Zentralabitur - Chance oder Angriff auf den Föderalismus?

Umfrage und Diskussion über das aktuellste schulpolitische Thema

Bundeseinheitliches Zentralabitur - Chance oder Gefahr? (Achtung: nur eine Antwortmöglichkeit!)

Ja, ich bin uneingeschränkt für ein bundeseinheitliches Zentralabitur.
19
35%
Im Zuge der Globalisierung und der international vergleichbaren Master-Studiengänge sollte auch das deutsche Abitur vergleichbar sein.
11
20%
Durch ein Zentralabitur wird endlich auch die Studienplatzvergabe gerechter.
9
16%
Nein, ein einheitliches Zentralabitur ist nicht hilfreich.
8
15%
Das Zentralabitur ist nicht nötig, denn regionaler Wettbewerb belebt das Bildungsgeschäft.
2
4%
Wir brauchen kein Zentralbitur, denn die Staatsexamina und die Masterprüfungen an den Universitäten sind schließlich auch nicht bundeseinheitlich.
6
11%
 
Abstimmungen insgesamt : 55

Beitragvon SL » 01.09.2007, 13:06:29

luncatic hat geschrieben:ein zentralabitur sichert kein höheres niveau, ganz im gegenteil. ich arbeite in rlp (das letzte land ohne zentralabitur) und seit zwei jahren darf ich in der kommission arbeiten, die die prüfungen auswählt (für jeden kurs werden 3-5 prüfungsvorschläge beim ministerium eingereicht und dort wird eine ausgewählt, bis zum tag der prüfung weiß auch die schule nicht, welche prüfung letztlich kommt). ich habe schon den eindruck, dass - zumindest in meinen fächern - die aufgaben selbst schwerer sind als beispielsweise in den bayerischen prüfungen. und da ich selbst den fall auch schon miterlebt habe, dass allle vorschläge einer schule unbrauchbar waren und wir eine neue aufgesetzt haben, ist das niveau durchaus gesichert.


Ich glaube, da reden wir ein bischen aneinander vorbei.
Die Prüfung selbst mag ja schwerer sein, aber ich denke halt, dass der Lehrer im Unterricht genauer vorbereiten kann, wenn er weiß, was für Prüfungsvorschläge er eingereicht hat.
Bei einem Zentralabitur muss man den gesamten Stoff genau durcharbeiten, weil man eben nicht weiß, was drankommt.
SL
 

Beitragvon luncatic » 01.09.2007, 14:26:59

SL hat geschrieben:Ich glaube, da reden wir ein bischen aneinander vorbei.
Die Prüfung selbst mag ja schwerer sein, aber ich denke halt, dass der Lehrer im Unterricht genauer vorbereiten kann, wenn er weiß, was für Prüfungsvorschläge er eingereicht hat.
Bei einem Zentralabitur muss man den gesamten Stoff genau durcharbeiten, weil man eben nicht weiß, was drankommt.


gleichermaßen muss ein schüler viel genauer lernen, da die prüfung deutlich spezieller ausfallen kann als eine oberflächliche prüfung, die allen gerecht werden muss. der stoffumfang ändert sich ja nicht, wir haben lehrpläne und unsere schulleitung fordert arbeitspläne ein und vergleicht diese auch mit den lehrberichten bzw. müssen ja auch alle klassenarbeiten vorgelegt werden. frei von kontrolle sind wir also nicht.

ich persönlich bin ja unentschieden in der frage. ich schätze es, dass ich bei shakespeare selbst das werk wählen kann und eigene schwerpunkte setzen darf und man mir nicht von oben detailliert vorschreibt, was ich wie zu behandeln habe. andererseits ist es eine ungemeine arbeit abiturprüfungen zu erstellen oder auszuwählen und man fragt sich schon manchmal, warum das ministerium nicht einfach jemanden dafür bezahlt.
luncatic
 
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Beitragvon Freidenker » 01.09.2007, 20:21:47

Guten Abend !
Ich möchte kein Zentralabitur ! :twisted:
Ihr kommuniziert mit dem künftigen Bildungsminister !
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Beitragvon Ulysses » 02.09.2007, 0:33:40

Freidenker hat geschrieben:Ich möchte kein Zentralabitur ! :twisted:


und warum nicht?
Bayern, Gymnasium, Latein/Geschichte.
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Beitragvon THX-1138 » 02.09.2007, 7:38:47

luncatic hat geschrieben:andererseits ist es eine ungemeine arbeit abiturprüfungen zu erstellen oder auszuwählen und man fragt sich schon manchmal, warum das ministerium nicht einfach jemanden dafür bezahlt.
Macht es ja! Es bezahlt Lehrer, zu deren Dienstpflichten eben auch das Erstellen und/oder Auswählen der Abivorschläge gehört. :)

Seien wir mal ehrlich; hat nicht jeder aus ehemaligen nicht-ZA-Ländern ZIG Geschichten über "Vorbereitungen" zum Abitur, die eher ein wochenlanger "Wink mit dem Zaunpfahl" waren? M.E. war damals keine Vergleichbarkeit gegeben.

