Ref - Ich habe noch nie so viel arbeiten müssen im Leben

Konstruktive Kritik - das Referendariat muss reformiert werden! Eure Vorschläge...

Re: Ref - Ich habe noch nie so viel arbeiten müssen im Leben

Beitragvon Illi-Noize » 08.04.2015, 13:50:30

reffi25 hat geschrieben:Wir hatten Präsenz in der Schule und ich war jeden Tag von frühmorgens bis abends gegen 17 Uhr dort.

Und da blieb keine Zeit für Vorbereitungen?
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Re: Ref - Ich habe noch nie so viel arbeiten müssen im Leben

Beitragvon CatherineDuquesne » 08.04.2015, 18:25:09

Hm, ich falle da wohl aus dem Rahmen... Nie habe ich so wenig arbeiten müssen wie im Ref :(.
Jetzt?
Bei uns fallen ständig die Leute aus und dabei sind eh schon zu viele Lehrer an der Schule (Originalaussage Personalratschefin). Da passt was nicht! Dann kommen noch andere Aufgaben dazu. 27, 28 Stunden pro Woche sind öfter mal drin.

Das Ref war wirklich entspannter. Und ich habe schon Ausgleiche, so ist das nicht.

OK, ist jetzt nicht repräsentativ.
Bzw. meine Schule ist das nicht ;).
Im Ref hatte ich mich nie überanstrengt.

Im Ref habe ich um 18 oder 19 Uhr den PC ausgemacht und habe aufgehört zu arbeiten. Und habe mich wirklich wohlgefühlt damit. Jetzt bin ich da immer im Zweifel, ob ich genug gemacht habe. Und ich habe schon immer Vertretungsstunden in der Hinterhand. Ging mir neulich ja schon so: Eine Minute vorher habe ichs erfahren, dass ich gleich ran muss.
Mir wurde eine hohe Belastbarkeit bescheinigt. Kein Wunder, das kriegt bei uns wohl jeder, der noch durchhält.
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Re: Ref - Ich habe noch nie so viel arbeiten müssen im Leben

Beitragvon reffi25 » 10.04.2015, 9:38:55

Wir waren 20 Referendare, unser Raum war 20qm groß, darin gab es nur einen Computer und da der Raum im Kellergeschoß lag, meist auch keinen verwertbaren Internetempfang. Die Verbindungstür ging direkt zum Raum der Seminarlehrer, der hinter einer dünnen Trennwand lag.Unangenehm war auch das an der Tür angebrachte Schild, das darauf hinwies, dass wir keinen freien Durchgang haben - wohingegen die Seminarlehrer durch diese Tür jederzeit ohne Anklopfen eintraten. Man fühlte sich so ständig beobachtet und überwacht. Alle fünf Minuten ging die Türe auf, 20 eingesperrte Leute versuchten gleichzeitig, zu arbeiten, was kaum möglich war (Recherche für Stunden ging nicht, Materialien konnte man nirgends lagern, dauernde Störungen und die Tatsache, dass es keinen Internetempfang gab, machten die Sache noch netter...) Wir sollten uns nicht im Lehrerzimmer oder in den Silentiumräumen des Stammpersonals aufhalten und durften die Schule auch bei längeren Lücken im Stundenplan nicht verlassen, also auch nicht z.b. 3 Freistunden zum Einkaufen oder zum auswärts Essen nutzen. Die Begründung: Falls ein Vorgesetzter uns erreichen will, sollen wir sofort zur Verfügung stehen, ohne umständliches Hinterhertelefonieren. Ich sehe das im Nachhinein als massiven Eingriff in meine Persönlichkeitsrechte, der an Freiheitsberaubung grenzt. Denn jeder normale Angestellte hat das Recht auf eine Mittagspause, während der er den Arbeitsplatz verlassen darf.
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Re: Ref - Ich habe noch nie so viel arbeiten müssen im Leben

