Referendariat abgebrochen / Kein 2. Staatsexamen

Wer sich seine Sorgen und Nöte mit dem Referendariat von der Seele reden will, ist hier richtig. Vielleicht gibt es ja jemanden, der einen guten Rat hat.

Re: Referendariat abgebrochen / Kein 2. Staatsexamen

Beitragvon Calao » 07.01.2018, 17:20:48

Mir ergeht es ähnlich wie dem Threadersteller,


hab auch mein 2. Staatsexamen erfolglos beendet, bin schon über 30 und habe außer meinem Studium keine weitere Ausbildung. Zudem habe ich auch zwei geisteswissenschaftliche Fächer studiert (jedoch für Sek.1). Und zudem schon mal früher ein Studium abgebrochen.

Zuerst habe ich auch überlegt wie es den nun weiter gehen soll und habe ähnliche Erfahrungen gemacht wie der Threadersteller, Privatschulen wollen einen nicht bzw. können einen erst gar nicht einstellen (zumindest in meinen Bundesland). So habe ich mich bei den Waldorfschulen erkundigt und die dürfen mich nicht mehr nehmen, da ich ja endgültig durchgefallen bin. So wurde mir berichtet, dass sie vor Jahren jemanden hatten, der auch das Referendariat nicht bestanden hat und dann eine 1 Jährige Ausbildung als Waldorflehrerausbildung gemacht hatte (Die Waldorflehrerausbildung dauert für Leute die das erste Staatsexamen haben nur ein Jahr). Die Waldorflehrerausbildung wurde bestanden, jedoch hat das Bundesland keine Unterrichtsgenehmigung (diese wird oft bei Privatschulen benötigt) vergeben, so das trotz erfolgreicher Waldorflehrerausbildung (welche man selbst bezahlen muss) nicht unterrichtet werden durfte (dies wurde später wohl auch durch ein Gericht bestätigt). Jedoch ist ein grundlegendes Waldorflehrerstudium/Waldorflehrerausbildung für jeden mit Abi möglich welches dann aber 4 Jahre dauert und auch selbst bezahlt werden muss (unter umständen fördert das Arbeitsamt die Ausbildung).

Es wäre für mich wohl möglich gewesen das Referendariat für ein anderes Lehramt nochmal zu machen (es müssten hierfür wohl noch Scheine an der Uni nachgeholt werden). Ich habe für mich selbst auch erkannt, dass ich wohl als Lehrer einfach nicht geeignet bin (sonst wäre ich ja nicht durch das Ref gefallen) und habe nach Alternativen gesucht.

Tatsächlich konnte einen das Arbeitsamt mit wichtigen Tipps oder Informationen gar nicht weiterhelfen und dabei war ich sogar bei zwei verschiedenen Arbeitsämtern und jeweils bei der Beratungsstelle für Akademiker. Ich musste mit erschrecken feststellen, dass ich oft mehr wusste als die entsprechenden Mitarbeiter und das diese oft gar nicht auf dem aktuellen Stand waren. Jedoch könnte das Arbeitsamt als Arbeitgeber infrage kommen da hier oft Akademiker gesucht werden. Jedoch sind die Stellen befristet und werden oft nicht verlängert (habe im Bekanntenkreis zwei Personen denen ihre Stelle beim Arbeitsamt nicht verlängert wurde). Und einen Dr. Titel zu machen traue ich mir nicht zu, ohne Dr. Titel kann man das an der Uni mit einer Stelle oft vergessen und für Verwaltungstätigkeiten an der Hochschule fehlt mir noch die entsprechende Ausbildung.

Es zeigt sich eigentlich, dass man ohne zweites St.Ex. (besonders mit geisteswissenschaftlichen Fächern) irgendwie zwischen den Stühlen steht, man ist zwar Qualifiziert aber für nix so richtig und bei mir fehlen hat wichtige Kontakte und auch die entsprechenden Praktika. Zudem sind auch viele Arbeitgeber in Deutschland nicht bereit ein "Risiko" einzugehen und jemanden zu nehmen der nicht 100% auf ihr gesuchtes Profil passt. Ohne entsprechende Weiterbildung geht fast nix. Daher habe ich mich entschlossen eine weitere Ausbildung zu beginnen und zwar im gehobenen Dienst (Verwaltung).

Auch dort ist es nicht einfach eine Stelle zu bekommen. So dauert der Bewerbungsprozess sehr lange (teilweise länger als 1 Jahr) und es gibt unzählige Bewerber. So kommen oft auf eine Stelle deutlich mehr als 100 Bewerber. Daher musste ich auch deutlich mehr als 200 Bewerbungen schreiben. Ein Vorteil für mich ist jedoch, dass ich nicht gebunden bin und auch keine Kinder habe, daher habe ich mich bundesweit beworben. Ich habe auch schon ein Paar Bewerbungsgespräche gehabt, hier zeigt sich, dass die Personaler oft sehr misstrauisch sind bezüglich des nicht bestandenen Referendariats. Oft ist gleich die erste Frage warum man das Referendariat nicht beendet hat bzw. ob man den keine Möglichkeiten hätte nicht doch weiter in der Schule zu arbeiten, wie am man den auf dem Gedanken gekommen ist sich bei ihnen zu bewerben.

