Zukunft des Lehramtsstudiums / Lehrerausbildung

Umfrage und Diskussion über das aktuellste schulpolitische Thema

Welche Studien-/ Ausbildungsinhalte präferierst du?

Mehr erziehungswissenschaftliche Inhalte sind dringend notwendig!
34
23%
Die Fachwissenschaften müssen weiterhin den Vorrang haben. Ohne Inhalt nützt auch die beste Methode nichts!
22
15%
Eine neue Verteilung muss gefunden werden. Ein adäquater Anteil erziehungswissenschaftlicher Inhalte, ohne Vernachlässigung der Fachwissenschaften ist wünschenswert.
92
62%
 
Abstimmungen insgesamt : 148

Zukunft des Lehramtsstudiums / Lehrerausbildung

Beitragvon admin » 21.03.2005, 10:17:48

Die KMK ist in der Frage nach der Zukunft der Lehrerausbildung uneinig.
"Große Uneinigkeit herrschte in der KMK in der Frage, wie die Lehramtsstudiengänge künftig strukturiert werden sollen. [...]
Die Lehrerausbildung unterscheidet sich in den Ländern so stark, daß etwa Gymnasiallehrer in Nordrhein-Westfalen an die dreißig Stunden Erziehungswissenschaften nachweisen müssen, in Baden-Württemberg indessen nur vier. Es gibt bisher keine gesicherten Erkenntnisse darüber, welche Gruppe besser auf den Schuldienst vorbereitet ist. Vieles spricht dafür, daß ein solides fachwissenschaftliches Studium, das durchaus die Möglickeit offenläßt, sich gegen das Lehrmat und etwa für eine wissenschaftliche Laufbahn zu entscheiden, noch die beste Voraussetzung für einen guten Unterricht ist. Doch davon wollen die Länder nichts wissen. Vielmehr wird die künftige fachwissenschaftliche Ausbildung in den Lehramtsstudiengängen so schwachbrüstig sein, daß Lehramtsstudenten Schwierigkeiten haben werden, eine fachwissenschaftliche Promotion abzulegen. [...] Ein "Master of Education" läuft also Gefahr, als zweitklassig zu gelten."
FAZ, 11.03.05

Fachwissenschaften oder Erziehungswissenschaften?
Theorie oder Praxis?
Akademischer Grad, der weitere Berufsoptionen offenhält oder absolut fachgebundene und eingeschränkte Ausbildung?

Euere Meinung ist gefragt!
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Beitragvon Severus Snape » 21.03.2005, 10:51:11

Ich plädiere eindeutig für den fachwissenschaftlichen Schwerpunkt. Fachkompetenz reduziert die Arbeitsbelastung weitaus besser als EW-Kompetenz.

Zudem: EW-Wissen ist der Mode unterworfen und schnell Schnee von gestern. Zumindest in einigen Disziplinen ist das Fachwissen hingegen relativ wertstabil. Dann besser dort investieren.

Gruß,
Snape
Severus Snape
 

Beitragvon Lysander » 21.03.2005, 11:31:23

Severus Snape hat geschrieben:Ich plädiere eindeutig für den fachwissenschaftlichen Schwerpunkt. Fachkompetenz reduziert die Arbeitsbelastung weitaus besser als EW-Kompetenz.

Zudem: EW-Wissen ist der Mode unterworfen und schnell Schnee von gestern. Zumindest in einigen Disziplinen ist das Fachwissen hingegen relativ wertstabil. Dann besser dort investieren.

Gruß,
Snape


Da würde ich gerne einhaken.

Das, was an der Uni an EW-Wissen vermittelt wird, ist ErziehungsWISSENSCHAFT - also Theorie. Ich erinnere mich noch gut daran, wie über die entsprechende Praxis wild und mitunter gefährlich naiv in den Seminaren spekuliert wurde.

Die Erziehungswissenschaft müsste viel stärker mit der Praxis kombiniert werden. Was nützen Theorien wie das Berliner Modell o.ä. wenn man es nicht anwendet bzw. die Vorzüge und Nachteile aus der Praxis nicht kennt.

Grundsätzlich ist eine stärkere Verzahnung von Uni und Schule notwendig. Es kann nicht sein, dass man fünf Jahre studiert, ohne zu wissen, worauf man sich einlässt, um dann im Referendariat zu erfahren, dass man sich den falschen Beruf ausgesucht hat. Potenzielle Lehramtsstudenten benötigen während des Studiums größere bzw. tiefere Einblicke in ihren Beruf und vor allem eine schnelle und profunde Rückmeldung darüber, ob sie für den Beruf geeignet sind oder nicht.

