrer zb. kann ich nicht werden, da ich ja zwei Sozialwissenschaften studiert habe und halt nicht Metalltechnik oder dergleichen. Mir fehlt das berufliche Fach.

In der Schweiz könnte ich zwar problemlos das Lehrdiplom für Gymnasien erlangen, allerdings kann ich mir das finanziell nicht leisten. Die supernette Dame von der Beratung hat mir auch abgeraten, da nicht nur neue Lehrer nicht mehr eingestellt werden, sondern auch Lehrer entlassen werden. Und zwar massiv.

Auf Grundschullehrer oder Berufschullehrer in der Schweiz müsste ich quasi fast noch mal von vorne anfangen zu studieren 

Privatschulen nehmen mich net. Verlangen oft das Zweite Staatsexamen und/oder meine Fächerkombi ist nicht nachgefragt. Leider haufenweise Absagen.


Ich habe schon Stunden vor dem Internet verbracht und mich informiert, aber ich denke, vielleicht drehe ich mich nur noch im Kreis, und/oder einer von Euch weiß etwas, was ich nicht weiß, was ich übersehen habe.


Kennt einer einen Weg doch noch Lehrer zu werden?



Aufgrund meiner Biographie, der seelisch-geistigen und gesundheitlichen Belastungen und Erlebnissen im Ref und meines extrem hohen Lebensalters (37 Jahre alt) ist meine Lebenssituation für mich extrem belastend. Ich bin völlig verarmt, finanziell ruiniert, da schon mein Studium meine Geldreserven restlos aufgebraucht hat, und ich habe berechtigterweise(!) auch große Existenzängste, die leider einen sehr realen Grund haben.
Mir läuft die Zeit davon, meine Lebenszeit und ich kann mich nur noch mit Mühe finanziell über Wasser halten.


Gleichzeitig weiß ich nicht wie es weitergehen soll. Ich möchte der „Dame“ auch Ihren Erfolg nicht können, dass Sie aus mir einen Sozialfall macht für den Rest meines Lebens. Wenn jemand von Euch eine berufliche Alternative kennt, die ich realistisch anstreben kann, und die mich ernährt, bitte immer her damit. Bin auch offen für ein Dasein als Nichtlehrer. Stellen für Historiker und Politologe gibt’s halt so gut wie garnet.



Für die Uni bin ich zu alt, für die Forschung zu „schlecht“. Zeitung, Volontariat, Radio, Funk und Fernsehen. Bibliothekar und Archivar, Polizei und Bundespolizei, Volkshochschule, Erwachsenenbildung, Verwaltungsstellen, Arbeitsamt, Schulbuchverlage, Verlagswesen, Stiftungen, Sitpendien, Non-Profit-Organisationen. Das ist ein extrem(!) kurzer Ausschnitt von meinen Bewerbungsbemühungen in einem neuen Umfeld Fuss zu fassen. Alles ohne Erfolg.

Weiß jemand von Euch einen Rat? Gibt es gleiche oder Ähnliche „Fälle“ oder Erlebnisse ?

Bitte nur ernstgemeinte Zuschriften und kein Rotz nach dem Motto: „Hättest du mal besser ne Bäckerlehre gemacht...“ oder „selber Schuld“. Ich weiß, dass Ihr beruflich sehr eingespannt seid und bedanke mich daher im vorraus für jede liebe und konstruktive Antwort und Unterstützung. Vielen Danke.
DrJones
 
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Re: Referendariat abgebrochen / Kein 2. Staatsexamen

Beitragvon yestoerty » 27.12.2017, 11:49:01

Nicht wirklich hilfreich, aber in NRW kann man mit zwei allgemeinbildend es Fächer ins Ref für BK, allerdings gibt es bei uns das Fach Sozialkunde nicht (unter diesem Namen). Geschichte wird im Fächerverbund Gesellschaftslehre unterrichtet, mit Sozialwissenschaften/ Politik und Erdkunde. Da hättest du also auch nur ein Fach.

Aber eventuell könntest du dir deine Scheine für das Lehramt GHR anerkennen lassen (Geschichte und Sowi/Politik(?) und dein Ref an einer Haupt-/Real-/ Gesamtschule (also Sek I) machen. Offiziell dürftest du damit sogar danach an die Grundschule, bei dem Lehrermangel dort ist das wahrscheinlich sogar möglich.

Falls NRW eine Option sein sollte...
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Re: Referendariat abgebrochen / Kein 2. Staatsexamen

Beitragvon Qualitätsgarant » 27.12.2017, 13:37:42

Gerade habe ich mal die Homepage von BW bemüht - eine Geschichte-Stelle in Ulm an einer Privatschule ist ausgeschrieben. Die Poligenius-Schulen bezahlen Untertarif und sind daher für viele unattraktiv, aber auf mich wirkst du so, als wäre das zweitrangig. Hast du da schon nachgehakt?
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Re: Referendariat abgebrochen / Kein 2. Staatsexamen

Beitragvon Stark » 27.12.2017, 15:17:09

Ich habe nichts Konkretes, aber es die Liste deiner bisherigen Bewerbungsversuche scheinen mir alle recht stark auf deine studierten Fächer bzw. auf Lehramtshintergrund ausgelegt.
Versuch doch mal insofern den Kreis zu erweitern, als du nach Berufen suchst, in denen "nur" ein abgeschlossenes Hochschulstudium gefordert ist. Da kann dir vielleicht auch die Berufsberatung am Arbeitsamt etc. weiterhelfen?
Ein Freund von mir kam mit einem Architekturstudium bei einem großen Elektrohersteller unter; ein anderer Freund von mir kam mit einem Physikstudium bei einer Berufsberatung unter. In beiden Fällen war das studierte Fach an sich nicht relevant.
Stark
 
