Handfeste Depression und Persönlichkeitsstörung

Du hast positive Erfahrungen mit dem Referendariat? Du hast es endlich geschafft und weißt nun, dass sich das Durchhalten gelohnt hat? Erzähl davon!

Re: Handfeste Depression und Persönlichkeitsstörung

Beitragvon Zitronenfalter » 04.03.2016, 21:50:41

cobalt8 hat geschrieben:
teacher_a hat geschrieben: Und ein angehender Mathe-Lehrer, der z.B. bei Koordinatenachsen im Entwurf auch ins Negative Pfeile zeichnet wäre bei mir schon durchgefallen bevor er angefangen hat mit dem Unterricht.


Bei angehenden, finde ich kann sowas passieren, die kann man ja dann darauf hinweisen und in der Regel wird das auch dankbar aufgenommen.

Schlimm fand ich als damaliger Referendar, dass teilweise gestandene Lehrer die Begriffe "ausmultiplizieren" und "ausklammern" nicht richtig zuordnen können. Es gibt eine ganze Reihe von Lehrern, die seit Jahrzehnten der Meinung sind, dass beim Ausklammern eine Klammer wegkommt, weil es nun einmal vom Wort her so klingt.
Aber trotzdem, ist aus den Schülern nicht weniger geworden, als aus allen anderen Schülern auch.

Schlimmer und bedenklicher finde ich da schon eher das Aufgabenraten in manchen Büchern und von manchen jüngeren Lehrern in meinem Alter. "Brigitte kauft sich 3 Äpfel für je 30 Cent, sie hat von ihrer Mutter einen 10€-Schein bekommen." Ich persönlich würde in einer Klassenarbeit als Schüler dahin schreiben: "Schön für Brigitte". Das mindeste, meiner Meinung nach, ist eine Aufgabenstellung nach dem Motto: "Überlege dir eine passende Aufgabenstellung und bearbeite diese."


So ist es, aber es war eine Zeitlang Mode, derart schwachsinnige Aufgaben zu stellen - bzw. eben genau nicht zu stellen, sondern dem geneigten Schüler die Art und den Umfang der Fragestellung selbst zu überlassen. In jedem Fall konnten man dann als Lehrkraft frohgemut unter die Aufgaben "Das war nicht gefragt" pinseln. Begonnen hat der Trend meines Wissens bei Lambacher-Schweizer (wo auch sonst) vor zig Jahren. Und wenn man sich diese sog. Lehrwerke heute anschaut, dann muss man sich bei manchen Aufgabenstellungen schon fragen, was die in der Redaktion bei der Schlusssitzung geraucht haben bzw. welche Farben die lustigen kleinen Pillen hatten, die da überall rumlagen…

Gruß
Zitro
heiter weiter!
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Re: Handfeste Depression und Persönlichkeitsstörung

Beitragvon Hubselzwerg » 05.03.2016, 12:09:57

Aus einem aktuellen Mathebuch:
Herr Müller pflant 3 Reihen Karotten und 6 Reihen Kartoffeln.
Stelle 2 Fragen und beantworte sie.

Ich habe mir den Spaß erlaubt und die Aufgabe mündlich an eine Schülerin gestellt.
"Warum macht er das? - Weil er Hunger hat" Ich wusste, auf das Mädchen ist Verlass :D

Auch absolut bekloppt: Im Themenbreich Flächenberechnung von Dreiecken: Ein Verkehrschildmit den Maßen x,y... 'Stelle eine Frage und benatworte sie'
Mal abgesehen davon, dass die Schüker ja wissen, dass sie fragen sollen wie groß die Fläche ist- das will ich doch auch nicht wissen.

Schlimmste Sünde, die ich bisher ein einem Mathebuch gesehen habe, ist allerdings eine ehemals offene Aufgabe, die völlig verhunzt wurde.
'Wie viele Autos stehen in einem Stau von 2 km Länge, wenn es 2 Fahrstreifen gibt, ein Auto 3 m lang ist und zwischen den Autos 2m Abstand ist'
Ich möchte den Autoren mit dem Buch verprügeln.
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Re: Handfeste Depression und Persönlichkeitsstörung

Beitragvon Zitronenfalter » 26.06.2016, 11:14:18

Hubselzwerg hat geschrieben:Aus einem aktuellen Mathebuch:
Herr Müller pflant 3 Reihen Karotten und 6 Reihen Kartoffeln.
Stelle 2 Fragen und beantworte sie.

