Zentralabitur - Chance oder Angriff auf den Föderalismus?

Umfrage und Diskussion über das aktuellste schulpolitische Thema

Bundeseinheitliches Zentralabitur - Chance oder Gefahr? (Achtung: nur eine Antwortmöglichkeit!)

Ja, ich bin uneingeschränkt für ein bundeseinheitliches Zentralabitur.
19
35%
Im Zuge der Globalisierung und der international vergleichbaren Master-Studiengänge sollte auch das deutsche Abitur vergleichbar sein.
11
20%
Durch ein Zentralabitur wird endlich auch die Studienplatzvergabe gerechter.
9
16%
Nein, ein einheitliches Zentralabitur ist nicht hilfreich.
8
15%
Das Zentralabitur ist nicht nötig, denn regionaler Wettbewerb belebt das Bildungsgeschäft.
2
4%
Wir brauchen kein Zentralbitur, denn die Staatsexamina und die Masterprüfungen an den Universitäten sind schließlich auch nicht bundeseinheitlich.
6
11%
 
Abstimmungen insgesamt : 55

Beitragvon THX-1138 » 02.09.2007, 12:07:06

luncatic hat geschrieben:unsere schüler haben keine auswahl.
Je nach Fach ist es in NRW auch so. Naja, nicht ganz. Der Lehrer wählt aus 2+x Vorschlägen einen aus, der dann zu bearbeiten ist.
aber genau das,was du schreibst, wird ja durch das zentralabitur der aktuellen form gefördert. schüler lesen genau die 1-2 vorgebenen lektüren...
... und erlangen dabei die für die Bearbeitung der Abituraufgaben nötigen Kompetenzen. Die vorgeschriebenen Lektüren werden im ZA mit keinem Wort erwähnt!
und lernen die interpretationen der stark-bücher auswendig, um in der prüfung genau das wieder herunterzubeten.
Ein Ziel der Schule ist es ja, Schüler zum selbstständigen und selbstregulierten Lernen zu bringen. Wenn einer die allgemeingültige Vorgehensweise einer Analyse (die auf alle Lektüren anwendbar ist) nicht in sein Schädel kriegt, dann lernt er eben jede Interpretation einzeln.
ich persönlich versuche immer noch meine schüler auf das studium danach vorzubereiten - training to the test (was meiner ansicht nach in za-ländern eher gefördert wird) halte ich nicht für gewinnbringend.
so ist es eben nicht! Nicht mal die Lehrkräfte, die ZA-Vorschläge einreichen, wissen, welche Lektüre letztendlich im ZA kommen wird; es hat wenig Sinn, Macbeth (man nehme an, es sei die verpflichtende Lektüre) bis zum Erbrechen zu interpretieren, denn im ZA kommt es nicht vor. Deshalb ist man ja gezwungen, das Grundsätzliche zu vermitteln - und das dann am Beispiel der verpflichtenden Lektüre anwenden zu lassen. Im ZA wird die FÄHIGKEIT zur Interpretation eines x-beliebigen Werkes getestet, deshalb sollte eben die FÄHIGKEIT vermittelt werden. Sehe hier keine Anzeichen für 'trainig to the test', sorry.
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Beitragvon Avantasia » 02.09.2007, 13:34:50

Francisca hat geschrieben:[...]Zwar lernen die Schüler dort [auf der Gesamtschule] (durch mehrere Studien nachgewiesen) deutlich weniger[...]


Das ist ja kein Geheimnis, die Gesamtschule legt ja auch mehr Wert auf Methodenvermittlung und soziale Kompetenz. Merkwürdig nur, dass die hiesigen Gesamtschulen bei PISA deswegen nicht im unteren Bereich lagen... :P

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Beitragvon luncatic » 02.09.2007, 14:54:40

V.Heints hat geschrieben: Nicht mal die Lehrkräfte, die ZA-Vorschläge einreichen, wissen, welche Lektüre letztendlich im ZA kommen wird; es hat wenig Sinn, Macbeth (man nehme an, es sei die verpflichtende Lektüre) bis zum Erbrechen zu interpretieren, denn im ZA kommt es nicht vor. Deshalb ist man ja gezwungen, das Grundsätzliche zu vermitteln - und das dann am Beispiel der verpflichtenden Lektüre anwenden zu lassen. Im ZA wird die FÄHIGKEIT zur Interpretation eines x-beliebigen Werkes getestet, deshalb sollte eben die FÄHIGKEIT vermittelt werden. Sehe hier keine Anzeichen für 'trainig to the test', sorry.


zwei anmerkungen: ich dachte bsiher in nrw stellt das ministerium die prüfung und nicht irgendwelche lehrkräfte. wie ist denn das verfahren? und wer stellt eigentlich die aufgaben für die mündlichen prüfungen?

wenn bei euch die sternchenthemen nicht in der abiprüfung vorkommen, dann ist das sehr löblich. ich hatte meine aussage auf bawü bezogen, da weiß man nämlich sehr detailliert aus welchem werk die prüfung kommen wird und kann den rest getrost unter den tisch fallen lassen.
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Beitragvon Francisca » 02.09.2007, 15:03:51

Avantasia hat geschrieben: Merkwürdig nur, dass die hiesigen Gesamtschulen bei PISA deswegen nicht im unteren Bereich lagen...


