Sprachprobleme Englisch

Konstruktive Kritik - das Referendariat muss reformiert werden! Eure Vorschläge...

Sprachprobleme Englisch

Beitragvon Fienchen » 18.03.2016, 12:06:01

Hallo ihr,

ich habe mich hier neu angemeldet, da ich wirklich nicht weiß mit wem ich sonst darüber reden soll.
Ich unterrichte die Fächer Geschichte und Englisch am Gymnasium (BaWü). In Geschichte läuft es wirklich super, es macht riesen Spaß und auch die Vorbereitung geht mir "leicht" von der Hand. Allerdings versage ich totaal in Englisch. Mein erster UB vor 1 Woche war nicht gut. Meine Stunden sind zwar strukturiert und rund, allerdings wird meine Sprachkompetenz immer öfters kritisiert. Anscheinend benutze ich häufig das Present Progressive oder mache grammatikalische Fehler, die einfach nicht passieren dürfen (Where does the story takes place?). Im Nachinein ist mir das alles klar und auch bei der Planung aber plötzlich während dem Sprechen passieren diese Fehler und das sollte nicht sein. Vor allem im Hinblick auf die Oberstufe bin ich mega nervös, ob ich mit denen mithalten kann. Das ist ja eigentlich bescheuert, schließlich habe ich 6 Jahre Englisch studiert (könnte ich die Sprache nicht, hätte ich es auch nicht bestanden oder?).
Hat jemand einen guten Tipp für mich wie ich diese nervigen Fehler in Zukunft unterlassen kann? Grammatik pauken kommt mir unsinnig vor, da ich die Regeln ja kenne.
Ich weiß echt nicht mehr weiter und so langsam verlässt mich der Mut...
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Re: Sprachprobleme Englisch

Beitragvon Bibi88 » 18.03.2016, 12:32:33

Das Problem wird bei mir auch ständig kritisiert, aber nur in UBs, da ich da so nervös bin, dass ich totalen Stuss erzähle... Mein Lösungsansatz ist, alle Äußerungen meinerseits vorher auszuformulieren und aufzuschreiben (auswendig lernen!) und NICHT davon abzuweichen. Nicht quasseln, nicht labern, keine Witze machen... Klappt mal mehr, mal weniger, aber so kommt man wenigstens durch die UBs, ohne einen völlig belämmerten Eindruck zu hinterlassen ;)
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Re: Sprachprobleme Englisch

Beitragvon Illi-Noize » 18.03.2016, 15:51:40

Bibi88 hat geschrieben:Mein Lösungsansatz ist, alle Äußerungen meinerseits vorher auszuformulieren und aufzuschreiben (auswendig lernen!) und NICHT davon abzuweichen.

So bin ich auch bei meinen Mathelehrproben vorgegangen: "Nummer sicher" und auf jeden Fall vermeiden, dass sich fachliche Fehler einschleichen.

Von dem Standardtext musst Du fast nur dann abweichen, wenn Schüler Fehler machen, die unbedingt verbessert werden müssen. Hier kannst Du dann sogar den Spieß komplett umdrehen: Fallen Dir fachliche Schülerfehler sofort auf und werden dann sinnvoll von Dir oder Mitschülern freundlich und motivierend verbessert, heißt es ratz-fatz, dass man fachlich sehr fit ist ;-)
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Re: Sprachprobleme Englisch

Beitragvon Stark » 18.03.2016, 17:01:30

Ich nehme mal an, dass du verstanden hast, dass es nicht nur darum gehen kann, irgendwie durch die UBs zu kommen, sondern dass mangelnde Sprachkompetenz bei einem Fremdsprachenlehrer ein grundlegendes Problem ist, das man dringend angehen muss.
Die UBs zu skripten und zu hoffen, dass kein Schüler das Drehbuch durchbricht, kann dabei kaum die Lösung sein. Und, ja, das Ref ist eine Sondersituation, bei der es erstmal nur heißt, irgendwie durchzukommen. Du wirst aber auch danach, in deinen ersten Berufsjahren, kaum mehr Zeit haben, um dich "dann in Ruhe" um dieses Problem zu kümmern.

Reflexartig kommen bei solchen Problemen immer die Empfehlungen "Bücher lesen" und "englischsprachige DVDs/Serien schauen". Das ist sicherlich ein Anfang, wird dir aber in der mündlichen Ausdruckfähigkeit nur sehr bedingt weiterhelfen. Du musst sprechen, und zwar viel und möglichst zwangfrei. Also, such dir einen englischsprachigen Stammtisch. Oder einen Muttersprachler als Tandempartner. Die kannst du häufig über die akademischen Auslandsämter der Unis finden oder auch über das Goethe Institut. Im Zweifelsfall auch über private Sprachschulen oder per Anzeige (online oder Zeitung). Wenn du gar niemanden findest, dann musst du eben deine Stehlampe zuquatschen, hauptsache du redest, redest, redest.