Ich habe mir den Spaß erlaubt und die Aufgabe mündlich an eine Schülerin gestellt.
"Warum macht er das? - Weil er Hunger hat" Ich wusste, auf das Mädchen ist Verlass :D

Auch absolut bekloppt: Im Themenbreich Flächenberechnung von Dreiecken: Ein Verkehrschildmit den Maßen x,y... 'Stelle eine Frage und benatworte sie'
Mal abgesehen davon, dass die Schüker ja wissen, dass sie fragen sollen wie groß die Fläche ist- das will ich doch auch nicht wissen.

Schlimmste Sünde, die ich bisher ein einem Mathebuch gesehen habe, ist allerdings eine ehemals offene Aufgabe, die völlig verhunzt wurde.
'Wie viele Autos stehen in einem Stau von 2 km Länge, wenn es 2 Fahrstreifen gibt, ein Auto 3 m lang ist und zwischen den Autos 2m Abstand ist'
Ich möchte den Autoren mit dem Buch verprügeln.


Aber immerhin wird eine klare Frage gestellt, die ein berechenbares Ergebnis erhält.

Auch wenn es natürlich soziologisch fragwürdig ist, dem kleinen Mathematik-Eleven quasi durch die Hintertür zu suggerieren, richtige "Autos" seien 3m lang und deren Fahrer würden dann im Stau auch noch 2m Sicherheitsabstand einhalten. Ts, Ts, Ts

Gruß
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Re: Handfeste Depression und Persönlichkeitsstörung

Beitragvon Piccola » 13.03.2017, 16:08:50

bernstein321 hat geschrieben:
teacher_a hat geschrieben:Als Mutter und als Lehrer hoffe ich sogar, dass Menschen mit "Depressionen und Persönlichkeitsstörungen" keine Lehrer werden!


Diese Aussage interpretiere ich als Paradebeispiel, dass jemand diese Krankheiten nicht verstanden hat!

Um hier nicht mehr Interpretationen ausarten zu lassen: Warum hoffen Sie geehrte "teacher_a" als Mutter und Lehrer, dass Menschen mit Depressionen und Persönlichkeitsstörungen keine Lehrer werden sollen?


Auch wenn dieser Thread schon zwei Jahre alt ist: Aber das ist ja schon der Oberknüller, was Mutter und Lehrer teacher_a damals von sich gab!
Wenn man als Lehrerin so über andere Menschen denkt, dann "Gut' Nacht, Europa"...

bernstein321, Dich bewundere ich für Deine Geduld, Deine Sachlichkeit und Deine Höflichkeit im Umgang mit diesen unsagbar unsachlichen, undifferenzierten und respektlosen Äußerungen von teacher_a (die hoffentlich heute, im Jahre 2017, nicht mehr so denkt).

Ich finde es sehr stark und vorbildlich von Dir, dass Du a) Deine Erkrankung hast behandeln lassen und b) dass Du Dich freundlich, aber bestimmt dafür einsetzt, Deinen Traumberuf ausüben zu können.

Menschen wie Dich braucht nicht nur die Welt, sondern ganz besonders die Schule!

Ich denke, so, wie Du Dich hier im Forum gezeigt hast, bist Du ein Lehrer, der seinen Schülern ein Vorbild sein wird. Ich schätze Dich als empathiefähigen und hilfsbereiten Kollegen ein, der andere nicht gleich verurteilt und in Schubladen steckt.
Du scheinst mir jemand zu sein, der zweimal hinschaut, bevor er sich zu einem Sachverhalt äußert oder einen Menschen abweist.
Hut ab, kann ich da nur noch sagen.

Für teacher_a hoffe ich, dass sie mittlerweile ihre Äußerungen überdacht hat und vielleicht auch zu dem Schluss gekommen ist, dass eine psychische Erkrankung behandelbar ist und den Betroffenen nicht zu einer Gefahr oder Ähnlichem für die Schüler werden lässt.
Die Unkenntnis in den Bereichen der Psychologie und Psychiatrie zeigt sich darin, dass teacher_a (im Jahre 2015) scheinbar der Meinung war, dass alle psychisch Erkrankten ungeeignet für den Lehrerberuf wären. Selbst ein Laie würde sich an dieser Stelle fragen, was an dem Tag mit teacher_a wohl los gewesen sein müsse?

Da sollte man eher skeptisch gegenüber egoistischen, selbstverliebten und hinterhältigen Menschen sein, die Kollegen ausnutzen und denen die Schüler egal sind. Da hätte ich eher Bedenken, ob der Lehrerberuf für solche Persönlichkeiten der Richtige wäre.

