Unterrichten nach dem Lehrerhasser-Buch

Umfrage und Diskussion über das aktuellste schulpolitische Thema

Beitragvon Nummer100 » 25.03.2006, 22:15:20

Ich denke, reformpädagigische Ansätze sind ein Boomerang. Die Eltern, die so erzogen wurden und das für ihre Kinder vielleicht auch gefordert haben, beschweren sich gerade dann darüber, wenn sie sehen, dass die Kinder nicht weiterkommen.
Das Problem haben auch alle Waldorf-Schüler. In der Schule wohlbehütet, dürfen sie machen, was sie wollen. Wenn sie dann in die Berufswelt kommen, bleiben sie auf der Strecke, weil sie normales Arbeiten nicht gewohnt sind.
Ich bin für Unterricht nach klaren Regeln. Ein sehr gesundes Maß an Frontalunterricht und hoher Leistungsorientierung ist heute mehr denn je nötig!!!
Nummer100
 

Die Antwort auf das Lehrerhasser-Buch

Beitragvon Helene » 25.03.2006, 23:10:19

Das Lehrerhasserbuch vergiftet das Klima zwischen Lehrer und Eltern.

Ich empfehle als "Anti-Serum" das Buch
"Mut zur Macht: Starke Schulen brauchen starke Lehrer - Praktischer Leitfaden zur Ausübung von Macht im pädagogischen Kontext",
Vera Frey, Stephan König; Schneider Verlag Hohengehren, 2005.

Aus dem Klappentext:
„Das steigende Stör- und Gewaltpotenzial an unseren Schulen erschwert zunehmend einen guten Unterricht. Die Störer werden dabei durch eine mächtige Lobby, bestehend aus erziehungsunfähigen und anmaßenden Eltern, reform-pädagogisch orientierten Kollegen, inkompetenten Politikern und opportunistischen Medien mittelbar oder unmittelbar geschützt. Die nachhaltige Eindämmung der Störungen ist für leistungsorientierte Lehrer scheinbar nicht möglich. Viele finden sich mit dieser Erkenntnis resignierend ab. Sie reagieren aus Machtlosigkeit mit innerer Kündigung oder sogar Burnout. Doch diese Reaktion muss nicht zwangsläufig sein. Im Gegenteil, es gibt eine einfache und praktikable Methodik, um dies zu verhindern. Sie wird im Ratgeber Mut zur Macht praxisnah erläutert. .....
......
..... Der Ratgeber Mut zur Macht richtet sich vornehmlich an angehende oder berufserfahrene Lehrer. Er hilft ihnen, den Idealismus für ihren Beruf zu bewahren oder ihn wiederzufinden. Er dient zur Orientierung in einem reformpädagogisch dominierten Schulalltag. Der Ratgeber Mut zur Macht fordert dabei den prinzipiellen Einsatz der pädagogischen Vernunft im Kant`schen Sinne.“

Dieser Ratgeber wird auch empfohlen von der Regierung Unterfranken.
http://www.regierung.unterfranken.bayern.de/imperia/md/content/regufrintra/schulanzeiger/2006/schulanzeiger_2_06.pdf

Gruß Helene
Zuletzt geändert von Helene am 28.03.2006, 23:19:25, insgesamt 5-mal geändert.
Helene
 
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Beitragvon Lysander » 26.03.2006, 0:10:27

Tja, dazu fällt mir noch etwas ein:

Über viele Jahrhunderte wurde Anzweifeln von Autorität eines Herrschers durch den Herrscher (und die ihm zur Verfügung stehenden Mittel) bestraft bzw. häufig im Keim erstickt. Ausnahmen haben mitunter die Weltgeschichte geprägt.

Seit den 68ern erleben wir ein konsequentes Anzweifeln und Hinterfragen jeglicher schulischer/pädagogischer Autorität. In dem Moment, wo die Schüler diese Autorität hinterfragen und anzweifeln und die Schule keine Mittel mehr hat, diese Autorität durchzusetzen (nicht zuletzt, weil sie von 80 Mio. Co-Lehrern unterwandert wird), haben wir ein nicht unerhebliches Problem.

Krass formuliert: Die Eltern, die heute uns auf die Füße treten, können wiederum bei ihren Eltern bedanken, denn diese haben den Weg für die heutige Situation mitgeebnet.

Hinweis: Ich bitte den Autoritätsbegriff hier abstrakt zu verstehen!

