"Meine Referendarin"

Wer sich seine Sorgen und Nöte mit dem Referendariat von der Seele reden will, ist hier richtig. Vielleicht gibt es ja jemanden, der einen guten Rat hat.

Re: "Meine Referendarin"

Beitragvon Max_Cohen » 08.02.2018, 17:17:46

Maximer hat geschrieben:
MarlboroMan84 hat geschrieben:Direkte Instruktion =/ Frontalunterricht

die Begrifflichkeiten sind sicherlich schwierig, aber im Grunde meinen doch beide - wenn ich das richtig sehe -, dass der/die Lehrer/in vorne steht und den "Stoff" in der Hauptsache aufbereitet und präsentiert, Arbeitsaufträge erteilt und die Ergebnisse am Ende der Stunde an der Tafel auswertet, während der von uns Referendaren geforderte Unterricht die Schülerinnen und Schüler aktivieren soll, d.h. wohlüberlegte Gruppenarbeitsphasen (wer macht mit wem und wie lange und mit welcher Zielsetzung was? etc.) und hieran anknüpfend die Erstellung von (gemeinsamen) Handlungsprodukten, die ggf. das weitere Unterrichtsgeschehen lenken (und nicht unbedingt nur die Lehrkraft) = Handlungsorientierung.


Schüleraktivierung bedeutet kognitive Aktivierung, nicht Handlungsaktivierung. Das hat nichts mit Gruppenarbeitsphasen, Ausschneiden oder gar Herumlaufen zu tun, sondern damit, die Schüler zum Denken anzuregen. Ebenso, und darauf weist ZigarettenWerbeikone84 auch hin, ist direkte Instruktion etwas vollkommen anderes als Frontalunterricht.
Ich bin immer wieder entsetzt, wie vermeintliche (angehende) Fachleute mit Fachbegriffen und -konzepten ihres Gebiets umgehen.
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Re: "Meine Referendarin"

Beitragvon Maximer » 08.02.2018, 18:30:56

Max_Cohen hat geschrieben:Schüleraktivierung bedeutet kognitive Aktivierung, nicht Handlungsaktivierung. Das hat nichts mit Gruppenarbeitsphasen, Ausschneiden oder gar Herumlaufen zu tun, sondern damit, die Schüler zum Denken anzuregen. Ebenso, und darauf weist ZigarettenWerbeikone84 auch hin, ist direkte Instruktion etwas vollkommen anderes als Frontalunterricht.


Hallo Max_Cohen,

mir ist schon klar, dass mit Schüleraktivierung weit mehr gemeint ist, als bloßes Getue nur um des Tuns willen.

Mir geht es darum, dass eben in der Praxis - wie ich sie bisher erleben durfte - schon anhand der oben von mir genannten Punkte diese Unterrichtsarten unterschieden werden. Dass das in der Theorie so nicht eindeutig ist, habe ich auch erwähnt ("schwierige Begriffe").

Max_Cohen hat geschrieben:Ich bin immer wieder entsetzt, wie vermeintliche (angehende) Fachleute mit Fachbegriffen und -konzepten ihres Gebiets umgehen.


Ich finde es viel entsetzlicher, wenn Leute der Meinung sind, nur weil sie "Fachleute" für irgendwas sind, müssten sie und könnten sie allwissend durch die Welt spazieren.

Das ist nicht meine Sache und mit so einer Einstellung werde ich auch nicht vor meinen Schülern/Schülerinnen stehen - ganz bestimmt NICHT!

Schönen Abend!
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Re: "Meine Referendarin"

Beitragvon Max_Cohen » 08.02.2018, 20:12:03

Maximer hat geschrieben:Mir geht es darum, dass eben in der Praxis - wie ich sie bisher erleben durfte - schon anhand der oben von mir genannten Punkte diese Unterrichtsarten unterschieden werden. Dass das in der Theorie so nicht eindeutig ist, habe ich auch erwähnt ("schwierige Begriffe").


