Zum 1. Mal Betreuungslehrer

Konstruktive Kritik - das Referendariat muss reformiert werden! Eure Vorschläge...

Re: Zum 1. Mal Betreuungslehrer

Beitragvon Stark » 17.02.2015, 22:17:11

Es ist nun schon ein paar Jahre her, dass ich das letzte Mal Betreeungslehrer war, deshalb weiß ich nicht, ob sich an der Rechtsgrundlage etwas geändert hat. Im Zweifelsfall lies doch mal in der ZALG und den ASG nach. Es lohnt sich ohnehin, da mal hineingesehen zu haben.

Hier meine Tipps:
* Mach dir erstmal selbst bewusst, wie deine Rolle/Position bei der Benotung des Refs ist: Du bist einer von zwei, die an deiner Schule dem Schulleiter Teilgutachten liefern, aus denen dieser dann das Zweigschulgutachten erstellt. Eventuell kommt dazu dann noch ein weiteres Zweigschulgutachten einer anderen Schule, falls der Ref nochmal wechseln musste. Laut Verordnungen müssen die Seminarlehrer bei der Erstellung der Beurteilung auf die Zweigschulgutachten eingehen und diese berücksichtigen - in welchem Umfang ist ihnen dabei freigestellt. Mit anderen Worten: Was du in deinem Gutachten lobst oder kritisierst spielt im Gesamtbild eine untergeordnete Rolle.
Ich habe auf dieser Basis meine Rolle immer eher als "beratende Stimme" gesehen, die die Refs bei der Planung mit Wissen aus der Praxis unterstützt, damit sie grobe, unangenehme Fehler vermeiden. Außerdem fand ich es immer wichtig, dass man ihnen auch beibringt, wie man später mit voller Stelle im Berufsalltag überlebt. Ich würde also bei den Unterrichtsbesuchen keinen Druck aufbauen, sondern darauf achten, dass die Stunden solide aufgebaut sind und auch später bei 24 Stunden machbar sind.
Bei den meisten Refs, die ihre Arbeit doch ganz ordentlich und bemüht gemacht haben, habe ich diese Stellung des Betreuungslehrers im großen Ganzen auch erläutert, damit sie wenigstens im Einsatzjahr weniger Druck haben.

* Die klaren Absprachen/Regeln, die Rayanne anspricht, sind ganz wichtig. Vor allem solltest du Termine so legen, dass sie im Alltag für den Ref möglich sind (nicht: Stegreifaufgabebn bitte eine Woche vorher, denn das ist ja Quatsch), sie dich aber nicht in Stress bringen. Was die Nachkorrektur angeht: Das Schulgesetz spricht davon, dass Schulaufgaben nach zwei Wochen zurückgegeben werden sollen. Das heißt, sie müssen zurückgegeben werden, wenn nicht wichtige (v.a. dienstliche) Gründe dagegen sprechen. Ich fand immer, dass es nicht einzusehen ist, dass ein junger Ref noch weniger Korrekturzeit hat als ein erfahrener Lehrer. Meine Refs haben deshalb immer die volle Korrekturzeit bekommen und ich habe mir danach die Zeit für die Nachkorrektur genommen, die ich eben gebraucht habe. Dann gab es die Arbeit eben mal erst nach drei Wochen zurück. Damit müssen die Schüler dann leben. Die Verspätung soll der Ref dann mit dem Vermerk "Nachkorrektur durch BL" auf dem Respizenzbogen vermerken, dann macht auch der Fachbetreuer keinen Stress. Das betrifft deinen Ref aber ja nur, wenn er in deinen Fächern in der Oberstufe ist. Bei Exen kann man da gegebenenfalls die Strategie fahren, die Rayanne anspricht, wobei auch hier meiner Meinung nach nicht nachvollziehbar ist, warum ein Ref generell weniger Zeit haben sollte.

* Ich würde im Unterrichtsalltag meine Hilfe und meine Materialien anbieten, aber nicht aufdrängen. Mir war es wichtig, dass meine Refs wissen, dass sie immer zu mir kommen können, sich aber nicht immer bei mir beweisen müssen. Es nervt nämlich auch ein wenig, wenn Refs von egomansichen Seminarlehrern so eingeschüchtert sind, dass sie für jedes Bildchen auf dem AB ein Lob haben wollen. Am Ende des Einsatzes, wenn es an das Gutachten geht, sollten sie mir dann eine Liste mit tollen Projekten/Exkursionen/Stunden etc. machen, damit ich das im Gutachten berücksichtigen konnte. Da ich an einer kleinen Schule bin, hat man das sowieso immer irgendwie mitbekommen - es ging dann eher darum, dass man nichts vergisst.

* Für ganz besondere Stunden konnten mich die Refs einladen, das hat dann auch gleich als UB gegolten. Ansonsten habe ich in der Regel die Termine mit ihnen abgesprochen. Der erste war meist nach vier bis fünf Wochen, also noch vor den ersten Ferien, aber nach ausreichend Zeit, dass die Refs ihre Klassen kennenlernen konnten.

