Abschaffung der musischen Fächer?

Umfrage und Diskussion über das aktuellste schulpolitische Thema

Welchen Stellenwert sollten musische Fächer im Bildungskanon haben?

Man kann sie getrost kürzen oder abschaffen!
24
12%
Weiß nicht
6
3%
Sie sind wichtig - sie dürfen nicht gekürzt werden!
172
85%
 
Abstimmungen insgesamt : 202

Re: Abschaffung der musischen Fächer?

Beitragvon Rena » 02.05.2010, 17:43:38

Welche Umfragen meinst du? Kannst du deine Aussagen belegen? Dass in Musik und Kunst hauptsächlich trockene Theorie unterrichtet wird, ist Blödsinn.
Schau dir mal den Bayern-Lehrplan von Musik an, da steht ziemlich wenig zu Theorie drin..
Auch im Studium steht die Praxis viel weiter vorne als die theoretischen Inhalte (ich meine hiermit die Fülle an Praktika, der Austausch mit Gymnasiallehrern, etc.).
Ach ja, deine Idee mit "man könnte diese Fächer ja außerhalb der Schule unterbringen": Welches Kind hat denn wirklich noch so viel Zeit und Nerven, außerhalb des Unterrichts in einen Chor, die KLavierstunde, einen Malkurs o.ä. zu gehen?

Und noch etwas: Ich habe auch 6 Jahre studiert, und meine beiden Examina können sich echt sehen lassen. Deshalb habe ich auch wirklich KEIN schlechtes Gewissen, dass ich jetzt A13 "einsacke". Warum auch? Ist deine Arbeit wertvoller als meine?
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Re: Abschaffung der musischen Fächer?

Beitragvon meier » 03.06.2010, 13:38:38

Die prinzipiell bildende Bedeutung von einer (realistisch betrachtet: groben) Einführung in Musik und Kunst ist für mich wichtiger als jede "bildungsökonomische" Erwägung.

Ich persönlich lehne daher jede gedankliche Form des "outsourcens" ab.

[quote]
Dabei spielt es jetzt auch keine Rolle, dass es sicher welche gibt, die Ihre Erfahrungen aus dem Studium auch in den Unterricht mit einfließen lassen - aber allgemeiner Tenor (aus Umfragen) ist dann, dass der Unterricht insgesamt zu verkopft und zu wenig handlungsorientiert ist.
So fällt Schülern beim Wort Musikunterricht zuerst "Noten lesen können" und beim Wort Bk-Unterricht zuerst [u]"Kunstgeschichte und Bilder interpretieren"[/u] ein.[/quote]

Dass Schüler in der Praxis (scheinbar) oft recht unmotiviert sind und auch (ganz hart gesagt) oft nach der Schule wenig "hängenbleibt" spricht m.M.n. nicht dagegen. Bei Mathematik z.B. ist das auch oft so.
Bestimmte Fächer sollten niemals aufgegeben werden, schon garnicht weil sie (und das ist, wenn wir mal ehrlich sind, der *wahre* Grund dafür) nicht wirtschaftlich "verwertbar" sind bzw analog zu wirtschaftlicher Rationalität gedacht wird.

Musik und Kunst sind ein wichtiger Bestandteil unserer Kultur - da finde ich es legitim, ganz simpel und "ökonomisch irrational" (im weitesten Sinne) zu sagen: "Nein. Das gehört dazu, basta."

Wer z.B. nie gelernt hat, ein Bild zu "sehen" statt es nur anzuschauen, dem fehlt gerade heute auch eine wichtige "Kompetenz". Stichwort: Werbung, Werbepsychologie.
Perspektive? Farbwahl? Personendarstellung? Zeit? Ort? Produzent? Rezipient?

Ästhetik ist *nicht* irrelevant.

(Laienhaftigkeit der Beispiele bitte ich zu entschuldigen, ich habe weder Kunst noch Musik)
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Re: Abschaffung der musischen Fächer?

Beitragvon Serafina » 27.06.2010, 18:15:28

Uns muss es ja wirklich ausgesprochen gut gehen. Schließlich heißt es in "Brave New World", dass Kunst und Literatur nur dann wichtig sind, wenn die Menschen leiden. Da man in Brave New World das Leiden ja abgeschafft hat oder mit einer Droge namens Soma betäubt, hat man dort eben keinen Bedarf.

Es ist schön zu wissen, dass es uns so gut geht.
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Re: Abschaffung der musischen Fächer?

Beitragvon Freidenker » 28.06.2010, 19:57:38

Schon die Ausgangsfrage des Threads verdeutlicht, dass das Abendland schon (fast) untergegangen ist und nun die Barbarei folgt !
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Re: Abschaffung der musischen Fächer?

Beitragvon LarsL » 01.07.2010, 17:39:02

[quote="Freidenker"] Schon die Ausgangsfrage des Threads verdeutlicht, dass das Abendland schon (fast) untergegangen ist und nun die Barbarei folgt ![/quote]

Die Umfrageergebnisse werden dabei natürlich völlig ignoriert ...
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Re: Abschaffung der musischen Fächer?

Beitragvon Freidenker » 02.07.2010, 15:26:44

Gerade die 10% haben es in sich !
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Re: Abschaffung der musischen Fächer?

Beitragvon Zitronenfalter » 03.07.2010, 19:50:28

@ rena

Die Tatsache, dass in den Bildungplänen ein hoher Praxisanteil vorgeschrieben ist, hat meiner Beobachtung nach noch fast keinen Musiklehrer dazu gebracht, seinen Unterrichtsstil zu ändern.

Frag´doch mal einen Kollegen so mit 10 bis 15 Jahren Berufserfahrung, ob er - bildungplanbedingt - seinen Unterricht so umgestellt hat, wie es die Bildungpläne einfordern. Von Sport ganz zu schweigen.

Dass Du 6 Jahre studiert hast und dort auch respektable Leistungen erbracht hast stelle ich nicht in Abrede. Nur: Wieviel aus Deinem Studium kannst Du denn gewinnbringend und zielführend zum Wohle der Schüler mit einbringen? Das ist doch der Punkt.

Des Weiteren siehst Du einen Zusammenhang zwischen 6 Jahren Studium (nicht vergessen: 6 Jahre Kosten), Anspruch auf A13 und dem Wert von Arbeit an sich oder im Gegensatz zu mir.
Ich sehe da keinen. Du kannst auch 100 Stunden Blätter an die Bäume kleben (als Diplomgärtner von mir aus) - trotzdem wirst Du schwerlich jemand finden, der bereit ist, dafür Geld zu zahlen.

Nebenbei: Musischen Unterricht mit Leuten aus der beruflichen Praxis (Künstler, Musiker usw.) bereichern immer das Schulleben - die Fähigkeiten kann man, wie ich geschrieben habe, outsourcen, aber indem man die Leute in die Schule reinholt - und nicht am Nachmittag.

Zitro
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