Und zum Thema "Fehler machen", das im Laufe dieses Threads ebenfalls angesprochen wurde: Also wer angeblich selbst nie einen Patzer hingelegt hat, ist ein schlechter Lügner. Man selbst sollte sich auch als Lehrer stets bewusst machen, dass man beständig an sich arbeiten sollte und nicht denken, man wäre nahezu vollkommen (diese kontraproduktive Selbsteinschätzung existiert leider). Wichtiger ist, dass man sich des Fehlers bewusst ist und dazu steht, auch vor den Schülern. Oder man "korrigiert" den Patzer "unter der Hand" in der Folgestunde und schaut, dass jeder Schüler das mitbekommt.

Seltsam und schade, dass manche sich selbst ständig beweihräuchern müssen, indem sie andere schlecht machen. Das macht sie (also die Sich-Selbst-Beweihräucherer) leider nicht zu einem besseren Lehrer.

Liebe Grüße

Piccola
Mens sana in corpore sano :-)
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Re: Handfeste Depression und Persönlichkeitsstörung

Beitragvon Jméno » 14.03.2017, 15:10:26

Sorry, Piccola, ich weiß nicht, zu welchem Zweck du diesen uralten Faden ausbuddelst – es hinterlässt den Eindruck, es ginge im Wesentlichen darum, „teacher_a“ für ihre Aussagen anzugehen –, aber da ich seinerzeit eine ähnliche Haltung vertreten habe und das auch heute noch tue, will ich auch antworten. Du schreibst in Richtung „bernstein321“:

Piccola hat geschrieben:Menschen wie Dich braucht nicht nur die Welt, sondern ganz besonders die Schule!


Nein.

Der User „bernstein321“ hat bereits im Titel des Fadens angegeben, unter Depressionen und einer Persönlichkeitsstörung zu leiden. Da sollte man also auch beides betrachten:

(1.) Depression
Depression ist eine Krankheit. Eine behandelbare obendrein. Und ganz genauso, wie jemand mit Gastroenteritis, Appendizitis oder sonstigen Krankheiten nicht in die Schule gehört, sondern sich auskurieren sollte, gilt das absolut und ebenso auch für diagnostiziert Depressive. Gesund werden, wiederkommen, dann gerne über Depressionen reden, damit klar wird, dass es eine Krankheit und kein Stigma ist.

Wenn nämlich jemand unbehandelt Depressives im Lehrerzimmer rumläuft, passiert beispielsweise Folgendes (und ja, das ist leider alles echt, betraf eine sehr liebe Kollegin, die ich privat unglaublich mag):

1a) Die unbehandelt depressive Kollegin konnte ihren Anteil an Aufgaben nicht erledigen: Unterricht war nicht vorbereitet, teils fehlte sie unangekündigt, Klassenarbeiten und Klausuren stapelten sich zuhause und harrten monatelang ihrer Korrektur. Das hat die Kollegin natürlich gemerkt, sie war ja depressiv, nicht dumm. Braucht es ein Depressiver, täglich seine Unfähigkeit vorgeführt zu kriegen?

1b) Die unabwendbaren Arbeiten – Korrekturen, Projekte, Klassenfahrten – mussten regelmäßig in letzter Minute und spontan von anderen Kollegen übernommen werden. Oft genug für wenig oder gar keine Entlastungsstunden, schlicht weil es keine Poolstunden für das Auffangen depressiver Kollegen gibt. Braucht es ein Kollegium, zusätzlich belastet zu werden?

1c) Die Schülerinnen und Schüler haben die Problematik natürlich ebenfalls bemerkt. Spätestens die Neuntklässler haben sich dann auch Sorgen gemacht („Herr Jméno, wir haben schon zum dritten Mal in diesem Halbjahr ‚Ice Age‘ geguckt und haben noch gar keinen Unterricht gemacht.“) und die Abiturienten waren nachvollziehbarerweise in heller Panik. Brauchen es Schüler, nicht unterrichtet und nicht auf Prüfungen vorbereitet zu werden?

Ich persönlich beantworte 1a), 1b) und 1c) mit: Nein. Und deswegen braucht „ganz besonders die Schule“ keine Menschen mit akuter Depression! Übrigens brauchen umgekehrt auch Menschen mit akuter Depression keine Schule, sondern Hilfe. Aber ich wiederhole mich.