Gruß
Lysander
Lysander
 

Beitragvon Titania » 02.04.2006, 0:24:00

Gibt es eigentlich auch ein "Eltern-Hasser-Buch"?
Wer nie verliert, hat den Sieg nicht verdient
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Beitragvon Linus » 02.04.2006, 12:25:58

Hallo,

ich habe das Buch auch gelesen. An mancher Stelle habe ich geschmunzelt, an manchen Stellen habe ich mich geärgert, und an manchen Stellen bin ich auch in´s Grübeln gekommen...

Ich habe mir die Threads zu diesem Buch alle durchgelesen und finde darin leider häufig eine ähnliche Schwarz-Weiß-Malerei wie in dem Buch.

Vielleicht ist es so einfach aber nicht. Naürlich ist der Titel dumm und ärgerlich, und natürlich sind Stil und Argumentation fragwürdig. Aber auf der anderen Seite sehe ich in unserer örtlichen Grundschule, dass manches leider auch stimmt.

Das wir es alle besser machen (wollen), ist erfreulich, das viele Eltern es noch anders erleben ist allerdings auch wahr. (z.B. die Angst vor Beschwerden, da tatsächlich manche Lehrer dies dann am Kind "auslassen".)

Man sagt doch, "wo Rauch ist, ist auch Feuer". Vielleicht hätte das Feuer nicht für ein ganzes Buch gelangt und die Autorin wirft deshalb noch ein paar zusätzliche Rauchbomben; aber ich finde trotzdem, dass wir uns nicht hinstellen und alles für "doof" erklären sollten, sondern versuchen herauszufinden, warum ein solches Buch geschrieben und auch gelesen und von vielen für gut befunden wird.

Tatsache ist doch, es gibt nun mal schlechte Lehrer. Ebenso wie schlechte LKW-Fahrer, Tierärzte, Architekten ( :wink: ) und Journalisten.
Und natürlich finden sich in den Medien auch eher die schlechten Dinge wieder, weil das Gute so oft langweilig ist.
Will sagen: vielleicht fehlt es den guten Lehrern (und Lehrerinnen!) an Öffentlichkeitsarbeit?

Anstatt mich also über so ein Buch schwarz zu ärgern, nehme ich es mit Humor, versuche es besser zu machen, als dort geschildert und erkläre den Eltern meiner Schüler, was ich warum tue.
Ich will nicht die Welt verbessern und auch nicht das Image "der Lehrer" - es genügt mir, meine Arbeit gut zu machen und mit den Menschen in meiner direkten Umgebung in einer konstruktiven Zusammenarbeit zu stehen. Da kann ich dann ein bisschen (auch schlechte) Satire oder auch eine Karikatur (:roll: ) über faule Lehrer schon ab, ohne dass ich denke, jetzt glauben das alle auch von mir.

Es grüßt
Linus

PS: Ich habe dann übrigens auch einen Blick in das Posthasser-Buch geworfen und ebenfalls manches Ärgernis wiedererkannt. Deshalb mag ich "meinen" Postmann trotzdem und weiß seine Zuverlässigkeit zu schätzen.

PPS: Liegt das an mir, dass ich hier alle meine Umlaute reparieren muss?
Linus
 
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Beitragvon tigerbeat » 04.04.2006, 14:18:26

Achaja hat geschrieben:Das ist ein Buch, geschrieben von einer dummen Mutter....


Das ist genau die Einstellung, die diese "dumme" Mutter bei Lehrern so hasst!
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Beitragvon lena » 04.04.2006, 14:20:02

Bolzbolds Ausführungen finde ich interessant.
Hierzu passt eine Umfrage von stern TV, die vom Bayer. Philologenverband zitert wurde (leider ohne Datumsangabe).

Dort heißt es:
Die Lehrer von heute sind nicht mehr streng genug?
56%: Lehrer sollten mehr Leistung verlangen und stärker durchgreifen.
10% Lehrer sollten eher nachsichtiger mit Schülern umgehen.
33% Der Umgang mit Schülern ist meistens genau richtig.

Was sagt uns das? Eine (hoffentlich repräsentative) Mehrheit der Bundesbürger verlangt von Schulen wieder mehr Durchsetzungskraft. den Leuten ist klar, dass es wieder mehr Leistung und Disziplin geben muss. (Das Thema passt auch wunderbar zum Gewalt-Thread!)

Und was machen wir? In Sitzungen stundenlang über einzelne Schüler diskutieren, Hintergründe verstehen wollen, Verständnis haben usw.
An der Uni und in Seminaren hören wir von pädagogisch wertvollen Mehtoden wie der Freibarbeit ...

Aber wann eigentlich gibt uns jemand die Mittel an die Hand, endlich wieder wirkungsvoll erziehen zu können.

Unserer von postmoderner Beliebigkeit geprägten Zeit mangelt es nicht an Verständnis - es mangelt an konsistenter Erziehung!
lena
 

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