Gibt es bald eine "Untersuchung" zum Referendariat?

Grundsätzliche Fragen zum Referendariat können hier gestellt werden

Re: Gibt es bald eine "Untersuchung" zum Referendariat?

Beitragvon hans_Unfrei » 13.02.2018, 14:30:21

Bei Aussagen von Hochschuldidaktikern bin ich skeptisch. Ich kannte auch mal so einen Professor, der nach seinem eigenen Referendariat kaum noch unterrichtet hat. Inzwischen "lehrt" er in einem anderen Bundesland an der Uni. In einer meiner Prüfungen hat er mal nachweislich falsche und realitätsferne Dinge behauptet. Er verwechselte Tatsachen mit seiner Meinung. Ergebnis war dann, dass ich die Prüfung erfolgreich angefochten habe und bei einem anderen Prüfer wiederholt habe. Kann man natürlich nicht verallgemeinern.

Ich bin der Meinung, das Referendariat steht und fällt mit seinen Ausbildern und mit dem, was die Referendare dazu beitragen. Aufgrund der verschiedenen Schularten und Bundesländer ist es kaum möglich, eine allgemeingültige Aussage über das "System Referendariat" zu treffen.
hans_Unfrei
 
Beiträge: 18
Registriert: 21.02.2017, 18:15:08

Re: Gibt es bald eine "Untersuchung" zum Referendariat?

Beitragvon Max_Cohen » 13.02.2018, 16:19:24

CaraM. hat geschrieben:
kecks hat geschrieben:das kann dir in bayern am gym nicht passieren, weil du die ersten sechs monate an der seminarschule beim seminarlehrer und anderen kollegen hospitierst und da normalerweise schon gezeigt wird, was sie auch sehen wollen/was realistisch machbar ist. 24 monate ref reichen gerade so. dieser verkürzungswahn in allen bildungsdingen ist völliger schmarrn. gras wächst nicht schneller, wenn man dran zieht.


6 Monate? Da muss man aber Sitzfleisch haben.



Wenn man die 6 Monate sinnvoll nutzt, d.h. nicht nur sitzt/guckt, sondern auch in die Planung und Auswertung der Unterrichts mit einbezogen wird und ggf. sogar vom Ausbildungslehrer erstellte Beobachtungsbögen zur Verbesserung seines Unterrichts ausfüllt, dann kann man die Zeit doch wunderbar füllen und viel dabei lernen.

Maximer hat geschrieben:(weil es gerade in der empirischen Bildungsforschung angesagt ist)


Eine wundervolles Bonmot. Ich sehe gerade einen schweren Allergiker zu seinem Arzt sagen: "Nur weil es in der evidenzbasierten Medizin gerade angesagt ist und ich beim letzten Mal fast gestorben wäre, benutze ich nach einem Wespenstich doch keinen Adrenalin-Autoinjektor!"
Als Physiker harre ich des Tages, an dem der freie Fall zum Erdmittelpunkt zur Modeerscheinung erklärt wird und wir fortan nach oben fallen.
Max_Cohen
 
Beiträge: 110
Registriert: 01.06.2017, 21:37:07
Wohnort: NRW

Re: Gibt es bald eine "Untersuchung" zum Referendariat?

Beitragvon Kapartia » 13.02.2018, 22:57:07

CaraM. hat geschrieben:
*Sissy* hat geschrieben:Ich sehe die Rolle des Mentors eher als nicht so bedeutend an.[...]


Bedeutend finde ich das schon.
Zum einen hast du beim Hospitieren schon keinen Vorteil, zum anderen ist er derjenige, der dich zwar nicht offiziell beurteilt...aber woher meinst du, hat der Direktor, den man ja zweifelsohne nicht gerade häufig sieht, seine Infos über dich?


In Brandenburg geben die Mentoren die Note und sitzen auch in der Lehrprobe/UPP als notengebendes Element dabei.


In meinem Ref und auch das was ich derzeit von den Seminarleitern meiner Referendarin gehört habe war das so:
"Probieren Sie sich im Referendariat aus, dafür ist das da." und wenn man das dann mal gemacht hat und die Vorgehensweise nicht die Standartvorgehensweise des Seminarleiters war: "Na das dürfen sie nicht".
Fand ich immer ein wenig Janusköpfig. Einerseits sollte man sich ausprobieren, andererseits wurde einem alles krumm genommen, was nicht der Meinung der Seminarleitung entsprach.
Kapartia
 
Beiträge: 80
Registriert: 29.06.2016, 14:08:19

Re: Gibt es bald eine "Untersuchung" zum Referendariat?

Beitragvon kecks » 14.02.2018, 10:01:37

nunja, die ersten sechs monate gym bayern werden ja nicht *nur* mit hospitation gefüllt. nach den ersten wochen zeigt man einzelne lehrversuche (einzelstunden in den hospitierten klassen), dann danach (nach den herbstferien) bekommen die refis eine klasse eines anderen lehreres pro fach (also zwei bis drei klassen, die lehrkraft besucht und betreut, bleibt rechtlich für den unterricht verantwortlich und muss nicht andere klassen als ersatz übernehmen, das ist alles teil des deputats), wobei sie meist noch recht eng geführt und betreut werden. die große freiheit kommt erst danach im 'einsatz'. im großen und ganzen funktioniert das ganz gut. die leute, die im einsatz ankommen (fast alle) kann man ebenfalls fast alle zumindest mit gutem gewissen mit ihren klassen alleine lassen.
kecks
 
Beiträge: 1532
Registriert: 01.04.2009, 6:09:18

Re: Gibt es bald eine "Untersuchung" zum Referendariat?

