Fehler bei Deutschkorrekturen übersehen - normal oder nicht?

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Re: Fehler bei Deutschkorrekturen übersehen - normal oder nicht?

Beitragvon Sonntagskind » 28.07.2010, 8:10:27

Ja, liebe Hessin, das ist der Kontrollzwang in Bayern! Jede Fachschaft hat bei uns einen sog. Fachbetreuer, der die Aufgabe hat, pro Jahr mindestens zwei Fachsitzungen zu organisieren, in denen man fachspezifische Angelegenheiten bespricht. Also z.B.: Welche Lehrbücher wollen wir? Oder: Wie soll die Leistungsbewertung genau aussehen, soll es z.B. in den Fremdsprachen eine mündliche Schulaufgabe als Ersatz einer schriftlichen Arbeit geben, etc.?
Außerdem korrigiert die Fachbetreuung die großen Leistungsnachweise der Kollegen nach und prüft sie auf Angemessenheit der Aufgabenstellung, einheitliche Bewertung, u.a. hin. Das heißt dann Respizienz. Das ist keine persönliche Betreuung der Junglehrer, sondern eine Überprüfung aller Kollegen, auch der erfahrenen. Viele empfinden diese Respizienz als Gängelei und Formalismus, und das ist sie eigentlich auch. Aber hier in Bayern wird den Pädagogen eben erst mal grundsätzlich misstraut, genauso wie den Schülern.

@Ulysses: Ehrlich gesagt, ich möchte mich vorst schon noch an diese Fristen halten, natürlich immer unter der Voraussetzung, dass kein Schüler darunter leidet. Denn ich empfand es früher auch nicht gerade als angenehm, wenn ich von einem Lehrer eine Schulaufgabe erst nach sechs Wochen zurückbekommen habe. Tja, das gab's noch in meiner Schulzeit... Zudem bin ich ja noch in der Probezeit, und das macht sich wohl für die Beurteilung nicht so gut. Sollte ich aber eine Arbeit auch mal erst nach zwei Wochen und drei Tagen zurückgeben, würde ich das nun auch nicht als Beinbruch ansehen. Eine kleine Abweichung von dieser Frist dürften die Schüler mit Sicherheit verkraften.

@Chari: Danke für die Ermutigung! Du hast schon recht, man wird routinierter und damit hoffentlich auch schneller. Mir geht es wie Dir: Ich muss einen Aufsatz ganz fertig machen, wenn ich ihn einmal angefangen habe. Also gleich alles korrigieren und dann die Bemerkung schreiben. Ich lese sie mir dann meistens kurz vor der Herausgabe nochmal durch, aber ich möchte nicht tagelang an einem Aufsatz kleben. Deshalb schaffe ich auch selten mehr als fünf pro Tag, wenn ich überhaupt dahin komme.
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Re: Fehler bei Deutschkorrekturen übersehen - normal oder nicht?

Beitragvon CatherineDuquesne » 28.07.2010, 9:06:46

Sollen heißt nicht müssen ;). Na ja, so eine kleine Fristüberschreitung hin und wieder... Ich möchte nun keinen dazu auffordern, Arbeiten nach drei, vier Wochen zurückzugeben, doch besonders bei einer 10. Klasse mit 31 Schülern habe ich mal zwei zusätzliche Tage gebraucht. Oder du legst die Arbeit, willst Du Dir die Ferien ausnahmsweise ( ;) ) mal dazu hernehmen, anderthalb bis eine Woche vorher.
Vor allem die älteren Schüler motzen allerdings dann schon, aber da müssen sie dann durch.

Nein, keine Sorge, ich habe nicht gnadenlos überzogen. Wenn, so waren es zwei Tage.

Die Routine wurde schon angesprochen. Das habe ich jetzt bei der 10. Klasse gemerkt. Die Zweitkorrektur war im Ref mein erster Kontakt mit diesen Arbeiten (aber das ging doch recht gut), jetzt geht es auch besser.

Bei höheren Klassen mache ich am Tag so 4 - 5 Aufsätze durch. Bei der Abschlussprüfung hatte ich ein selbstgestecktes Pensum von 5 pro Tag, das ich dann auch meistens durchkorrigiert hatte.
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Re: Fehler bei Deutschkorrekturen übersehen - normal oder nicht?

Beitragvon v1981 » 28.07.2010, 10:44:25

Sonntagskind hat geschrieben:Ja, liebe Hessin, das ist der Kontrollzwang in Bayern! Jede Fachschaft hat bei uns einen sog. Fachbetreuer, der die Aufgabe hat, pro Jahr mindestens zwei Fachsitzungen zu organisieren, in denen man fachspezifische Angelegenheiten bespricht. Also z.B.: Welche Lehrbücher wollen wir? Oder: Wie soll die Leistungsbewertung genau aussehen, soll es z.B. in den Fremdsprachen eine mündliche Schulaufgabe als Ersatz einer schriftlichen Arbeit geben, etc.?
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danke für die erklärung!
das gibts bei uns "auch"...nennt sich fachbereichsleitung und hat die gleichen aufgaben, wie bei euch, mit dem unterschied der korrekturarbeit und ich glaube es gibt nur eine fachkonferenz, zumindest in den kleinen fächern! :)
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Re: Fehler bei Deutschkorrekturen übersehen - normal oder nicht?