Lagen denn die Gymnasien bei euch im unteren Bereich?

Bei den Studien, die ich kenne, lagen Gesamtschulen (in Bezug auf das Leistungsniveau ihrer Schüler) im BRD-Schnitt in etwa auf dem Niveau von Realschulen, meist knapp drüber oder drunter. Macht ja eigentlich auch Sinn, da ja Schüler mit Hauptschul-, Realschul- und Gymnasialniveau zusammen unterrichtet werden und Realschule ist nun mal das Mittelmaß. Gymnasien lagen im Schnitt weit darüber.

Jetzt versteh mich aber bitte nicht falsch, ich hab nichts gegen Gesamtschulen. Wenn Gesamtschulen ihren Schülern ebensoviel oder sogar mehr beibringen können wie Gymnasien, fände ich das absolut super. Nur braucht man dann ja auch nicht den direkten Vergleich zu scheuen (wie das z.B. in RLP der Fall ist).

Ganz im Gegenteil, wenn Gesamtschulen wirklich (so) gut sind, dann sollten sie auch die Chance haben, dies in (zentralen) Prüfungen, bei denen die Leistungsanforderungen an alle Schüler in diesem Bundesland gleich sind, beweisen zu können. Alles andere ist schlichtweg eine Farce.
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Beitragvon THX-1138 » 02.09.2007, 15:54:20

luncatic hat geschrieben:zwei anmerkungen: ich dachte bsiher in nrw stellt das ministerium die prüfung und nicht irgendwelche lehrkräfte. wie ist denn das verfahren?
Die schriftliche Prüfung funktioniert folgendermaßen: pro Fach werden 15(?) Schulen ausgewählt, deren FachlehrerInnen Vorschläge für Abiklausuren erstellen (Aufgaben und Erwartungshorizont). Dies Vorschläge werden nach D-Dorf eingeschickt und daraus dann die Aufgaben ausgewählt, die letztendlich zu offiziellen ZA-Klausuren werden.
und wer stellt eigentlich die aufgaben für die mündlichen prüfungen?
hmm ... da bin ich gerade überfragt ;)

da weiß man nämlich sehr detailliert aus welchem werk die prüfung kommen wird und kann den rest getrost unter den tisch fallen lassen.
Auf diese Art und Weise kann ja auch ein Papagei Abi schaffen o_O.
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Beitragvon hannah12 » 02.09.2007, 19:35:45

Francisca hat geschrieben:
Allerdings bin ich auch echt dafür, dass dieser ganze NC-Quatsch bei der Studienplatzvergabe endgültig abgeschafft wird. Stattdessen sollten sich die Unis ihre Studenten selber aussuchen dürfen.


Ja, und rate mal, welches Kriterium die Unis dann zugrunde legen - richtig, zu einem großen Anteil den Abischnitt. :roll: Bei fast allen Studiengängen an meiner Uni (ZVS ist nur noch einer) macht der Abischnitt 2/3 aus, der Rest sind dann außerschulische Leistungen, Engagement usw., wo nur eine Handvoll Leute etwas vorzuweisen hat.
Wenn das was bringen soll, müsste man den Unis vorschreiben, dass die Abinote maximal soundsoviel ausmachen darf. Aber Eignungstests/ Gespräche sind halt aufwendig, da hat mir unser Fachbereichsreferent mal in aller Deutlichkeit gesagt, dass sie das bei uns nicht wollen, weil man ja dann dreimal soviele Kandidaten einladen müsste wie man Plätze hat und das zuviel Arbeit ist... (was ich einerseits in der aktuellen Situation verstehen kann, andererseits wär es natürlich schon sinnvoll)
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Beitragvon sebbi » 04.09.2007, 17:17:24

Bayerns Kultusminister wehrt sich schon mal heftig gegen ein Zentralabitur mit bundesweit identischen Aufgaben. (Komisch, waren nicht die Bayern eigentlich die Mitinitiatoren?)
Interessant finde ich nun die Begründung (nachzulesen in sueddeutsche.de vom 4.9.07):
Das bayerische Abitur ist Markenzeichen höchster Bildungsqualität und darf deshalb nicht verwässert werden!
Will heißen: Ein bundesweites Abitur müsste so einfach sein, dass es auch die Berliner und die Schleswig-Holsteiner noch schaffen können. - Aber mit einer so niedrigen Qualität will sich Bayern nicht zufrieden geben.
Wow! Das ist ja mal ein Wort.
Dennoch, so unser Kultusminister Schneider, müssten hinter gleichen Abitur-Noten auch gleich hohe Leistungsansprüche stehen.
Also ich lese daraus, dass es ein einheitliches Abitur erst geben wird, wenn die nördlichen Bundesländer ihr Anspruchsniveau an die hohen bayerischen Anforderungen angepasst haben.

Wofür bin ich jetzt eigentlich? Ich bin für Vergleichbarkeit der Leistungen - und das geht wohl nur über ein Zentralabitur.
sebbi
 

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