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Re: Referendariat abgebrochen / Kein 2. Staatsexamen

Beitragvon nur_ein_refi » 27.12.2017, 15:45:15

Ich habe keine direkte hilfreiche Antwort, aber ein paar Anmerkungen:

Habe ich das richtig verstanden? Dadurch, dass du das Ref abgebrochen hast und zudem eine Prüfung schon abgelegt hast, stehst du genauso da, als ob du 2x durch das Ref gefallen wärst? Hast du mal mit einem Fachanwalt für Prüfungsrecht darüber geredet? Vielleicht fände dieser eine Möglichkeit, dass du das Ref an einer anderen Schule bzw. einem anderen Seminar beenden könntest. Ggf. könntest du die "Befangenheit" deiner Ausbilder(in) belegen. Womöglich sind andere Formfehler passiert. Das ist jetzt natürlich alles spekulativ.

Ansonsten, wenn du Zeit und Nerven hast: Dienstaufsichtsbeschwerde ggü. der "Dame" einlegen, um ihr ans Bein zu pissen. Oder die Presse einschalten ;-)

Wohl am wichtigsten: Nach Alternativen suchen. Hast du vielleicht schon eine andere abgeschlossene Berufsausbildung und könntest an deinen alten Beruf anknüpfen?

Gehe mal die Punkte für dich durch. Alles Gute.
nur_ein_refi
 
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Re: Referendariat abgebrochen / Kein 2. Staatsexamen

Beitragvon DrJones » 27.12.2017, 18:15:12

Hallo und Danke an Alle die mir eine Antwort geschrieben haben.

Zu NRW kann ich nix sagen. Ich finde es aber sehr interessant. Nur viele andere Bundesländer haben "abgewunken", als ich telephonisch oder per Email meinen Fall geschildert habe. Auch Berlin und Thüringen und Brandenburg, die ja der Werbung zuvolge, achso dringend Lehrkräfte suchen.

ich habe mich natürlich auch bei Privatschulen beworben, doch der Sachverhalt, dass ich das REF nicht beendet habe, ist das Knock-Out Kritereium. Viele schrecken zurück nach dem Motte: "Der muss ja dann wirklich schlecht sein."

Zitat:
"Ein Freund von mir kam mit einem Architekturstudium bei einem großen Elektrohersteller unter; ein anderer Freund von mir kam mit einem Physikstudium bei einer Berufsberatung unter. In beiden Fällen war das studierte Fach an sich nicht relevant."

Das ist ja sehr interessant. Denn meine fachfremden Bewerbungen, es waren wohl hunderte(!), sind alle gescheitert, weil eben andere Kanditaten immer passgenauer auf die Stelle passten. Siehe BWL, Jura oder eben Verwaltungswissenschaften. Zum Beispiel habe ich auch Daimler angeschrieben und Lebensmittelkonzerne. Läderach, Nestle etc. oder auch Banken. Erfolglos.




Es ist so, dass ich mich auf das REF in anderen Bundesländern bewerben kann, dass kann mir schon (verfassungsrechtlich) niemand verbieten, aber ich kann mir die Briefmarke sparen, denn es wird gefragt, ob man das Zweite Staatsexamen endülgtig nicht bestanden hat, oder eben es schon begonnen hat. (Zweiteres ist bei mir der Fall ) Daher landet die Bewerbung automatisch(!) in dem Müll ! Schriftlich und telephonisch habe ich das mehrmals gesagt bekommen, auf meine Fragen hin.

Zitat:
"Hast du mal mit einem Fachanwalt für Prüfungsrecht darüber geredet?"

Jaein, ich war mal bei einem Rechtsanwalt. Ich kann Ihn mir aber nicht mehr leisten. Bin froh wenn es für die Miete und das Essen reicht.


Zitat:
"Wohl am wichtigsten: Nach Alternativen suchen. Hast du vielleicht schon eine andere abgeschlossene Berufsausbildung und könntest an deinen alten Beruf anknüpfen?"

Nein, das ist es ja gerade. Das Lehramtsstudium war schon meine Zweite Chance. Es hätte nicht passieren dürfen, dass ich es nicht bestehe. Ich habe keine abgeschlossene Berufsausbildung, weswegen meine Chancen auf dem Arbeits- und Bewerbungsmarkt marginal sind ! Aber wenn ich nicht mehr Lehrer werden könnte, was mir in der Seele weh tut, interessiere ich mich natürlich auch für Alternativen. Ich habe auf dem Arbeitsamt und den Carreercenter der Unis, Beratungen und "Karriereseminare" und "Alternativen für Lehrer" besucht, dass ich es echt nicht mehr zählen kann.
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Re: Referendariat abgebrochen / Kein 2. Staatsexamen

Beitragvon Qualitätsgarant » 27.12.2017, 18:40:40

Hast du denn bei dieser konkreten Stellenausschreibung, die ich dir gezeigt habe, nachgefragt? Ich weiß, dass die Poligenius-Schulen Probleme haben, Bewerber mit 2. Stex zu finden.
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