Boom der Privatschulen - staatliches Schulsystem am Ende?

Umfrage und Diskussion über das aktuellste schulpolitische Thema

Beitragvon Rittersport » 18.06.2008, 15:03:27

Kajana hat geschrieben:Die Lehrer wechselten dort ständig, weil sie trotz mehr Arbeit viel schlechter bezahlt wurden und somit lieber schnell ins staatliche Schulsystem wechselten (b.t.w. in Sachsen sind Lehrer angestellt, also lockt hier nichtmal die Verbamtung).

Interessant ist in dem Zusammenhang ja, dass viele nichtstaatliche Schulen oft mit ihrem exzellenten Lehrpersonal werben. Kommt wohl auf die Kriterien an, oder?

Die Privatschulen, mit denen ich Kontakt hatte, wollten allesamt nur Tarif zahlen. Dadurch hätte ich zwar das Brutto gehabt, was ich jetzt auch habe, aber eben Netto deutlich weniger. Wenn jemand natürlich sagt, dass ihm Geld nicht so wichtig ist, ok, für mich ist das durchaus ein wichtiges Kriterium, weil ich arbeite, um zu leben und nicht umgekehrt.
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Beitragvon kakaotrinkerin » 18.06.2008, 15:12:38

Rico hat geschrieben:Ich kenne keine Zahlen, aber die meisten privaten Schulen sind doch wohl staatlich anerkannte Schulen in kirchlicher Trägerschaft, in denen die Lehrer weitgehend unter gleichen Bedingungen arbeiten wie an staatlichen Schulen und an denen kein Schulgeld gezahlt wird. Dementsprechend gemischt kann auch die Schülerschaft sein.

Nach meiner Erfahrung identifizieren sich Schüler, Lehrer und Eltern sich mit einer solchen Schule viel stärker als dies an einer staatlichen Schule der Regelfall ist. Darin sehe ich einen großen Pluspunkt.


Eben. Deswegen sollte man auch immer mit diesem Vorurteil "Privatschule = Schule für Reiche" vorsichtig sein, denn ich glaube, dass das nur auf die wenigsten Schulen zutrifft.

Natürlich leben Privatschulen in gewisser Hinsicht von ihrem Ruf, aber ich glaube nicht, dass sie es in Zeiten von einem absoluten Privatschul- Boom nötig haben, mit unwahren Tatsachen auf Schülerfang zu gehen.

Zumindest von meiner Schule kann ich sagen, dass man sich natürlich um einen engen Kontakt ins Elternhaus bemüht, um sich wirklich gut um die Kinder kümmern zu können und gut informiert zu sein, aber von einer Art KUschelpädagogik mit den Eltern oder auch mit den S. kann ich zumindest hier überhaupt nicht sprechen. Eher sogar im Gegenteil. Ich habe nicht das Gefühl, dass die Schule sich irgendwelchen fragwürdigen Eltern- Meinungen anpasst, um da niemanden zu verärgern. Ich sehe es eher so, dass die Schule ihre Prinzipien sehr hoch hält, auch wenn das dem ein oder anderen Elternhaus nicht passt. Da gilt dann eher die Maxime: Wir haben Regeln, die vorher erläutert worden sind, und wenn die irgendjemandem nicht passen und er damit gar nicht klarkommt, ist er hier falsch.

Aber genau den letzten Punkt sehe ich als sehr wichtig an. Wer an eine Privatschule geht, verdient meistens weniger als im staatlichen System-. Und wer sich trotzdem dauerhaft dort niederlässt, wird dies in erster Linie aus Überzeugung tun. Und das wiederum kann für Schule, Unterricht und Selbstzufriedenheit eigentlich nur positiv sein.
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Beitragvon AnnieL » 18.06.2008, 15:44:45

abc
Zuletzt geändert von AnnieL am 28.09.2008, 3:52:21, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon AJ05 » 18.06.2008, 15:58:21

Hallo Annie,

ich verstehe Deine Gründe...allerdings sind Klamotten als Statussymbol bei pubertierenden Jugendlichen ja nicht nur ein Problem von Privatschulen, oder? Daas hast Du auf staatlichen Schulen ja auch.


Hallo Rittersport,

die Lehrer, die ich kannte, die haben allesamt nicht am hungertuch genagt. Mir ist Geld auch schon bis zu einem gewissen Grad wichtig, aber eben auch die Arbeitsbedingungen. Und was nützt mir das ganze Geld, wenn ich dann auf einer Schule lande, auf der das reinste Chaos herrscht? (wobei ich das nicht verallgemeinern will, denn es gibt genauso viele gute staatliche Schulen mit super Bedingungen für Lehrer und Schüler!)