Dann werden genau in der Art und Weise, wie ich es kritisiert habe, klar definierte und abgegrenzte Begriffe vollkommen falsch verwendet. Die Psychologen weisen mittlerweile selbst auf diese nicht zielführende Fehlinterpretation hin, siehe z.B. Gold oder Kunter/Trautwein.

Ich finde es viel entsetzlicher, wenn Leute der Meinung sind, nur weil sie "Fachleute" für irgendwas sind, müssten sie und könnten sie allwissend durch die Welt spazieren.


Die hier konstruierte Alternative nennt man unprofessionelles Verhalten, das gerne euphemistisch als "Praxis" gegenüber einer als Feinbild konstruierten "Theorie" bezeichnet wird, um diese Tatsache zu verschleiern.
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Re: "Meine Referendarin"

Beitragvon Maximer » 09.02.2018, 14:25:46

Max_Cohen hat geschrieben:Dann werden genau in der Art und Weise, wie ich es kritisiert habe, klar definierte und abgegrenzte Begriffe vollkommen falsch verwendet. Die Psychologen weisen mittlerweile selbst auf diese nicht zielführende Fehlinterpretation hin, siehe z.B. Gold oder Kunter/Trautwein.


Sicherlich existieren zahlreiche klar voneinander abgegrenzte Definitionen der oben genannten Begriffe, aber diese unterscheiden sich - wie dir ja bekannt sein wird - z.T. sehr deutlich voneinander. Das meine ich mit "schwierig", um das nochmal klarzustellen. Die Erziehungswissenschaften/Bildungswissenschaften sind ja kein unbedingt homogenes Gebilde, sondern weisen z.T. starke Kontroversen und völlig unterschiedliche Sichtweisen/Herangehensweisen an ihren vermeintlich gemeinsamen Gegenstand auf. Das sollte man schon im Blick behalten, auch wenn man selbst vielleicht der Meinung ist, die Begriffe ließen sich eigentlich eindeutig verstehen/definieren.

Max_Cohen hat geschrieben:Die hier konstruierte Alternative nennt man unprofessionelles Verhalten, das gerne euphemistisch als "Praxis" gegenüber einer als Feinbild konstruierten "Theorie" bezeichnet wird, um diese Tatsache zu verschleiern.


Ich komme ja frisch von der Uni, habe also ein Hochschulstudium erfolgreich hinter mich gebracht und bin mir absolut dessen bewusst, dass Theorie und Praxis zwei unterschiedliche Wahrnehmungsfelder kennzeichnen. In der Theorie muss man sich nicht zwangsläufig mit konkreten Praxisproblemen auseinandersetzen, die es je nachdem notwendig machen, griffige und vielleicht auch verkürzte Begriffe zu verwenden, die im Alltag klare Unterscheidungen und Verständnishilfen bieten, aus theoretischer Sicht aber nicht unbedingt einwandfrei bzw. logisch konsistent sind etc.

Was ich sagen will: Es wäre von mir als Theoretiker anmaßend, mein Wissen unreflektiert auf das jetzt vor mir liegende Praxisfeld zu projizieren und den faktischen Unterschied zwischen Theorie/Praxis zu nivellieren. Dafür hätte mein jetziges Umfeld verständlicherweise kein Verständnis übrig.

Es gehört mehr dazu, Praxis und Theorie gerecht zu werden als die erhabene (und irgendwie widersprüchliche) Einstellung, dass aus theoretischer Sichtweise kein eigentlicher Unterschied zwischen Theorie und Praxis existiert und die Praktiker allesamt Feinde der erhabenen Theorie seien etc.

Das finde ich wiederum verkürzt gedacht. Nein, es gehört viel mehr dazu; man muss hinschauen und hinhören und dann schauen, wie man sich gegenseitig besser verstehen und an Problemen gemeinsam arbeiten kann.

Schönes Wochenende!
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