Ja, jetzt auch nicht denn die Vorbereitung durch die Kursleiter ist unterschiedlich, man hat mehrere Arbeiten zur Auswahl etc.

ABER: Ist es DAS Ziel der Oberstufe, SuS auf EINE bestimmte Klausur / Aufgabe hin zu trimmen? Nicht wirklich, oder? Viel mehr sollen Kenntnisse und Fähigkeiten (neu-nordrhein-westfälisch: Kompetenzen) vermittelt werden, die die SuS in die Lage versetzen, aus 2 Abiturvorschlägen einen auszuwählen und diesen zu bearbeiten.
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Beitragvon luncatic » 02.09.2007, 10:25:35

V.Heints hat geschrieben:ABER: Ist es DAS Ziel der Oberstufe, SuS auf EINE bestimmte Klausur / Aufgabe hin zu trimmen? Nicht wirklich, oder? Viel mehr sollen Kenntnisse und Fähigkeiten (neu-nordrhein-westfälisch: Kompetenzen) vermittelt werden, die die SuS in die Lage versetzen, aus 2 Abiturvorschlägen einen auszuwählen und diesen zu bearbeiten.


unsere schüler haben keine auswahl.
aber genau das,was du schreibst, wird ja durch das zentralabitur der aktuellen form gefördert. schüler lesen genau die 1-2 vorgebenen lektüren und lernen die interpretationen der stark-bücher auswendig, um in der prüfung genau das wieder herunterzubeten. ich persönlich versuche immer noch meine schüler auf das studium danach vorzubereiten - training to the test (was meiner ansicht nach in za-ländern eher gefördert wird) halte ich nicht für gewinnbringend.
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Beitragvon Francisca » 02.09.2007, 11:20:36

Ich bin prinzipiell auch eher gegen ein bundeseinheitliches Abitur, aber die Regelung, dass jede Schule oder gar jeder Lehrer seine eigenen Abifragen auswählt (wie das z.B. in RLP läuft) halte ich für einen Witz.

Ich finde, Leistung muss auch Klassen- und Schulenübergreifend vergleichbar sein und darf nicht nur anhand der Leistungen innerhalb einer Klasse definiert werden. Ihr kennt doch sicherlich alle das alte Problem der sozialen Bezugsnorm in der Notengebung: in einer „schlechten“ Klasse wird eine einzelne Leistung mit einer guten oder gar sehr guten Note bewertet, weil sie sich von den anderen abhebt, während genau die gleiche Leistung in einer „guten“ Klasse nur ausreichend oder gar mangelhaft wäre. Beim schulinternen Abi läuft es dann so ähnlich. Schulen, die es ihren Schülern leicht machen, diese ausschließlich auf die eingereichten Abifragen „drillen“ (und den restlichen Stoff vernachlässigen), ihnen die Fragen eventuell schon im Vorfeld nennen (ist doch eigentlich verboten, wird aber meistens trotzdem gemacht) haben im Abitur den gleichen Notendurchschnitt wie Schulen, die sich wirklich um eine intensive Vermittlung des gesamten Lernstoffs bemühen. Wiese also die ganze Anstrengung?

Ich hab Bekannte aus Rheinland-Pfalz, die ihre Kinder inzwischen lieber auf eine Gesamtschule schicken, als aufs Gymnasium, eben weil die Chance auf ein (passables oder gar gutes) Abi auf der Gesamtschule größer ist. Zwar lernen die Schüler dort (durch mehrere Studien nachgewiesen) deutlich weniger, die Noten sind aber auch nicht anders als auf dem Gymnasium. Also wieso sollten die Leute ihre Kinder noch auf ein Gymnasium schicken, wo die Anforderungen hoch sind, die Schüler vielleicht überfordert sind (und eventuell sogar „runter“ auf die Realschule müssen), wenn die Kinder auf einer Gesamtschule für weniger Leistung die gleichen Noten bekommen?

Ich jedenfalls finde so was nicht fair und auch wenn ich die negativen Aspekte eines Zentralabis sehe, halte ich dies doch für die bessere Alternative.

Allerdings bin ich auch echt dafür, dass dieser ganze NC-Quatsch bei der Studienplatzvergabe endgültig abgeschafft wird. Stattdessen sollten sich die Unis ihre Studenten selber aussuchen dürfen.
Francisca
 
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