(2.) Persönlichkeitsstörung
Der User „bernstein321“ hat eine ganze Reihe von ICD-10-Codes angegeben, die bei ihm diagnostiziert worden sind. Die Codes finden sich alle im Beitrag vom 16.03.2015, 22:34:11 Uhr, ganz unten auf Unterseite 3. Nehmen wir daraus nur einmal den Code F60.7, für die es folgende Kriterien gibt:

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat geschrieben:[1] Ermunterung oder Erlaubnis an andere, die meisten wichtigen Entscheidungen für das eigene Leben zu treffen
[2] Unterordnung eigener Bedürfnisse unter die anderer Personen, zu denen eine Abhängigkeit besteht, und unverhältnismäßige Nachgiebigkeit gegenüber deren Wünschen
[3] Mangelnde Bereitschaft zur Äußerung selbst angemessener Ansprüche gegenüber Personen, von denen man abhängt
[4] Unbehagliches Gefühl, wenn die Betroffenen alleine sind, aus übertriebener Angst, nicht für sich alleine sorgen zu können.
[5] Häufiges Beschäftigtsein mit der Furcht, verlassen zu werden und auf sich selbst angewiesen zu sein
[6] Eingeschränkte Fähigkeit, Alltagsentscheidungen zu treffen, ohne zahlreiche Ratschläge und Bestätigungen von anderen.

(Mindestens vier Kriterien müssen vorliegen.)


Siehst du, Piccola, in dieser Liste irgendetwas, was sich ohne schwerwiegende Probleme mit dem ganz normalen Lehreralltag in Verbindung bringen lässt?

Mehr noch: Medikamente können die Probleme zwar unterdrücken/dämpfen, aber nicht wegtherapieren. Aber auch lange dauernde Therapien mit Psychiatern oder Psychotherapeuten sind kein garantierter Weg aus dieser Lage: „Es ist fraglich, ob Persönlichkeitsstörungen mit psychiatrisch-psychotherapeutischen Interventionen so behandelt werden können, dass eine vollständige Heilung eintritt.“ (Zitat Wikipedia, Artikel „Persönlichkeitsstörung“).

Dass man Respekt vor „bernstein321“ empfindet und seinem Kampf, ein einigermaßen normales Leben zu führen: Ja. Zweifellos. Aber so zu tun, als sei ein Lehrerzimmer ein inklusiver Ort, wo jeder mal ein wenig Zeit mit den lieben Kindern verbringen könne, ist doch ein arg seltsamer Blick auf unseren Job. Denn so, wie Angela Merkel niemals Papst wird und ich niemals den Iron Man auf Hawaii laufen werde, so sind manche Menschen eben für die Anforderungen des Lehreralltags – sei es temporär, sei es permanent – ungeeignet. Sich selbst und anderen gegenüber das einzugestehen, hat etwas mit Ehrlichkeit zu tun. Und davon brauchen wir tatsächlich mehr in der Welt und in den Schulen!
…он је метафора, начин живота, угао гледања на ствари!
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Re: Handfeste Depression und Persönlichkeitsstörung

Beitragvon Piccola » 17.03.2017, 23:05:59

Jméno hat geschrieben:Sorry, Piccola, ich weiß nicht, zu welchem Zweck du diesen uralten Faden ausbuddelst – es hinterlässt den Eindruck, es ginge im Wesentlichen darum, „teacher_a“ für ihre Aussagen anzugehen –, aber da ich seinerzeit eine ähnliche Haltung vertreten habe und das auch heute noch tue, will ich auch antworten. Du schreibst in Richtung „bernstein321“:

Piccola hat geschrieben:Menschen wie Dich braucht nicht nur die Welt, sondern ganz besonders die Schule!


Nein.

Der User „bernstein321“ hat bereits im Titel des Fadens angegeben, unter Depressionen und einer Persönlichkeitsstörung zu leiden. Da sollte man also auch beides betrachten:

(1.) Depression
Depression ist eine Krankheit. Eine behandelbare obendrein. Und ganz genauso, wie jemand mit Gastroenteritis, Appendizitis oder sonstigen Krankheiten nicht in die Schule gehört, sondern sich auskurieren sollte, gilt das absolut und ebenso auch für diagnostiziert Depressive. Gesund werden, wiederkommen, dann gerne über Depressionen reden, damit klar wird, dass es eine Krankheit und kein Stigma ist.

