Zu jung?

Grundsätzliche Fragen zum Referendariat können hier gestellt werden

Re: Zu jung?

Beitragvon nrw31 » 07.02.2018, 11:17:44

Elektrolyse hat geschrieben:Kommt man eigentlich um diesen ganzen nervigen Methoden-Krams herum? Die Referendare, an die ich mich erinnere, waren in der Schule immer so wahnsinnig nervig mit ihren Postern und Stationsarbeiten etc. Kein Schüler wollte das, was die Didaktiker in ihrem Uni-(versum) ja nicht blicken. Kommt man durchs Ref auch mit Frontalunterricht?


Fakt ist: Der Referendar wird durch die Fachleiter, Schulleiter etc. bewertet, nicht durch die Schüler. Er muss also den Unterricht liefern der seine Ausbilder zufrieden stellt und ihm gute Noten einbringt.

Erfahrungsgemäß gelingt so etwas insbesondere auch dann, wenn die Schüler mitziehen, da ihnen der Unterricht des Referendars gefällt.
Die Schüler mögen zuweilen über das eine oder andere meckern. Aber eine Schlaftablette am Pult die gelangweilt ein Lehrbuch vorliest oder Stur die Tafel vollschreibt wollen weder Schüler noch Ausbilder.

Fazit: Der schlaue Referendar begeistert die Schüler für die Methoden welche die Ausbilder sich wünschen...
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Re: Zu jung?

Beitragvon CaraM. » 07.02.2018, 12:56:42

Elektrolyse hat geschrieben:...Stationsarbeiten etc. Kein Schüler wollte das, was die Didaktiker in ihrem Uni-(versum) ja nicht blicken. Kommt man durchs Ref auch mit Frontalunterricht?


Wenn du so schon eingestellt bist, halte ich es für das Beste, wenn du an der Uni bleibst und dort frontal unterrichtest, da du mit Lernern zu tun hast, die sich und ihre eigenens Lernen bereits organisieren können.

Frontalunterricht hilft nur bei besonders engagierten Lernen. Denn Frontalunterricht bedeutet für viele SuS nur, es sich ansonsten bequem zu machen und Bulimielernen zu betreiben.

Aber da du ja so schlau bist (und das ist jetzt nicht ironisch gemeint bei deinem Werdegang) könntest du dir ja mal Lernpsychologie sowie neurologische Grundlagen des Lernens anschauen. Man ist nicht von ungefähr vom klassischen Frontalunterricht abgekommen.
Zuletzt geändert von CaraM. am 07.02.2018, 14:07:31, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Zu jung?

Beitragvon MarlboroMan84 » 07.02.2018, 13:46:34

Elektrolyse hat geschrieben:Neider gibt es überall en masse. Links rein, rechts raus...
Wahrscheinlich fährt man am Besten, wenn man einfach nur seinen Job ohne jeglichen Schnickschnack macht.

Kommt man eigentlich um diesen ganzen nervigen Methoden-Krams herum? Die Referendare, an die ich mich erinnere, waren in der Schule immer so wahnsinnig nervig mit ihren Postern und Stationsarbeiten etc. Kein Schüler wollte das, was die Didaktiker in ihrem Uni-(versum) ja nicht blicken. Kommt man durchs Ref auch mit Frontalunterricht?



Tipp: Lass es mit Schule besser sein.
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Re: Zu jung?

Beitragvon kecks » 07.02.2018, 18:39:32

...*du* fandest das nervig. ich als schülerin auch (sofern es mal vorkam, ich bin älter, zu meiner zeit war sowas am bayerischen gymnasium selten), aber nur weil ich mit pappnasen kooperieren musste, was darauf hinauslief,dass ich höflich den anderen beim denken zusah, bevor ich die lösung endlich aufs plakat schreiben durfte. problem: mangelnde differenzierung. wäre da differenziert worden, hätte ich spaß gehabt. die wochenpläne fand ich toll, viel zeit für projekte nach eigenwahl nach ende der pflichtaufgaben. leider gab es das an weiterführenden schulen nicht mehr.