Beitragvon Illi-Noize » 28.07.2010, 11:44:41

mit dem unterschied der korrekturarbeit
Das ist bei uns jetzt keine große Nummer, im Prinzip schaut sich der Betreuer die eine oder andere Arbeit an und vergleicht dann da ein paar Aufgaben. Bei der Menge an Arbeiten, z. B. für einen Mathematik- oder Deutschfachbetreuer, ist mehr auch gar nicht möglich.
Mit einem Supervertrag in Oberbayern.
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Re: Fehler bei Deutschkorrekturen übersehen - normal oder nicht?

Beitragvon Malex » 28.07.2010, 23:02:25

Schon interessant, wie wir Deutschlehrer offenbar alle unter einem gewissen Perfektionismus leiden.
Ich habe anfangs für eine Schulaufgabe teilwiese mehrere Stunden gebraucht und dann immer noch irgendetwas entdeckt, das man anstreichen konnte. Aber das muss man abbauen, sonst wird man seines Lebens nicht mehr froh. Und das geht aber meist von selbst, da ja andere Dinge auch noch gemacht werden wollen und der Tag nur 24 Stunden hat (doch wenn die nicht reichen, nehme ich manchmal dennoch die Nacht noch dazu :lol: ).
"Alles" zu korrigieren geht sowieso nicht, denn wer definiert schon, was "alles" ist? Der eine sieht einen Ausdrucksfehler oder dergleichen, wo dem anderen nichts auffällt. Und ein oder zwei Rechtschreibfehler auf vier oder fünf Seiten (von der Oberstufe schweige ich einmal...) zu übersehen, hat noch niemandem den Kopf gekostet.
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ἅ τις ἢ μὴ ἔχει ἢ μὴ οἶδεν, οὔτ' ἂν ἑτέρῳ δοίη οὔτ' ἂν ἄλλον διδάξειεν. (Platon, Symposion 196e)

[= Was einer nicht hat oder nicht weiß, das kann er auch einem anderen nicht geben oder ihn lehren.]
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Re: Fehler bei Deutschkorrekturen übersehen - normal oder nicht?

Beitragvon Sonntagskind » 29.07.2010, 10:47:59

Also das mit der Nachtarbeit habe ich mir abgewöhnt. Ich brauche meinen Schlaf, um am anderen Tag ordentliche Arbeit zu machen, und es hilft den Schülern wenig, wenn ich zwar eine Schulaufgabe fertigkorrigiert habe, anderntags dann aber kaum auf sie eingehen kann, weil ich zu müde dafür bin. Und ganz ehrlich gesagt: Ich sehe es auch nicht ein! Wenn der Schlaf fehlt, ruiniert man sich langfristig nur seine Gesundheit. Ich habe schon mehrere Kollegen mit Burn-out erlebt, und dorthin will ich wirklich nicht kommen!
Ja, ich bin wahrscheinlich perfektionistisch insofern, als ich versuche, jede Arbeit ganz genau durchzugehen und genaue Kommentare zu schreiben. Dabei hoffe ich dann, alles Wesentliche gefunden zu haben. Dass das in einem Deutschaufsatz wahrscheinlich nur bedingt möglich ist und ein Zweitkorrektor wohl immer noch etwas finden wird, das er anstreicht, muss ich da vielleicht wirklich hinnehmen. Es ist ja auch so, dass - gerade im Fach Deutsch- häufig die Meinungen, was einen Aufsatz und dessen Bewertung betrifft, durchaus voneinander abweichen können.
Was ich aber nicht mehr mache ist, mich dafür soweit aufzuarbeiten, dass ich nach so einer Schulaufgabenkorrektur nicht mehr geradeaus schauen kann.
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Re: Fehler bei Deutschkorrekturen übersehen - normal oder nicht?

Beitragvon kakaotrinkerin » 05.09.2010, 11:24:01

Ja, es kommt vor, dass ich Fehler übersehe. Sowohl RS-Fehler als auch Ausdrucksfehler.

Das liegt schlicht und ergreifend daran, dass ich 2 Korrekturfächer; ich habe 4 Deutschklassen.

Ich lese jede Arbeit 2x durch, beim ersten Mal versuche ich mehr nur auf den Inhalt zu achten und dabei entsprechende Randbemerkungen zu machen, beim zweiten Mal streiche ich alles an Fehlern an. Besonders gute oder besonders schlechte Arbeiten versuche ich auch ein drittes Mal zu lesen.

Da manche SuS ja einen R-Fehler nach dem anderen machen oder ein völlig unleserliches Schriftbild haben bzw. man selbst irgendwann auch müde und unkonzentriert wird, passiert es durchaus, dass man da etwas übersieht.
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Re: Fehler bei Deutschkorrekturen übersehen - normal oder nicht?

Beitragvon Honeybee » 05.09.2010, 18:32:17

Ja, grade bei Schülern mit einer Sauklaue oder bei denen die 10 Seiten schreiben, fas rutscht mir auch mal was durch. Ich denke davon ist niemand frei.
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bei dem jeder von uns spürte,
wie wertvoll Leben ist.
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