Wenn nämlich jemand unbehandelt Depressives im Lehrerzimmer rumläuft, passiert beispielsweise Folgendes (und ja, das ist leider alles echt, betraf eine sehr liebe Kollegin, die ich privat unglaublich mag):

1a) Die unbehandelt depressive Kollegin konnte ihren Anteil an Aufgaben nicht erledigen: Unterricht war nicht vorbereitet, teils fehlte sie unangekündigt, Klassenarbeiten und Klausuren stapelten sich zuhause und harrten monatelang ihrer Korrektur. Das hat die Kollegin natürlich gemerkt, sie war ja depressiv, nicht dumm. Braucht es ein Depressiver, täglich seine Unfähigkeit vorgeführt zu kriegen?

1b) Die unabwendbaren Arbeiten – Korrekturen, Projekte, Klassenfahrten – mussten regelmäßig in letzter Minute und spontan von anderen Kollegen übernommen werden. Oft genug für wenig oder gar keine Entlastungsstunden, schlicht weil es keine Poolstunden für das Auffangen depressiver Kollegen gibt. Braucht es ein Kollegium, zusätzlich belastet zu werden?

1c) Die Schülerinnen und Schüler haben die Problematik natürlich ebenfalls bemerkt. Spätestens die Neuntklässler haben sich dann auch Sorgen gemacht („Herr Jméno, wir haben schon zum dritten Mal in diesem Halbjahr ‚Ice Age‘ geguckt und haben noch gar keinen Unterricht gemacht.“) und die Abiturienten waren nachvollziehbarerweise in heller Panik. Brauchen es Schüler, nicht unterrichtet und nicht auf Prüfungen vorbereitet zu werden?

Ich persönlich beantworte 1a), 1b) und 1c) mit: Nein. Und deswegen braucht „ganz besonders die Schule“ keine Menschen mit akuter Depression! Übrigens brauchen umgekehrt auch Menschen mit akuter Depression keine Schule, sondern Hilfe. Aber ich wiederhole mich.

(2.) Persönlichkeitsstörung
Der User „bernstein321“ hat eine ganze Reihe von ICD-10-Codes angegeben, die bei ihm diagnostiziert worden sind. Die Codes finden sich alle im Beitrag vom 16.03.2015, 22:34:11 Uhr, ganz unten auf Unterseite 3. Nehmen wir daraus nur einmal den Code F60.7, für die es folgende Kriterien gibt:

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat geschrieben:[1] Ermunterung oder Erlaubnis an andere, die meisten wichtigen Entscheidungen für das eigene Leben zu treffen
[2] Unterordnung eigener Bedürfnisse unter die anderer Personen, zu denen eine Abhängigkeit besteht, und unverhältnismäßige Nachgiebigkeit gegenüber deren Wünschen
[3] Mangelnde Bereitschaft zur Äußerung selbst angemessener Ansprüche gegenüber Personen, von denen man abhängt
[4] Unbehagliches Gefühl, wenn die Betroffenen alleine sind, aus übertriebener Angst, nicht für sich alleine sorgen zu können.
[5] Häufiges Beschäftigtsein mit der Furcht, verlassen zu werden und auf sich selbst angewiesen zu sein
[6] Eingeschränkte Fähigkeit, Alltagsentscheidungen zu treffen, ohne zahlreiche Ratschläge und Bestätigungen von anderen.

(Mindestens vier Kriterien müssen vorliegen.)


Siehst du, Piccola, in dieser Liste irgendetwas, was sich ohne schwerwiegende Probleme mit dem ganz normalen Lehreralltag in Verbindung bringen lässt?

Mehr noch: Medikamente können die Probleme zwar unterdrücken/dämpfen, aber nicht wegtherapieren. Aber auch lange dauernde Therapien mit Psychiatern oder Psychotherapeuten sind kein garantierter Weg aus dieser Lage: „Es ist fraglich, ob Persönlichkeitsstörungen mit psychiatrisch-psychotherapeutischen Interventionen so behandelt werden können, dass eine vollständige Heilung eintritt.“ (Zitat Wikipedia, Artikel „Persönlichkeitsstörung“).

Dass man Respekt vor „bernstein321“ empfindet und seinem Kampf, ein einigermaßen normales Leben zu führen: Ja. Zweifellos. Aber so zu tun, als sei ein Lehrerzimmer ein inklusiver Ort, wo jeder mal ein wenig Zeit mit den lieben Kindern verbringen könne, ist doch ein arg seltsamer Blick auf unseren Job. Denn so, wie Angela Merkel niemals Papst wird und ich niemals den Iron Man auf Hawaii laufen werde, so sind manche Menschen eben für die Anforderungen des Lehreralltags – sei es temporär, sei es permanent – ungeeignet. Sich selbst und anderen gegenüber das einzugestehen, hat etwas mit Ehrlichkeit zu tun. Und davon brauchen wir tatsächlich mehr in der Welt und in den Schulen!