Gruß
Jules
Lysander
 

Beitragvon schäfchen » 22.03.2005, 10:40:18

Lysander hat geschrieben:Das, was an der Uni an EW-Wissen vermittelt wird, ist ErziehungsWISSENSCHAFT - also Theorie. Ich erinnere mich noch gut daran, wie über die entsprechende Praxis wild und mitunter gefährlich naiv in den Seminaren spekuliert wurde.


Da kann ich mich nur bestätigend ranhängen. Obwohl wir jede Menge Pflichtveranstaltungen in Pädagogik hatten, habe ich in den ersten Schulwochen gemerkt, dass ich so überhaupt keine Ahnung hatte. Da standen dann die schlauen Bücher im Regal, aber wie ich das, was da drin steht, in meinem Unterricht umsetze, war mir ein totales Rätsel.

Nur durch die Übung hat sich das jetzt gegeben, da haben auch die 6 Wochen Schwerpunktpraktikum nichts gebracht, ich bin fast genauso ahnungslos wieder zurück an die Uni gekommen (was jetzt nicht heißen soll, dass ich ziemlich dämlich bin, es wurde einem einfach nicht beigebracht).


Severus Snape hat geschrieben:Ich plädiere eindeutig für den fachwissenschaftlichen Schwerpunkt. Fachkompetenz reduziert die Arbeitsbelastung weitaus besser als EW-Kompetenz.


Dann wäre es aber auch schön, nicht nur Hochschulmathematik (in meinem Fall) zu betreiben, sondern die Kurse sollten sich auch (gerade in didaktischer Hinsicht) mit Unterrichtsinhalten der Schule auseinander setzen. Jetzt habe ich eine 9 in Mathe und das letzte Mal, dass ich Strahlensätze etc gemacht habe, ist so ziemlich genau 10 Jahre her. Da hätte es nicht geschadet, wenn sowas auch noch in der Uni drangekommen wäre.

Aber du hast recht, Severus, ohne Fachwissen geht es nicht, oder es dauert ewig und man ist obendrein unsicher. Da man Pädagogik (wie es in der Uni doziert wird) eh an der Schule nicht gebrauchen kann, sollte es möglichst um die Festigung von Fachwissen gehen.

Und mehr Praktika!

Lg, Schäfchen
schäfchen
 

Beitragvon Gast » 14.05.2005, 21:16:30

Mein cooler Tipp, geboren nach mehrmaligem Besuch Eures Forums:

Lehrerstudium mit Eignungstest beginnen! Warum gibt es das bei Kunstakademien und im Sportstudium, aber nicht bei den meisten Lehrfächern?

Problem:
1. Student denkt: Ich habe einen Anspruch auf ein Studium meiner Wahl, und wenn ich mich durchkrebsen muss, dann haben halt die anderen meine Begabung nicht erkannt. Im praktischen Schuldienst wird alles besser...
2. Referendar denkt: es gibt einen Anspruch auf Refplatz, also habe ich persönlich auch ein Recht auf diese Ausbildung, und wenn einer sagt, ich kanns nicht, dann hat er halt meine Begabung nicht erkannt. Wenn ich fertiger Lehrer bin, wird alles besser...
3. Fertiger Lehrer denkt: Oweh, ich habs fachlich nicht drauf, und die Kinder hören nicht, wenn ich Sie um Ruhe bitte, und der Chef fragt mich, warum ich meine Klassen nicht im Griff habe... Aber die haben alle meine Begabung nicht erkannt! Ich habe doch ein Recht auf diese Stelle, im Wunderland Deutschland darf doch jeder seinen beruflichen Traum verwirklichen... Aber wartet nur: Wenn die Kinder anders erzogen werden, wird alles besser...Man muss das berufliche Umfeld meinen Möglichkeiten anpassen!

Preisfrage: Welchen Denkfehler begeht der Junglehrer mehrmals im Laufe seiner Karriere?

Wenn man die Unfähigen raus hat, ist doch schon das größte Problem gelöst, oder?

Meint Ihr wirklich, die Unfähigen werden durch ein Seminar über tiefenpsychologische Aspekte der kleinkindlichen Suppenessverweigerung irgendwie besser?

