Grundschullehrer fodern Gymnasiallehrergehalt

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Re: Grundschullehrer fodern Gymnasiallehrergehalt

Beitragvon Stark » 02.02.2018, 15:44:27

[quote="StephanNRW"]Inhaltlich wird sich Mathematik bis zu meiner Pensionierung wohl kaum noch ändern und außer ein paar Verbesserungen und Anpassungen ist eine erneute Kursvorbereitung jetzt nicht mehr erforderlich (gleiches gilt auch für andere Fächer). [/quote]

Ein Zitat das vieles, von dem was du schreibst, in das richtige Licht rückt.
Selbstverständlich ändert sich in den meisten Fächern inhaltlich nicht so schrecklich viel. Und selbst da, wo sich etwas ändert, ist der fachliche Anspruch trivial, wenn man halbwegs kompetent ist, so dass diese Änderungen nicht wirklich schwer ins Gewicht fallen.
Was sich hingegen ändert, sind methodische und didaktische Verfahren, die Schülergruppen und generell die Arbeitsbedingungen. Dass du das so einfach unter den Tisch fallen lässt, zeigt schon recht deutlich, welches Verständnis du von deinem Beruf hast. Dann kann man auch um 14.10 Uhr Feierabend machen.
Was dein Post auch deutlich zeigt, ist, dass man im Berufsbeamtenum gegen Minderleister und Abseiler wenig unternehmen kann. Das ist tatsächlich ein Problem in unserem Beruf, das ich auch im Alltag immer wieder erlebe. Das heißt, die Besoldung ist schon okay, aber vielleicht sollte man mal mehr Kontroll- und Sanktionierungsmöglichkeiten einführen, um auch zu garantieren, dass sich jeder auch seine Besoldung verdient.

Abgesehen davon: Gleiche Besoldung von Grundschul- und Gymnasiallehrern sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Dass manche Gym-Kollegen A14 einfordern, wenn GS plötzlich A13 bekommt, ist armselig und zeugt von Missgunst. Unterm Strich arbeiten GS-Kollegen, wenn sie ihre Arbeit denn ernst nehmen, sicherlich nicht weniger als Sek2-Kollegen, sofern diese ihre Arbeit ernst nehmen. Und ob nun Korrekturen oder die Arbeit mit Eltern, Jugendamt etc. schlimmer zu bewerten sind, wage ich nicht zu beurteilen.
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Re: Grundschullehrer fodern Gymnasiallehrergehalt

Beitragvon Max_Cohen » 27.02.2018, 7:22:33

[quote="Stark"]
Was sich hingegen ändert, sind methodische und didaktische Verfahren, die Schülergruppen und generell die Arbeitsbedingungen.
[/quote]

Das ist vielleicht etwas verkürzt formuliert.
- In den letzten Jahren hat man überhaupt erst systematisch durch Forschung verstehen können, was lernwirksamen Unterricht ausmacht. Wer sich darum nicht kümmert und weiterhin "auf gut Glück" oder nach dem Motto "im Ref mach' ich, was der Fachleiter will, danach mach' ich, was ich will" unterrichtet, begeht mit hoher Wahrscheinlichkeit pädagogische Kunstfehler.
- Auch in der Mathematikdidaktik existiert noch viel zu wenig Forschung über geeignete Strukturierungs- und Unterstützungsmaßnahmen für den Unterricht. Fachlich korrekter Unterricht ist natürlich notwendig, aber ganz sicher nicht hinreichend dafür, dass möglichst viele Schüler tragfähige Vorstellungen aufbauen können. Ich hoffe sehr, dass für möglichst viele Themengebiete konkret erforscht wird, welche gedanklichen Schritte Schüler in welcher Reihenfolge durchlaufen müssen, um Begriffe und Konzepte zu erwerben (Beispiel: Wie und mit welchen Beispielen muss im Unterricht - beginnend mit Grundschule! - gedanklich vorgegangen werden, damit bis zum Ende der Sekundarstufe II ein tragfähiges Konzept des funktionalen Zusammenhangs bei möglichst vielen Schülern vorliegt?). In der Physik gibt es so etwas zumindest für den traditionell äußerst lernunwirksamen Mechanikunterricht in der Sek I schon.