Und dann solltest du natürlich dringend versuchen, ins Ausland zu kommen - und zwar ohne deutschsprachige Begleitung. Je länger desto besser. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten: Sprachkurse mit Unterbringung in Gastfamilien, ein Praktikum irgendwo oder du versuchst, in den Sommerferien einen Job irgendwo in England zu bekommen, bei dem du viel reden musst (- nicht vergessen, die Nebentätigkeit anzumelden!).

Viel Erfolg!
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Re: Sprachprobleme Englisch

Beitragvon qotsaf » 19.03.2016, 8:55:38

Ich habe mein ganzes Studium durch und auch im Ref noch für eine deutsche Firma gearbeitet, die in England während der Schulferien Sprachreisen für Kinder und Jugendliche durchführt. Meine Aufgabe war es, die Kinder heil nach England zu bekommen (also die Überfahrt mit dem Reisebus zu betreuen) und vor Ort alles zu regeln. Dabei habe ich immer bei Gasteltern gewohnt und musste auch in der Schule viel auf Englisch klären.
Neben einem Zuwachs in der Sprache habe ich außerdem viel viel Sicherheit im Umgang mit großen Schülergruppen gewonnen. Die Arbeit hat mich sehr geprägt und mir rückblickend viel für den Lehrberuf gebracht.

Inzwischen gibt es viele dieser Reiseangebote und viele Firmen, die Betreuer suchen.
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Re: Sprachprobleme Englisch

Beitragvon larissa » 03.05.2016, 17:33:54

das ist ein Problem, das häufiger bei Referendaren, die eine Sprache unterrichten, zutage kommt.

"schließlich" eine sprache studiert zu haben heisst nicht, sie sprechen zu können. wir wissen doch alle, wieviele Veranstaltungen in der uni auf deutsch sind. lediglich die sprachpraktischen kurse/übungen wie Übersetzung usw. sind in der fs.
das ist leider auch ein Fehler der unis meiner Meinung nach. aber wenn man eine sprache unterrichten will, sollte man zwingend länger im Ausland gewesen sein.


dieses Problem tritt aber häufiger bei Referenden auf, die eben nicht oder nur kurz im Ausland waren. nachholen wird immer schwieriger. irgendwann bleiben nur noch die Sommerferien und die sind auch nur max. 6 Wochen, wenn man sie komplett ausschöpft-



und in den UBs, wenn die Aufregung dazu kommt, macht man eben schneller Fehler. wäre man aber sehr sicher in der zielsprache, würden einem dann auch keine Fehler unterlaufen. zwischen "ich kenne die regeln" und "ich spreche fehlerfrei die Zielsprache, ohne dabei an die regeln denken zu müssen" ist ein meilenweiter Unterschied.
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Re: Sprachprobleme Englisch

Beitragvon Bibi88 » 04.05.2016, 10:04:21

larissa hat geschrieben:aber wenn man eine sprache unterrichten will, sollte man zwingend länger im Ausland gewesen sein.


Dem stimme ich vollkommen zu. Allerdings ist das manchmal nicht die Ursache... Ich war insgesamt ein Jahr im Ausland, habe alle Sprachprüfungen an der Uni mit 1 vorm Komma gemacht und darf mir trotzdem jedes Mal anhören, mein Englisch sei schlecht. Ich habe in der fünften Klasse zB die Angewohnheit, oft auf Beiträge mit "Nice!" zu antworten, was mir als fehlende sprachliche Varianz ausgelegt wird. Neulich war das Highlight der Vorwurf, ich würde den Schülern falsches Englisch beibringen: Man sage nicht "eat breakfast" oder "cook lunch". Im Nachhinein fiel mir dann ein, warum ich das benutze: Das Lehrbuch gibt es als Vokabel vor...
Naja, hinterher weiß man sowas... Je öfter mir die Dame aber sagt, mein Englisch sei Mist, desto schlimmer wird es, da ich immer nervöser werde... Daher kann ich die (den?) TE verstehen, auch wenn ich natürlich auch der Meinung bin, mit "auswendig gelernten" AA kommt man vielleicht durch die Prüfung, aber nicht durch den ganzen Beruf ;)
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