Nicht aufgeben!

Du hast positive Erfahrungen mit dem Referendariat? Du hast es endlich geschafft und weißt nun, dass sich das Durchhalten gelohnt hat? Erzähl davon!

Nicht aufgeben!

Beitragvon ehaefner » 24.01.2017, 22:41:10

Ich bin Späteinsteiger gewesen, habe erst mit 28 angefangen Grundschullehramt zu studieren. Hab davor eine Ausbildung zur Konditorin gemacht und gearbeitet. Da ich seit 2004 verwitwet bin, war ich zusätzlich auch alleinerziehend. Trotzdem hab ich das Studium in der Regelstudienzeit (ich war an unserer Uni der letzte "alte" Stastsexamensjahrgang) und mit einem Schnitt von 1,89 abgeschlossen. Und wie das dann so ist, mit Problemen im Ref hab ich eigentlich nie gerechnet.
Nun ja sollte wohl nicht so sein... Meine Seminarlehrerin hatte ein persönliches Problem mit mir, zum einen weil ich nicht der Typ bin, der mit High Heels und Tonnen von make up in die Schule geht und weil ich mich erdreistet habe, nebenbei ja auch noch Mutter zu sein und eben dann auch mal nicht zu 1000% perfekt vorbereitet war. Egal was ich gemacht habe, es hat nicht gepasst, auch wenn meine Seminarkollegen es exakt so gemacht haben und alles prima war... Mal hat meine Lehrerpersönlichkeit nicht gepasst oder ich sei ja null erziehlich wirksam etc (von meiner Klasse, meiner Betreuungs Lehrerin, Eltern etc hab ich aber eigentlich immer eher positive Rückmeldung bekommen). Oh und natürlich ist mir bewusst dass ich auch Fehler gemacht habe, dazu war ich schließlich auch noch in der Ausbildung, aber wer mich kennt, weiß der selbe Fehler passiert mir eigentlich nicht zweimal! Konstruktiv vorgebracht freue ich mich auch immer über Verbesserungen und Hinweise was nicht passt und dann arbeite ich daran... Sie hat mir Attribute zugeschrieben, die für jeden der mich kennt wirklich lächerlich sind. Zum Beispiel, ich wäre sehr autoritär (ich bin schon von meiner grundsätzlichen Persönlichkeit überhaupt kein autoritärer Typ, eher der Kumpel-Lehrer-Typ) und so weiter.
Die Unterrichtsbesuche waren aber nie so, dass ich irgendwie schon Bedenken gehabt hätte in Richtung Prüfung.
Die Einzellehrprobe war eine wirklich schöne und runde Stunde, die ich heute immer noch genau so wieder halten würde, und die fünf die mir dann (natürlich ohne Begründung) vor den Latz geknallt wurde, ließ mich aus allen Wolken fallen! Bis heute weiß ich nicht was nicht gepasst hat (die Stunde war wirklich ausführlich vorher mit Kollegen geplant und meine Klasse hat es einfach prima gemacht, kamen hinterher auch alle an und meinten es wäre die allertollste Stunde gewesen).
In der Doppellehrprobe hab ich dann leider statt Religion Musik gezeigt und da muss ich zugeben, daß war einfach nix. Würde ich auch nie mehr in einer Vorzeigestunde machen... Ich bin einfach kein Entertainer /Schauspieler und ohne das ist man bei Musik schon fast verloren. Und die Deutschstunde konnte es dann wohl nicht mehr rausreissen... Wieder ne 5 und damit durchgefallen!
Ich war natürlich völlig fertig und war mir nicht sicher ob ich das Jahr nochmal wiederholen sollte, vor allem weil mein Sohn sehr wenig von mir hatte in diesem vergangenen zwei Jahren. Aber mein Umfeld hat mich quasi gezwungen, besser nochmal probieren als nie zu wissen ob ich es nicht vielleicht doch geschafft hätte...
Bei uns ist es üblich, dass man zum wiederholen Schule und Seminar wechselt. Das Jahr lief auch im großen und ganzen recht gut. Nur hier kommen wir zur Krux des Systems... Meine Lehrproben vielen nur unwesentlich besser aus, und es waren untertöne rauszuhören: wer beim ersten mal durch fällt dem können wir halt beim zweiten Mal nicht plötzlich gute Noten geben (also so ähnlich wie auch die Beurteilungen in Bayern ablaufen :-))
Und da Seminarlehrer schriftlich begründen müssen wenn Seminsrnoten wesentlich von den Lehrproben abweichen, war auch da nicht viel zu holen...
Im Kolloquium war ich dann aber zum Beispiel seminarbeste und die einzige 1 des Tages...
Ein Dämpfer kam nochmal bei den mündlichen Prüfungen... Die erste Prüfung des Tages hatte ich Tadaaaaaaaa bei Mann meiner ehemaligen Seminarleitung... Ein Schelm der böses dabei denkt ;-) so eine Prüfung hatte ich noch nie erlebt! Ich konnte keinen Satz aussprechen, er hat mich permanent unterbrochen (Thema war übrigens Gesprächsregeln), x gefragt wollte aber y hören... Ende vom Lied die erste und einzige 5 meines Lebens in einer mündlichen Prüfung (war sonst nie schlechter als zwei)... Zum Glück hab ich es geschafft abzuhaken und die restlichen zwei Prüfungen mit 2 abgeschlossen... (Erstaunlicherweise sind meine Noten immer dann gut gewesen, wenn eine gewisse Familie eben nicht ihre Finger im Spiel hatte)