Grüße!
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Beitragvon Rittersport » 18.06.2008, 16:07:27

AJ05 hat geschrieben:(wobei ich das nicht verallgemeinern will, denn es gibt genauso viele gute staatliche Schulen mit super Bedingungen für Lehrer und Schüler!)

Eben. Das muss aber sowohl bei einer privaten, als auch an einer staatlichen Schule nicht von Dauer sein. Oft reicht bereits ein neuer Chef und die Arbeit wird unerträglich.
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Beitragvon Jumper82 » 09.02.2009, 11:05:20

Also ich bin grad erst mit meinem Studium fertig und kann deshalb nur auf wenig Erfahrungen als Unterrichtender an Schulen zurückgreifen und habe bisher auch noch nie eine Privatschule von innen gesehen.
Vielleicht sollte ich mal meine Definition von Privatschule festlegen, damit ich nicht falsch verstanden werde:
Ich benutze hier den engen Begriff von Privatschule, also das Gegenteil der staatlichen Schule. Wenn ich also gleich von Privatschulen rede, dann meine ich die Schulen, zu denen man nur Zugang hat, wenn man entsprechendes Schulgeld bezahlt, und die in gewisser Weise losgelöst von staatlichen Weisungen bestehen können. Ich meine nicht konfessionelle Schulen die teilweise oder komplett in staatlicher Trägerschaft bestehen.
Nun zu meiner Ansicht: Ich sehe grundsätzlich die Gleichberechtigung (gleiche Möglichkeiten und Chancen für alle Schüler) als wichtigstes Ziel des Schulsystems. Diesem widerspricht die Entwicklung der Privatschulen, denn Privatschulen sind nicht für alle zugänglich. Klar, es gibt sicherlich auch Eltern in der Mittelschicht, die auf Luxus verzichten, um ihren Kindern eine gute Schulbildung zu ermöglichen, aber es gibt auch sehr viele Eltern, die noch so viel auf Luxus verzichten können und trotzdem nie im Leben das Geld für eine Privatschule zusammenbekommen würden. Ich rede von den Eltern, die sich die staatliche Unterstützung bei der Finanzierung von Schulmaterialien und Klassenfahrten hart erkämpfen müssen. Okay, jetzt könnte das Argument kommen, dass es durchaus Privatschulen gibt, in denen Kinder solcher Eltern durch verschiedene Unterstützungen trotzdem aufgenommen werden, doch das ist nicht überall so.

Es sollte deshalb möglichst schnell mal daran gearbeitet werden, dass in unserem Schulsystem wirklich alle Schüller gleiche Bildungschancen haben (das ist ja momentan noch nicht einmal im staatlichen Bereich der Fall) und damit meine ich eine Abkehr von der frühen Selektion und der Abhängigkeit des Schulerfolgs von finanziellen/gesellschaftlichen Faktoren.

Ein Gedanke noch: Aus der Wirtschaft kommen in letzter Zeit immer mal wieder Klagen, dass die Schulabgänger nicht ausreichend qualifiziert sind. Wäre es nicht mal eine Maßnahme, wenn von der Wirtschaft finanzielle Hilfen für die Schulen zur Verfügung gestellt werden? Ich würde mich über eine engere Zusammenarbeit von Wirtschaft und Bildung freuen und bin mir sicher, dass beide Seiten davon profitieren könnten! (Jetzt kommt mir bitte nicht mit der Wirtschaftskrise, wenn Milliarden für die Wirtschaft zur Verfügung gestellt werden, dann sollte auch die Bildung nicht vergessen werden!)
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Beitragvon Rittersport » 10.02.2009, 16:07:30

Jumper82 hat geschrieben:Es sollte deshalb möglichst schnell mal daran gearbeitet werden, dass in unserem Schulsystem wirklich alle Schüller gleiche Bildungschancen haben (das ist ja momentan noch nicht einmal im staatlichen Bereich der Fall) und damit meine ich eine Abkehr von der frühen Selektion und der Abhängigkeit des Schulerfolgs von finanziellen/gesellschaftlichen Faktoren.

Und wie soll das aussehen, wenns fertig ist? Gymnasium für alle mit Ganztagesbetreuung?
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