Insofern wäre insgesamt eine Professionalisierung des Lehrerberufs in Deutschland anzustreben. Dann könnten aber in der Tat auch alle gleich besoldet werden, wobei ich einigen Vorrednern zustimmen muss: Auch ich halte A13 für überzogen; die Netto-Bezüge sind mehr als auskömmlich, und ich muss davon nicht einmal etwas für meine Zeit als Pensionär zurücklegen, weil ich dann auch auskömmlich versorgt werde.
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Re: Grundschullehrer fodern Gymnasiallehrergehalt

Beitragvon CaraM. » 27.02.2018, 11:59:28

Ich bin der Meinung, dass diejenigen mit in den Prozess eingebunden werden, der Mathe- und Physik/Chemie-Didaktik befassen, die Schwierigkeiten in diesen Fächern hatten.

Leute, denen Mathematik odr Naturwisenschaften zugeflogen sind, wissen doch gar nicht, wo es knirscht und was Leute dann später anschaulich und nachvollziehbar fanden.

Ich habe z.B. ganz andere Fragen gestellt: Verdammt noch mal, was passiert denn jetzt IN diesem dämlichen Blatt, das in die Flüssigkeit getaucht wird. Warum wird es blau und nicht blümchenrosa? O.k. es zeigt meinetwegen, ob etwas alkalisch ist. Na und? Was weiter? Wozu muss man das wissen? Was ist das Geheimnis?
Während unsere Spitzenleute das einfach "schluckten" und die waren immer weiter als das was wir tatsächlich schon durchgenommen hatten. Ich hingegen ertrank in Fragen.
Furchtbar.

Auch die ganzen Versuche...ja, dann hatten wir den Versuch gemacht, beschrieben ...ja und dann? Was sollte mir das sagen?
CaraM.
 
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Re: Grundschullehrer fodern Gymnasiallehrergehalt

Beitragvon Max_Cohen » 27.02.2018, 19:06:53

[quote="CaraM."]Ich bin der Meinung, dass diejenigen mit in den Prozess eingebunden werden, der Mathe- und Physik/Chemie-Didaktik befassen, die Schwierigkeiten in diesen Fächern hatten.
{/quote]

Es geht hier nicht um Meinungen, sondern um - und ich wiederhole mich - die erforschbare Frage, wie geeignete Strukturierungs- und Unterstützungsmaßnahmen aussehen, damit möglichst [b]alle[/b] Schüler es lernen können. Insbesondere wird die Forschung in real existierenden Klassen durchgeführt.

[quote]
Während unsere Spitzenleute das einfach "schluckten" und die waren immer weiter als das was wir tatsächlich schon durchgenommen hatten. Ich hingegen ertrank in Fragen.
Furchtbar.

Auch die ganzen Versuche...ja, dann hatten wir den Versuch gemacht, beschrieben ...ja und dann? Was sollte mir das sagen?[/quote]

Das klingt, als hättest du unter unprofessionellem Unterricht gelitten. Wenn diese Fragen tatsächlich nicht geklärt wurden, war das organisierte Zeitverschwendung.
Im Übrigen gibt es noch viel schockierende Forschungsergebnisse (vgl. Müller, Wodzinski und Hopf [Hrsg.] - Schülervorstellungen in der Physik): In wenig lernwirksamem und didaktisch unzulänglichem Unterricht erreichen zwar Schüler auch sehr gute Leistungen, d.h.
sie können die mitunter recht hirnlosen Standardaufgaben den Wünschen des Lehrers entsprechen lösen, [b]glauben[/b] allerdings nicht unbedingt, was sie dort lernen.
Max_Cohen
 
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