Ende vom Lied 2. Staatsexamen mit 3,7 abgeschlossen... Insgesamt war mein Schnitt dann bei 2,8

Und ab da ging es kontinuierlich bergauf! Natürlich sass das alles tief und mein berufliches Selbstbewusstsein war eigentlich nicht mehr existent! Aber das letzte Schuljahr war ich dann als mobile Reserve in einer wunderbaren Schule und hab da ganz viel Rückendeckung, Bestätigung und Bestärkung bekommen! Und von allen Seiten gehört, dass ich doch ganz richtig bin in dem was ich tue... Dieses Schuljahr hab ich nun meine Planstelle bekommen und musste erstmal schlucken... Denn man sieht sich immer wieder im Leben... Von all den zig Schulen im Landkreis wurde ich ausgerechnet an die Stammschule meiner ehemaligen Seminarleitung versetzt... Ich hatte zunächst tierische Bauchschmerzen, denn wer weiß was die dem Chef erzählt...
Aber sie hat an der Schule keinen guten Stand, hat eh nur drei Stunden und diese drei Stunden hält sie alle paar Monate mal mehr proforma... Ich begegne ihr immer höflich, und sie ist es die mir nicht in die Augen schauen kann... Auch da zeigt sich wieder, wer sich da wohl falsch verhalten hat...
Mittlerweile kann ich sie recht gut ausblenden, aber ich merke grundsätzlich wie tief das sitzt...

Ich habe eine wunderbare Klasse, tolle Eltern die mich bestärken (obwohl wir hier ein sehr anspruchsvolles Elternklientel) haben und ansonsten ganz tolle Kollegen!

Heute hatte ich nun großen Unterrichtsbesuch vom Chef (zur Beurteilung) und von unserer neuen Schulrätin zum Kennenlernen. Nach meinen Lehrproben Erfahrungen hat mir das schon zugesetzt im Vorfeld, und ich hab die letzten Wochen viel viel Arbeit investiert, aber auch schon von Beginn an darauf hin gearbeitet... Und ich bin in der Nachbesprechung nur gelobt worden! Keine Kritik! Nichts zu verbessern, einfach so weitermachen! Und es ist sehr gewürdigt worden, wie kontinuierlich ich auch erziehlich mit meiner Klasse arbeite... Im Prinzip wurden all jene Punkte die angeblich vor zwei Jahren ganz unmöglich waren, jetzt als besondere Stärken hervorgehoben!

Also nicht verzweifeln wenn es im Ref nicht immer so klappt! Das ist nur zum Teil aussagekräftig über das was man tatsächlich im Alltag als Lehrer taugt.... Ich weiß jetzt endlich wieder, dass ich genau an der richtigen Stelle bin!
ehaefner
 
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Re: Nicht aufgeben!

Beitragvon IrrwitzHoch10 » 31.03.2017, 19:58:37

Hallo ehaefner,

dann will ich mal den Anfang (hoffentlich nicht schon das Ende) machen und dir für Durchhaltevermögen in einem System gratulieren, in dem leider viel zu oft zwischenmenschliche *freiwillig zensiert* das Sagen haben.

Es gehört schon eine Menge dazu, sich nicht vom richtigen Weg abbringen zu lassen, wenn man ins Fadenkreuz der Willkür und Niedertracht geraten ist.

Jetzt wirst du natürlich nicht mehr schlecht behandelt, denn du leistest gute Arbeit und das wissen deine direkten Vorgesetzten zu schätzen.

Herzlichen Gruß
Irrwitz
IrrwitzHoch10
 
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