Durch das abgebrochen Referendariat wird das bestandene Studium oft entwertet bzw. wird oft nicht beachtet. Traurig ist bei der ganzen Sache das oft nur auf Makel geachtet wird, jedoch nicht positive Aspekte beim Bewerbungsverfahren berücksichtigt werden. Ich hatte es auch schon mehrmals das ich zu einen Bewerbungsgespräch eingeladen wurde jedoch meine Bewerbung nicht gelesen wurde ("auch so sie haben das Referendariat nicht bestanden, dass habe ich ja gar nicht gewusst!").

Jedoch zeigen sich so langsam positive Zeichen, ich habe wohl mittlerweile eine Stelle in Aussicht und bekomme ende des Monats bescheid ob es was wird oder nicht. Zudem habe ich noch weitere aussichtsreiche Bewerbungsgespräche in der nächsten Zeit.

Zur Zeit arbeite ich in der Industrie und kann davon leben, wenn ich wollte könnte ich dort auch ein festen Vertrag bekommen und die Bezahlung ist gar nicht so schlecht, jedoch lehne ich die Stelle auf Dauer ab, da diese Tätigkeit der Gesundheit nicht zuträglich ist. Zudem benötigt man für die Tätigkeit noch nicht mal einen Realschulabschluss noch einen Berufsabschluss (das soll nicht heißen das ich meine Arbeitskollegen für dumm halte oder mich über ihnen Stellen würde!). Ich bin zudem noch ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe tätig (die Bescheinigung hiervon ist oft mehr wert als man denkt!).

Also nicht aufgeben und immer weiter bewerben und besonders auch Kontakte (Vitamin B) nutzen und die Augen nach jeder Chance offen halten. Jedoch muss man klar sagen das es nicht einfach ist eine neue (sinnvolle) Stelle zu finden von der man auch leben kann. Und wenn man nicht selbst in der Situation ist sich oft denkt "so schwer wird das ja wohl nicht sein, bin ja qualifiziert habe ja studiert", aber so leicht ist es halt nicht was zu finden! Hilfe vom Arbeitsamt braucht man nicht erwarten, die sind mit so einer Situation oft überfordert oder können einen oft nur einfachste Hilfstätigkeiten vermitteln die man auch so finden würde.
Calao
 
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Re: Referendariat abgebrochen / Kein 2. Staatsexamen

Beitragvon Denalane » 22.01.2018, 22:44:03

Ich habe nur deinen ersten Beitrag gelesen und frage mich, warum du das anfechtest? Es gibt doch Rechtschutzversicherungen, die dafür zuständig sind (kosten nicht viel im Monat, zb GEW) ich würde es mir überlegen, damit du eine Chance bekommst, das zu Ende zu bringen, was du angefangen hast.
Mir tut es sehr leid. Ich bin 35. Auch langsam studiert und viel investiert.
Ich hoffe, dass bei dir irgendwann wieder besser läuft
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Re: Referendariat abgebrochen / Kein 2. Staatsexamen

Beitragvon Thisbe » 23.01.2018, 14:31:59

DrJones hat geschrieben:
In der Schweiz könnte ich zwar problemlos das Lehrdiplom für Gymnasien erlangen, allerdings kann ich mir das finanziell nicht leisten. Die supernette Dame von der Beratung hat mir auch abgeraten, da nicht nur neue Lehrer nicht mehr eingestellt werden, sondern auch Lehrer entlassen werden. Und zwar massiv.

Auf Grundschullehrer oder Berufschullehrer in der Schweiz müsste ich quasi fast noch mal von vorne anfangen zu studieren 


Dr. Jones, falls du hier noch mitliest, habe ich hierzu mal eine Frage, da ich dieses Jahr in die Schweiz umziehe. Ich habe das 2. Staatsexamen für Gymnasien und werde wohl die Anerkennung beantragen, aber an welche Beratungsstelle mit einer supernetten Dame hast du dich denn gewendet, wenn ich fragen darf? Ich würde nämlich lieber an einer Grundschule dort arbeiten, aber ganz sicher nicht von vorne studieren wollen... Von massiven Lehrerentlassungen habe ich nichts gehört, huiii....

Da ich noch berufliche Erfahrungen in einem anderen Bereich habe, ist "Schule" für mich nur Plan B. Ich habe bereits neben dem Studium Kontakte zu Unternehmenskommunikation geknüpft und arbeite in dem Bereich weiterhin nebenbei selbstständig (bin ja an der Grundschule nicht verbeamtet...) und arbeite derzeit außerdem an einem weiteren Abschluss im Bereich Unternehmenskommunikation. Hast du ältere berufliche Erfahrungen, an die du anknüpfen kannst?

Ich kenne jemanden ohne 2. Staatsexamen, der nun in der Altenpflege arbeitet - dort wird immer gesucht. Auch gut, um sich vielleicht nebenbei weiterzuqualifzieren, sind Arbeiten in Briefverteilzentren der Post im Schichtdienst - hier in der Region suchen die immer und man braucht keine Qualifikation (es sind natürlich Angestellte mit Qualifikationen dabei). Die Arbeitszeiten erlauben evtl. Praktika oder sonstiges?? An der Grundschule hatten wir letztes Jahr eine über 50-jährige Jahrespraktikantin zur Erzieherin - sie hat auch direkt eine Stelle gefunden anschließend.
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