* Bei der Vorbereitung der Lehrprobe (in meinem Fach) habe ich mich meist sehr mit Hilfen zurückgehalten, sondern die Refs an die Fachkollegen verwiesen. Der Hintergrund war hier, dass du ja in der Kommission sitzt und mir wäre es zu blöd gewesen, dann Ideen, die von mir kamen, überschwänglich zu loben. So hatte ich damit nichts zu tun und konnte sozusagen "unbelastet" begeistert sein ;)
Die Teilnahme an der Lehrprobe darf man weder über- noch unterschätzen. Du hast bei der Notenfindung kein Mitspracherecht, bist aber in der Beratungsrunde der Kommission der erste, der einen Kommentar abgibt. Ich fand immer, dass man da schon auch ein wenig die Stimmung beeinflussen kann.Wenn du dann noch didaktisch halbwegs aktuell bist in deinem Fach und entsprechend sachlich mit Hintergrund argumentieren kannst, dann kannst du deinem Ref ein wenig wie ein Anwalt zur Seite stehen. Im Zweifelsfall sind der Seminarlehrer und du die einzigen beiden, die vom Fach Ahnung haben. Da muss dann aber mehr kommen als "Das mach ich doch auch immer so!", um den Seminarlehrer zu überzeugen.

Viel Spaß! Wenn der Ref seine Arbeit ordentlich macht, ist das eine sehr nette Aufgabe, von der ich selbst auch immer viel profitiert habe. Man bekommt neue Ideen und reflektiert seinen eigenen Unterricht. Vielleicht wünsche ich mir auch mal wieder einen Ref, ich habe beim Schreiben eben richtig Lust bekommen.
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Re: Zum 1. Mal Betreuungslehrer

Beitragvon Waldfee86 » 18.02.2015, 13:27:43

Vielen Dank für die Antworten! V.a Starks Post hat mir sehr geholfen! Ich werde sicher einige Tipps berücksichtigen.
Ich selbst hatte im Ref nicht allzu viel Glück mit den BL. Einer war quasi non-existent: nie anzusprechen, hatte nie Zeit, hat mich immer abgewimmelt, Fragen wurden nicht oder nur unzureichend beantwortet. Der andere Betreuungslehrer war eher überfürsorglich. War sogar in der Schulaufgabe mit im Klassenzimmer, weil er mir nicht zugetraut hat, allein dafür zu sorgen, dass keiner spickt.
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Re: Zum 1. Mal Betreuungslehrer

Beitragvon Illi-Noize » 18.02.2015, 14:40:39

Ich hatte auch zwei ganz unterschiedliche Typen: Der eine - Typ A - hat immer schön brav jede Woche am Nachmittag ( :evil: ) sein Stündchen mit uns abgehalten - egal ob was zu besprechen war oder nicht. Sehr nervig und häufig nur sinnloses "blabla".

Die andere hat das sehr gut gelöst: Die wöchentliche Besprechungsstunde exisitierte nur auf dem Papier, hat aber nie stattgefunden. Stattdessen haben wir halt immer dann etwas besprochen (Pause, gemeinsame Freistunden, per Mail), wenn es wirklich was zu besprechen gab. Da gab es dann Wochen, wo wir 2-3 Stunden zusammengesessen sind (z. B. vor der Lehrprobe von jedem von uns, da waren dann alle an Bord zum gemeinsamen Üben und "Stunde durchspielen"), und dann gab es mehrere Wochen mal gar nichts zu besprechen. Sehr angenehm und sinnvoll!

Beide wollten anfangs Exen und SAs ein paar Tage vorher sehen, im späteren Verlauf gar nicht mehr. Nachkorrigiert haben sie auch am Anfang recht umfangreich, später nur Stichproben.

Typ A kam unangekündigt in die Stunden rein, und hat deshalb auch mal einen Film und eine Ex "bewundern" dürfen - selber schuld ;-)
Typin B hat ein paar Tage vorher mit mir ausgemacht, wann und wo sie kommt. Wie bereits von stark geschrieben, wollten beide nur Standard- und Alltagsstunden sehen, das war sehr angenehm.

B hat mir dann später sogar einen Praktikanten überlassen, den durfte ich dann alleine nachbesprechen. Kam mir als Ref zwar ein wenig seltsam vor - zeigte aber den Schülern, dass ich doch nicht ganz ganz unten in der Hierarchie bin :lol:

PS: Ich würde auch gerne mal einen Ref betreuen - bisher haben aber entweder die Fächer nicht gepasst oder ein "Alteingesessener" wollte das nicht abgeben. Ich schreib's aber immer wieder auf meine Wunschliste ... und welcher Typ wäre ich? Ich hoffe B ;-)
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