Dankeschön, Jméno, für Deine ausführliche Rückmeldung!
Ich vertrete weiterhin die Meinung, dass Depressionen und Persönlichkeitsstörungen nicht für den Lehrerberuf ungeeignet machen.

In meinem Kollegium sind derzeit wieder zwei Kollegen für längere Zeit ausgefallen. Eine andere war jetzt ein Jahr weg und wird wieder eingegliedert.
Für diese Kollegin hatte ich letztes Jahr die Abiturkorrekturen übernommen.
Dafür hatte sie mir zuvor sehr geholfen, als ich noch ganz neu an der Schule war.
Manus manum lavat.

Meine Kollegin ist eine sehr gute Lehrerin, die trotz ihrer Erkrankung weiterhin vom Kollegium, von den Schülern und von der Schulleitung wertgeschätzt wird. Sie war auch die Fachleiterin in einem ihrer Fächer an unserer Schule. Diese Position hat nun jemand anderes.

Ich halte es für falsch über Menschen und deren Befähigung zu einem bestimmten Beruf zu urteilen, ohne den Einzelfall zu kennen.
Es ist sehr leicht alle über einen Kamm zu scheren.

Ein Mensch definiert sich genauso wenig nur aus einer Erkrankung oder einem IQ, etc. Sondern er ist ein facettenreiches Wesen.

Mir gefällt nach wie vor der überhebliche und missachtende Ton von teacher_a nicht.

Vielleicht ist sie im wahren Leben nicht so respektlos anderen Menschen gegenüber. Aber ganz ehrlich: Ein Lehrer, der ständig alle anderen, nur sich selbst nicht, über das Internet (!) in Frage stellt, wäre mir persönlich für meine Kinder weniger lieb als ein Mensch, der im Leben zwar einiges durchgemacht hat, aber ein gutes Herz hat und lebt.

Natürlich sehe ich es letztendlich so, dass die Schüler in der Schule nicht nur das Fachliche (Mathe, Deutsch, etc.) lernen, sondern auch mit bestimmten Situationen und Menschentypen (Mitschülern und Lehrern) umzugehen.

Und natürlich muss man auch lernen mit Lehrern umzugehen, die null Verständnis für andere haben.

Aber als gut möchte und werde ich es nicht befinden, auch wenn ich jeden Menschentypen nehme, wie er ist, solange er nicht anderen vorsätzlich Schaden zufügt.

Mich schockiert es daher weiterhin, dass jemand so abwertend (und das hat teacher_a getan) über Menschen spricht, die er für etwas Schlechteres hält. Im Gegensatz zu Dir hat sie sich offensichtlich nicht erkundigt über die Erkrankungen von Bernstein, sondern ihn gleich in eine fiese Schublade gesteckt.

Ich finde prinzipiell auch, dass nicht jeder für jeden Beruf geeignet ist. Aber die Meinung zu vertreten, dass Menschen mit Depressionen, etc. falsch in dem Beruf sind, ist diskriminierend.

Wenn die gute teacher_a so sachlich und akribisch argumentiert hätte, wie Du, dann könnte man zumindest nachvollziehen, was sie eigentlich meinte. So jedoch klingt das Posting herabwürdigend und verurteilend. Sollte es nicht so gemeint gewesen sein, dann wird das leider nicht ganz deutlich.

Egal. Ich verstehe, was Du mir sagen wolltest, aber wir schreiben ein wenig aneinander vorbei.

Mir ging es primär um die Herabwürdigung von Bernstein und um die Kaltherzigkeit in teacher_a's Posting. Ohne sich genauer mit der Problematik von Bernstein auseinanderzusetzen, wurde von ihr gleich ein vernichtendes Urteil gefällt. Eigentlich sollte ich mich darüber nicht aufregen. Ich tue es aber, weil es ziemlich viele teacher_as gibt.
Aber eben zum Glück auch andere. Zum Beispiel in meinem Kollegium. Dort werden Kollegen mit Depressionen und Persönlichkeitsstörungen (die wir haben) gewertschätzt und gemocht.

Liebe Grüße

Piccola
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