ich als lehrerin nutze das oft und gern. die mischung macht's, alles kann gut sein, frontalunterricht, stationenarbeit, ganz offene arbeit. will heißen: die 'neuen' methoden (so neu sind die nicht, gibt es seit den 70ern mainstraim, erfunden um die jahrhundertwende, zudem alle neurobiologisch prima abgesichert) sind nicht doof für die allermeisten schüler. die spitzen arbeiten auch gern sozial, wenn a) die aufgaben schwer genug sind (differenzieren! nach oben differenzieren ist leichter als nach unten und erfordert bei einem fachlich guten lehrer wenig, wirklich sehr wenig mühe) und b) die guten mit den guten arbeiten dürfen und nicht ersatzlehrer für die schwachen spielen müssen. offene arbeitsformen ohne zwang zum sozialen laufen umso besser, je stärker die schüler sind.

problematisch ist eigentlich immer nur monokultur methodischer art. bei einer guten mischung ist für jeden was dabei, und ein guter lehrer kann das alles! insofern: du solltest nicht versuchen, deine erfahrung zu verallgemeinern. du bist *nicht* wie die meisten schüler. du bist sehr anders, weil du viel intelligenter bist und demnach *ganz* anders lernst als die allermeisten. die masse teilt weder dein interesse an abstrakten zusammenhängen, noch deine konzentrations- und aufmerksamkeitsspanne, noch deine freude an frontalunterricht. (wie oben schon gesagt mögen 99% der schüler frontal nur, weil man dabei schlafen kann, ohne dass es einer merkt, wenn man nicht ganz doof ist; passiv konsumieren ist schön aus schülersicht, schön wenig anstrengend. du hast zugehört und was gelernt und dich gefreut; deine mitschüler haben gepennt und dann vor der prüfung alles auswendiggelernt, wenig bis nichts verstanden, danach alle schnell wieder vergessen und sich dann geärgert, wenn ein refi sie per anderer arbeitsform gezwungen hat, zur abwechslung auch im unterricht selbst zu denken. inosfern nervte nicht der frontalunterricht, sondern der ungewohnte zwang zur eigenaktivität, der aber zum besten der schüler ist.)

insofern: werd älter, mache ein paar erfahrungen, lerne, deine eigene erfahrung nicht zu verabsolutieren. ist nciht schlimm, dass du das jetzt machst, aber halt sehr, sehr typisch für junge erwachsene, wie du emotional-sozial noch eine/r bist. verwächst sich.
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Re: Zu jung?

Beitragvon CaraM. » 07.02.2018, 19:02:33

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Re: Zu jung?

Beitragvon kecks » 07.02.2018, 20:11:50

und noch was: *wenn* man die leute methodisch abholt (also nicht nur, aber auch frontal agiert), dann kann man auch schwächere schüler für wissenschaftspropädeutik begeistern (okay, ich bin am gym, aber wir haben neunzig prozent übertrittsquote, insofern sind wir die neue mittelschule). man muss es halt entsprechend verpacken und vermitteln, und das klappt *nicht*, wenn du deine zeit mit den jugendlichen mit unterrichtsgespräch alleine füllst. es ist toll, wenn sie wirklich anfangen, was zu erforschen. und das machen sie. im kleinen rahmen, aber diese zarten pflänzchen der denkfreude machen auch beim zuschauen und gießen echt viel spaß. klappt nicht immer, aber manchmal schon. lohnt sich sehr.
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Re: Zu jung?

Beitragvon Illi-Noize » 07.02.2018, 23:41:39

Ich fand das ganze Gruppenarbeitsgedöns als Schüler auch nervig. Am Gymi war es ok, da war viel Frontalunterricht und Einzelarbeit, das hat mir gefallen. Später an der Berufsschule gab es dann 6 - 8 Schulstunden am Tag den gleichen Unterricht, egal welches Fach (außer Sport, hihi) oder welcher Lehrer: Zu Beginn Aufgaben an die Schüler zum Bearbeiten in der Gruppe, 2 Minuten vor Gong wurden dann die Lösungen ausgeteilt. Fand ich schrecklich.

Heute fahre ich eine "gesunde" Mischung mit viel Schüleraktivität, ich schreibe z. B. kaum noch was an die Tafel bzw. Whiteboard, das übernehmen ständig Schüler, die dort vorne Aufgaben lösen. Der Rest bearbeitet die gleiche Aufgabe, schwachen Schülern kann ich helfen, starke Schüler bekommen noch weitere Zusatzaufgaben oder sind mein "Co-Trainer" und helfen ebenfalls schwächeren Schülern - so denn sie das wollen, oben wurde diese Art ja schon kritisiert.
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