Handfeste Depression und Persönlichkeitsstörung

Du hast positive Erfahrungen mit dem Referendariat? Du hast es endlich geschafft und weißt nun, dass sich das Durchhalten gelohnt hat? Erzähl davon!

Re: Handfeste Depression und Persönlichkeitsstörung

Beitragvon Zukunftsfrage » 15.03.2015, 22:21:05

Also entscheiden sich alle (angehenden) Lehrer richtig, wenn sie still weiter leiden, das nicht diagnostizieren und behandeln lassen?
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Re: Handfeste Depression und Persönlichkeitsstörung

Beitragvon Jméno » 15.03.2015, 22:49:57

Du meinst, Kinder müssten sowas ertragen können oder die Betroffenen müssten ihre Erkrankung verschweigen? Tertium non datur? Da frage ich doch mal zurück: Was ist eigentlich wichtiger: Der Berufswunsch eines Erkrankten oder - zugespitzt - die Gesundheit und Sicherheit vieler Generationen von Kindern? Hier Risiken zu negieren oder herunterzuspielen klingt für mich nach einer ganz gefährlichen Abart von Egoismus.
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Re: Handfeste Depression und Persönlichkeitsstörung

Beitragvon Zukunftsfrage » 15.03.2015, 22:58:40

Spricht man denn automatisch eigentlich einem Menschen die Fähigkeit ab, seinen Beruf auszuüben? Sollte man nicht eher daran interessiert sein, dass der Mensch seinen Beruf wieder voll belastbar ausüben kann? Ich kriege von dir gerade solche "Draufhauen, wenn einer am Boden liegt"- Vibrations. ;)

PS: Hast du den Teil, in dem ich was von "behandeln lassen" schrieb, eigentlich mit Absicht ignoriert?
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Re: Handfeste Depression und Persönlichkeitsstörung

Beitragvon Feuerkopf » 16.03.2015, 0:49:44

Mal ganz davon abgesehen, dass es auch bei Depressionen und Persönlichkeitsstörungen diverse Schweregrade gibt, ist es auch immer noch so, dass psychische Erkrankungen in den meisten Fällen von den Erkrankten gar nicht erkannt werden bzw. man das als persönliches Versagen abtut. Eine Depression ist eine schwere Erkrankung, die aber nicht zwangsläufig mit dem Tod endet!

Jemand, der sich ständig schlapp, müde, lustlos und antriebslos fühlt, wird eher einen Fehler bei sich suchen als eine Krankheit. Dementsprechend wird er sich vermutlich auch eher selbst dafür runtermachen statt zum Arzt zu gehen und sich behandeln zu lassen. Es gibt die Meinung in der Gesellschaft, sich glücklich zu fühlen sei eine Einstellungssache und dementsprechend reagiert der Depressive vielleicht damit, dass er versucht seine Einstellung zu ändern und da auch das nichts hilft ist er nur noch fertiger deswegen.

All dies macht ihn zu einem kaputten Menschen, ja. aber ihm deshalb absprechen zu wollen, Verantwortung zu übernehmen finde ich sehr vermessen. Und wo soll man da anfangen? Beim Kollegen, der schon seit ein paar Tagen ein mürrisches Gesicht zieht? Bei der Kollegin, die mehrfach kurz hintereinander erkältet ist? (Denn die Psyche schlägt auch auf den Körper über!)

Eine Krankheit, die zwar durchaus behandelbar ist, aber eben nicht so gut feststellbar (und vor allem in Selbstdiagnose!) wie ein Beinbruch als Ausschlusskriterium zu nennen, einen Beruf auszuüben, in dem man unter gesunden Umständen glücklich wäre (was durchaus zur Genesung beitragen kann!) finde ich sehr schwierig.

Von schwereren Persönlichkeitsstörungen wie einer dissoziativen Persönlichkeitsstörung, einer Schizophrenie oder dergleichen, die vielleicht auch besser zu diagnostizieren sind, rede ich hier gar nicht.
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Re: Handfeste Depression und Persönlichkeitsstörung

Beitragvon Jméno » 16.03.2015, 8:07:44

Zukunftsfrage hat geschrieben:PS: Hast du den Teil, in dem ich was von "behandeln lassen" schrieb, eigentlich mit Absicht ignoriert?

Rückfrage: Dir ist schon bewusst, dass die Forschung für den weitaus größten Teil der Persönlichkeitsstörungen überhaupt bezweifelt, dass sie psychotherapeutisch dahingehend behandelbar sind, dass man von einer Heilung sprechen könnte? Einige Studien finden zwar Belege für eine Besserung durch Therapie - aber deutlich häufiger finden sich eben Komorbiditäten wie Depressionen, Suizidgedanken usw. Wir reden hier ja nicht von einer Grippe!

Darüber hinaus mag man sich darüber streiten, wie sinnvoll es ist, zumindest bei Erkrankten mit kleinschrittigen Maßnahmen zum Aufbau von Selbstvertrauen und Alltagskompetenz zu arbeiten, die unter dem Motto „du kannst, wenn du willst“ laufen; allein: so ein Motto kann nicht allgemeingültig abgeleitet werden. Wir alle bringen gewisse Dispositionen qua Physis oder Persönlichkeitsstruktur oder Geistesgaben mit, die uns für die eine Aufgabe geeigeneter und für andere eben weniger geeignet bzw. ungeeignet machen. Und manchmal fehlt mir in Debatten hier - und in diesem Faden durchaus besonders - die Einsicht, dass einige eben auch selbst weniger bzw. nicht geeignet sind für die spezifischen Anforderungen des Lehrerberufs.
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Re: Handfeste Depression und Persönlichkeitsstörung

Beitragvon kecks » 16.03.2015, 9:27:27

äh, ja. sorry, aber es ist völlig unfug, dass jemand mit einer depression nicht wieder als lehrer (oder in jedem anderen beruf) arbeiten können sollte. bei sehr vielen ist depression sehr gut behandelbar. es gibt gute gründe zu vermuten, burnout sei nichts anderes als ein modernes label für "depression" (so wie früher mal melancholie und dann hysterie). es ist nicht hilfreich für die erkrankten, wenn stereotype und vorurteile über ihre erkrankung verbreitet werden.
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Re: Handfeste Depression und Persönlichkeitsstörung

Beitragvon teacher_a » 16.03.2015, 9:51:18

Zum Thema "warum möchte ich einem Menschen mit einer Persönlichkeitsstörung mein Kind nicht anvertrauen" erübrigt sich eigentlich eine Antwort bzw. wurde hier schon genannt. Der Beruf Lehrer verlangt einem viel ab, psychisch stark instabile Menschen sind dem Druck nicht gewachsen. Ich befürchte, dass Schüler und Lehrerkollegen dies früher oder später ausbaden müssten. Es gibt viele andere Berufe, die meiner Meinung nach besser geeignet wären für jemanden, der häufiger unter Depressionen leidet. Als Lehrer sehe ich so einen Menschen nicht, so wie ich einen Rollstuhlfahrer auch nicht unbedingt auf dem Bau als Zimmermann sehen würde. Dieses "Jeder kann alles erreichen!" sehe ich kritisch. Denn wir sind alle verschieden und müssen suchen, was gut für uns ist, was uns gut tut. Nicht immer mit dem Kopf durch die Wand.

Und noch was: Burnout ist keine Persönlichkeitsstörung! Es ist ein vorübergehender Zustand, so wie ein Muskelkater: man kann sich wieder erholen und ein belastbarer Lehrer werden. Aber ein unter häufigen Depressionen leidender Mensch ist selten/nie richtig geheilt.
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