Beitragvon kecks » 10.04.2015, 11:54:43

...krass. hattet ihr keinen seminarsprecher oder noch besser zwei davon, die sich im namen aller hätten weigern können, so einen unfug mitzumachen? ihr seid doch keine oberstufenschüler, die ständig präsent sein müssen, von wegen aufsichtspflicht. dann muss der werte herr seminarlehrer halt eine stunde später mit euch reden, das telefon in die hand nehmen oder :evil: schlicht seine termine besser planen. geht's noch? ein ref ist ein auszubildender, aber kein leibeigener. und sie sollen bitte ein funktionierendes w-lan ranschaffen, wenn ihr schon da zu arbeiten habt. (wobei es meist leere klassenzimmer gibt, die man unauffällig nutzen kann.)
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Re: Ref - Ich habe noch nie so viel arbeiten müssen im Leben

Beitragvon Jula13 » 14.05.2015, 11:09:53

Das verstößt gegen geltende Arbeitsschutzgesetze. Für 20 Personen muss der Raum deutlich größer sein. Da wäre eine Dienstaufsichtsbeschwerde fällig gewesen. Siehe z.B. hier.
http://www.zeit.de/karriere/beruf/2014-09/grossraumbuero-arbeitsplatz-arbeitsrecht
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Re: Ref - Ich habe noch nie so viel arbeiten müssen im Leben

Beitragvon reffi25 » 25.05.2015, 14:06:09

Das ist mir klar.
Unsere Seminarsprecher, die sehr wohl versuchten, kritische Anmerkungen zu machen, haben beide keine besonders tollen Noten erhalten. Das mag Zufall sein, ich glaube aber nicht wirklich daran.

Ich habe lange Zeit noch die Nachwirkungen dieses Umgangs gespürt. In meiner ersten Schule nach dem Referendariat habe ich mich gefühlt wie ein Bettler, ein Lehrer zweiter Klasse.

Durch solche Methoden zieht man langfristig Menschen heran, die sich naiv benutzen lassen, weil sie denken, sie seien es nicht wert. Inzwischen weiß ich: Ich bin ein guter Lehrer. Unkonventionell in manchen Dingen, aber einer von den Guten. Das spüren auch meine Schüler und ich kann heute sogar auf das Referendariat entspannter zurückschauen.

Ich denke, die "schwarze Pädagogik" sollte auch aus der Lehrerausbildung endlich verschwinden. Erst seit ca. einem halben Jahr gehe ich wirklich angstfrei zur Schule. Das war ein sehr steiniger, harter Weg, der mir persönlich zwar viel gebracht hat (Stichwort Erwachsenwerden), aber ich wünsche das so keinem.

Lieben Gruß
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Re: Ref - Ich habe noch nie so viel arbeiten müssen im Leben

Beitragvon Zitronenfalter » 24.11.2015, 19:10:00

reffi25 hat geschrieben:Wir waren 20 Referendare, unser Raum war 20qm groß, darin gab es nur einen Computer und da der Raum im Kellergeschoß lag, meist auch keinen verwertbaren Internetempfang. Die Verbindungstür ging direkt zum Raum der Seminarlehrer, der hinter einer dünnen Trennwand lag.Unangenehm war auch das an der Tür angebrachte Schild, das darauf hinwies, dass wir keinen freien Durchgang haben - wohingegen die Seminarlehrer durch diese Tür jederzeit ohne Anklopfen eintraten. Man fühlte sich so ständig beobachtet und überwacht. Alle fünf Minuten ging die Türe auf, 20 eingesperrte Leute versuchten gleichzeitig, zu arbeiten, was kaum möglich war (Recherche für Stunden ging nicht, Materialien konnte man nirgends lagern, dauernde Störungen und die Tatsache, dass es keinen Internetempfang gab, machten die Sache noch netter...) Wir sollten uns nicht im Lehrerzimmer oder in den Silentiumräumen des Stammpersonals aufhalten und durften die Schule auch bei längeren Lücken im Stundenplan nicht verlassen, also auch nicht z.b. 3 Freistunden zum Einkaufen oder zum auswärts Essen nutzen. Die Begründung: Falls ein Vorgesetzter uns erreichen will, sollen wir sofort zur Verfügung stehen, ohne umständliches Hinterhertelefonieren.


Ehrlich gesagt kaum zu glauben… Das klingt ja nach Sklavenhalterei - wozu soll das gut sein…
Soll das an einer Schule oder an einem Seminar gewesen sein… (oder gibt's in anderen Bundesländern das im Kombination?)
heiter weiter!
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