Beitragvon MarlboroMan84 » 14.02.2018, 12:58:53

Kapartia hat geschrieben:"Probieren Sie sich im Referendariat aus, dafür ist das da." und wenn man das dann mal gemacht hat und die Vorgehensweise nicht die Standartvorgehensweise des Seminarleiters war: "Na das dürfen sie nicht".



Ich frage mich, wer immer auf die Idee kommt, dass das Referendariat zum Ausprobieren da ist. Dort sollen die grundlegenden Basics des Lehrerberufs erlernt werden. Der Bäckerlehring muss auch erst mal probieren die Brötchen hinzubekommen, bevor er eine fünfstöckige Schwarzwälder-Kirschtorte macht.
MarlboroMan84
 
Beiträge: 599
Registriert: 03.01.2015, 13:59:37

Re: Gibt es bald eine "Untersuchung" zum Referendariat?

Beitragvon CaraM. » 14.02.2018, 15:06:24

Mit dem dem Ausprobieren sind, denke ich, keine 5stöckigen Torten gemeint, sondern das Ausprobieren bezieht sich- um mal bei deinem Bild zu bleiben- darauf, kleine Brötchen hinzubekommen, die mit unterschiedliche Zutaten und Temperaturen gebacken wurden. Damit soll man wohl auch lernen, was einem liegt und was man gut kann und ob die SuS leichter und anregender, spielerischer ans Endergebnis herangeführt werden können.

Aber das ist wohl nur etwas für die besonders Mutigen. Zu denen zähle ich mich nicht.
CaraM.
 
Beiträge: 98
Registriert: 14.12.2017, 13:58:06
Wohnort: NRW

Re: Gibt es bald eine "Untersuchung" zum Referendariat?

Beitragvon Maximer » 14.02.2018, 18:27:49

Max_Cohen hat geschrieben:Wenn man die 6 Monate sinnvoll nutzt, d.h. nicht nur sitzt/guckt, sondern auch in die Planung und Auswertung der Unterrichts mit einbezogen wird und ggf. sogar vom Ausbildungslehrer erstellte Beobachtungsbögen zur Verbesserung seines Unterrichts ausfüllt, dann kann man die Zeit doch wunderbar füllen und viel dabei lernen.


Sehe ich auch so!
Ich habe schon nächste Woche meinen ersten Unterrichtsversuch anstehen, damit bin ich recht früh dran, aber ich denke mal ganz unbescheiden, dass mein Mentor mir das zutraut, sonst hätte ers mir wohl nicht angeboten.

Von anderen Ref-Kollegen weiß ich aber, dass sie noch jetzt z.T. gar keine festen Mentoren haben. Nach ihren Schilderungen zu urteilen verhalten sie sich aber viel zu passiv - warten quasi, bis jemand auf sie zukommt. Das mache ich nicht, sondern spreche freie Lehrkräfte direkt an und hänge mich dran. Auf diese Weise habe ich jetzt schon 3-4 "Mentoren" gewonnen, also Leute, die mir Sachen erklären und bei denen ich regelmäßig im Unterricht mithelfe.

Hospitieren heißt bei mir nämlich nicht hinten reinhocken. Ich laufe herum, setze mich zu störenden Schüler/innen, helfe bei Fragen und das alles natürlich nur, wenn es der/die Mentor/in wünscht. Da ist selbstverständlich etwas Fingerspitzengefühl nötig.

Das kommt offenbar nicht schlecht an und ich würde jetzt auch keinen allzu großen Sinn darin sehen, 2-3 Monate nur zuzuschauen - viel zu langweilig! Nein, ich will jetzt gefälligst ran an die Bouletten. :)

Max_Cohen hat geschrieben:Eine wundervolles Bonmot. Ich sehe gerade einen schweren Allergiker zu seinem Arzt sagen: "Nur weil es in der evidenzbasierten Medizin gerade angesagt ist und ich beim letzten Mal fast gestorben wäre, benutze ich nach einem Wespenstich doch keinen Adrenalin-Autoinjektor!"
Als Physiker harre ich des Tages, an dem der freie Fall zum Erdmittelpunkt zur Modeerscheinung erklärt wird und wir fortan nach oben fallen.


Nein, so meinte ich das natürlich nicht.
Damit wir uns nicht missverstehen: Ich weiß sehr wohl, was gerade in der empir. Bildungsforschung angesagt ist und dass die in der Ausbildung zumeist präferierten Lehr-Lernformen tendenziell eher diejenigen sind, die nicht so gut abschneiden. Die Hattie-Studie ist mir z.B. sehr bekannt und auch Wellenreuther und Köller etc. habe ich im Studium gerne und viel gelesen.

Aber das ist jetzt alles erstmal zweitrangig - ich werde den Teufel tun und meinem/meiner Ausbilder/in einen Hattie unter die Nase halten, auf den er/sie allenfalls allergisch reagieren würde. Notfalls probiere ich mich am offenen Unterricht aus, obwohl ich deshalb nicht Lehrer geworden bin und davon fast gar nichts halte. So schlimm wirds schon nicht kommen, aber ich will nur klarstellen, dass ich als Referendar nicht für die Wissenschaftlichkeit der Ausbildung zuständig bin.

Vielleicht werde ich später selbst Ausbilder und dann sieht die Sache natürlich wieder gänzlich anders aus. Aber Eile mit Weile... ;-)

Maximer
Maximer
 
Beiträge: 62
Registriert: 18.01.2018, 13:39:30

VorherigeNächste

Zurück zu Grundsätzliches & Sonstiges

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 5 Gäste