Wie kann man überhaupt diskutieren, ob ein Lehrer (= Wissenvermittler) mehr Fachwissen als sein Wasistwas-Buch benötigt? Gute Nacht Deutschland, der nächste PISA-Test kommt bestimmt...

Vielleicht kann man die Unfähigen abhalten, wenns keinen Beamtenstatus mehr gibt, sondern eine LEISTUNGSABHÄNGIGE BEZAHLUNG!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Gast
 

Lehrerausbildung

Beitragvon Markus » 16.05.2005, 16:13:26

Hallo!
Auch ich muss mich der Meinungsmehrheit anschließen und halte ein wissenschaftlich orientiertes Studium inzwischen für sinnvoll.
Ein kurzes Wort zur EZW in Baden-Württemberg: 2001 wurde die
Studienordnung geändert, mit 4 SWS Pädagogik läuft also längst
nichts mehr (1. Beitrag).
Dennoch halte ich die gesamte Diskussion für wenig fruchtbar, ist sie doch schon in den 70er Jahren in der Zeit der Reformpädagogik
eindeutig zugunsten des von der Mehrheit favorisierten Ansatzes
entschieden worden.
Ich werde deshalb ein neues Thema eröffnen und hoffe auf eine
rege Beteiligung Eurerseits. Es ist ein Thema, das uns alle leider
angeht und das aktuell ist un angegangen werden muss.
Mit kollegialen Grüßen
Markus
"What a pity that fools may not speak wisely what wise men do foolishly"
William Shakespeare, "As you like it"
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Neues Thema: Besoldungsnotstand

Beitragvon Markus » 16.05.2005, 17:06:53

Toll, habe gerade festgestellt, dass nur die Administratoren
überhaupt ein Recht dazu haben, offiziell ein neues Thema
einzuführen, geht ja echt demokratisch zu. Na ja, auf diesem
Weg funktioniert es ja auch.
Ich weiß nicht wie ihr das seht, aber als ich mit dem Studium
anfing (WS 2000/01), lag die Referendarsbesoldung bei 2800
DM.
Das war ein angebrachtes Gehalt, von dem man auch hier in
Süddeutschland eine Wohnung mieten und eine zweiköpfige
Familie ernähren konnte, wenn man wie ich verheiratet ist. 2800
DM entsprechen übrigens ca. 1430 Euro (Gym). Nun ist in der
Zwischenzeit dank Einführung des Euro, auch wenn es die Politik
nicht wahrhaben will, die Inflationsrate doch recht gewaltig in
die Höhe geschossen, gerade wenn es um Mieten geht, aber
auch, wenn man mal ins Restaurant oder Kino gehen möchte.
Ich rede hier nicht davon, ein Leben in Saus und Braus zu
führen, sondern einfach von Bedürfnissen, die sich ein Mensch
meines Erachtens leisten können sollte, wenn er dazu bereit ist,
wegen des Studiums langfristig auf ein anständiges Gehalt zu
verzichten. Nun ist aber in der Zwischenzeit das
Referendarsgehalt um gut 400 Euro pro Monat geschrumpft.
Wie kann man da noch von sozialer Gerechtigkeit reden?
Anfang der 80er Jahre lag des Referendarsgehalt bei 80%
der Lehrerbesoldung, inzwischen sind es noch 47,6%!
Deshalb kann man nur sagen: Referendare aller Länder
vereinigt Euch!

Wir müssen es schaffen, öffentlich auf diesen Mißstand
aufmerksam zu machen und die Politik, der das Problem seit
Jahren bekannt ist, endlich zum Handeln zu zwingen! Das muss
mit allen Maßnahmen geschehen, die möglich sind, inklusive
einer Beteiligung der Medien. Wie soll sich denn das Deutsche
Schulsystem verbessern oder auch nur den Standard halten,
wenn es sich die Examinierten nicht mehr leisten können,
Lehrer zu werden?
Ich bin es jedenfalls satt, dass immer auf Kosten der
Schwächsten in unserer Demokratie gespart wird, und damit
meine ich nicht nur die Referendare, sondern auch und gerade
die Schüler, die nicht mehr in den Genuss vieler qualifizierter
Lehrkräfte kommen werden.
MfG Markus
"What a pity that fools may not speak wisely what wise men do foolishly"
William Shakespeare, "As you like it"
Markus
 
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