Niedersächsische Referendare als "freiwillige Feuerwehr

Umfrage und Diskussion über das aktuellste schulpolitische Thema

Kürzere Referendarsausbildung, um dann als billige Aushilfskraft unterrichten zu können.

Umfrage endete am 24.07.2009, 11:14:27

Wir schaffen das, alles geht vorbei!
2
5%
Die Situation ist untragbar.
25
58%
Ich fordere politische Konsequenzen. Ministerin Heister-Neumann muss zurücktreten!
16
37%
 
Abstimmungen insgesamt : 43

Niedersächsische Referendare als "freiwillige Feuerwehr

Beitragvon admin » 24.02.2009, 11:14:27

Niedersachsen hat wegen des Lehrermangels nun die Referendarszeit per Erlass verkürzt, um dem Lehrermangel zu entgegnen.
Die um 2 Monate schneller ausgebildeten Referendare sollen dann in "Nebentätigkeit" eigenverantwortlichen Unterricht in Vollzeit erteilen. Die Bezahlung orientiert sich allerdings nicht an den verbeamteten Lehrern, sondern weiterhin am Referendarsgehalt. Auf diese Weise spart sich das Land Niedersachsen pro "freiwilliger Feuerwehrkraft" knapp 2000 €.
Wir meinen, dies ist in höchstem Maße unredlich gegenüber Referendaren, die sich dienstrechtlich und karrieretechnisch nicht dagegen wehren können.

Liebe Niedersachsen: Was haltet Ihr als direkt Betroffene davon? Was sind Eure Gedanken, Befürchtungen, Hoffnungen?
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Beitragvon Hanseatin » 24.02.2009, 12:23:57

Ich muss mal nachfragen, ob ich das richtig verstehe. Geht es darum, dass man Vollzeit unterrichtet NACH dem Ref. (mit Ref-Gehalt) oder darum, dass man direkt nach der Prüfung WÄHREND des Refs schon Vollzeit als Feuerwehrkraft unterrichtet?
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Beitragvon Eponine » 24.02.2009, 12:30:15

Während, also zwischen Prüfung und Ende des Refs.

HIer steht der Artikel dazu: http://www.spiegel.de/schulspiegel/0,1518,609437,00.html
Ref abgeschlossen im Studienseminar Oldenburg/Nds.
Seit 08/2009 Lehrerin an einer GS.
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Beitragvon Hanseatin » 24.02.2009, 13:33:20

Danke!
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Beitragvon erdbeerchen123 » 24.02.2009, 18:48:40

Ich finde es echt unverschämt!
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Beitragvon Malina » 24.02.2009, 20:10:39

Bin vor einem Jahr fertig geworden und habe eine Woche nach meiner Prüfung die Schule gewechselt, auch um Feuerwehr zu arbeiten. "Damals" war es allerdings noch so, dass ich für mein Refgehalt auch nur den dafür gültigen Stundensatz (waren bei uns 12 + 3 zusäthlich genehmigt aber auch bezahlt als angestellte Vertretungskraft) arbeiten durfte.

Falle gerade fast rückwärts vom Stuhl, das ist mal wieder typisch.

Lehrermangel, Lehrermangel... der ist de facto in vielen Bereichen und Fächern gar nicht da.

Ja, es fehlen Leute für Physik und Chemie. Ja, in manchen Schulstufen auch für Mathe.

Aber ansonsten? Ich alleine kenne 12 Leute, die sich nach diesem Jahr bis heute mit armseligen Vertretungsverträgen meist in den Ferien arbeitslos von Monat zu Monat hangeln und über sowas nur bitterlich lachen können.

Nds. ist zur Zeit kein sonderlich netter Arbeitgeber für junge und alte Lehrkräfte. Kleiner Auszug gefällig?

1. GS Lehrer starten mit 3 Jahren Zwangs - Teilzeit als Angestellte. 1400€ netto bei 25 Stunden (+ zur Zeit 1h Arbeitszeitkonto. Kann sich das Land leisten, da es so eine GS - Lehrerschwemme gibt (Mangel? Wo?).
-> viele wandern aus nach HH oder NRW, da man dort sofort beamtet wird.

Prognostizierte Folge aus diesem schrecklichen Lehrermangel (wie gesagt, kenne immer noch alleine 12 Leute...)->

2. Teilzeitkräfte sollten laut tollen Plänen der Regierung in die Vollzeit gezwungen werden (!). Leider läuft das Arbeitszeitkonto aus und - hups - merkt man, dass diese zunächst ja unbezahlte Arbeit irgendwie aber wichtig war. (Mal davon abgesehen, dass ja das reelle Geld zur Ausbezahlung aller Arbeitszeitkonten das Land wohl pleite gehen lassen würde...). Folge - ganz klar - statt neue Lehrer einzustellen, die man ja durchfüttern und nicht einfach entlassen könnte wie Vertretungskräfte - arbeiten halt alle anderen Vollzeit. Super Lösung! Nicht, dass alle, die Teilzeit beantragen, gute Gründe dafür haben - sei es nun Familie, Belastbarkeit oder Alter. Ist dem Land wurscht.

3. Gemerkt, dass man das rechtlich nicht durchbringen kann. Folge: Ein beklemmender, ganz ganz arg trauriger um Hilfe bettelnder Brief an die Schulleitungen, doch bitte alle Teilzeitkräfte nochmal zu bitten, doch aufzustocken auf Vollzeit. Das arme Land hat sonst keine Lehrer mehr und das wrde schließlich ja zu Lasten der Schüler gehen. Das kann doch kein Lehrer verantworten! (Aber eine Regierung schon, ne ist klar!)...
Lustig dabei: Die 3-Jahres - Zwangsteilzeitkräfte dürfen natürlich NICHT aufstocken -dann müsste man die ja vorzeitig verbeamten und das geht ja mal gar nicht!

Frag mich manchmal auch, warum ich so dumm bin und in diesem Land arbeite, obwohl ich ein besser Bezahlendes gleich um die Ecke habe.
Ich als ganz junge Lehrkraft wundere mich, was alleine in diesem einen Jahr alles schon passiert ist und wie viel Auswirkungen das auf mich persönlcih gehabt hat. Dabei muss ich sagen, dass ich an einer sehr neuen, gut ausgestatteten Schule (sowohl personell als auch materiell bin) und nun auch bei uns schon so viel im Argen liegt.
Brr....
Malina
 
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Beitragvon Teacha » 24.02.2009, 20:35:12

Malina hat geschrieben:Lehrermangel, Lehrermangel... der ist de facto in vielen Bereichen und Fächern gar nicht da.

Ja, es fehlen Leute für Physik und Chemie. Ja, in manchen Schulstufen auch für Mathe.


Wenn Du Klassenlehrerin in der 3. Klasse bist, sprichst Du vermutlich für die Grundschule. Dort ist wirklich kein Lehrermangel.
Im gymnasialen Bereich hingegen gibt es einen massiven Lehrermangel. Dort geht es schneller, die Fächer aufzuzählen, die keine Mangelfächer sind (Deutsch, Geschichte, Erdkunde, Biologie, Sport).
Katholische Religion, Politik, Chemie und Französisch sind ausgeglichen.
Alle anderen Fächer sind Mangelfächer (Mathematik, Physik, Latein, Spanisch und Musik sind sogar extreme Mangelfächer). Wer mit diesen Fächern im gymnasialen Bereich auf der Suche ist, findet innerhalb von einer Woche mehrere Anstellungsmöglichkeiten.

Die 12 Leute, die Du kennst dürften vermutlich keine Gymnasiallehrer sein, oder sie haben eben keine Mangelfächer.
Teacha
 
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