Leicht erhöhter Eiweiß-Wert

Leicht erhöhter Eiweiß-Wert

Beitragvon ffm777 » 17.11.2009, 11:53:37

Hi,

ich habe eine kleine Frage: Bei Blutuntersuchungen in der Vergangenheit hatte ich immer einen ganz leicht erhöhten Eiweiß- und Kreatininwert. Daraufhin wurde bei mir auch eine Ultraschalluntersuchung der Nieren gemacht, die aber keine Befunde gezeigt hat. Kann das ein Problem bei der amtsärztlichen Untersuchung werden, wenn dort ein Urintest gemacht wird? Wie gesagt, ich habe keine Probleme mit den Nieren und auch die Ultraschalluntersuchungen haben keinerlei Probleme gezeigt. Mein Eiweißwert ist halt nur leicht über der Obergrenze, die man normal annimmt. Mein Hausarzt meinte, es könnte daher kommen, dass ich früher Bodybuilding gemacht habe.
ffm777
 
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Beitragvon Amtsarzt » 17.11.2009, 13:32:42

Hallo ffm777
Alles nur abgekupfert, bin selbst nur dummer Behördendoktor:
Eine Proteinurie muss immer abgeklärt werden, da sich dahinter lebensbedrohliche Erkrankungen verbergen können. Abhängig vom Verlauf (wie lange besteht sie?), von der Klinik, der körperlichen Untersuchung, den Begleiterkrankungen und vom Serumkreatinin kommen verschiedene Ursachen infrage. Die drei erstgenannten Punkte sind durchaus häufig, die anderen seltener. Prinzipiell gilt, dass eine spätere Dialyse umso eher droht, je höher das Urin¬eiweiß ist.
Was muss der Arzt abklären? Anamnese Körperlicher Untersuchungsbefund Was kann der Arzt unternehmen? Ursachen einer Proteinurie
Was muss der Arzt abklären?
Der Urinteststreifen erkennt Albumin sehr sensitiv, aber nur semiquantitativ. Deshalb sollte ein positiver Befund immer mit einer quantitativen Messung bestätigt werden. Die normale Urinausscheidung von Eiweiß beträgt maximal 0,2 g/d oder 0,15 g/g Kreatinin.

Es ist sinnvoll, Spontanurin (nicht Sammel¬urin) einzusenden und auf Eiweiß und Kreatinin testen zu lassen. Urinkrea¬tinin dient dabei als Maß der Urinkonzentration. Es wird in einer konstanten Menge von Tag zu Tag ausgeschieden. Nach einem positiven Befund für Urin¬eiweiß sind folgende Schritte sinnvoll:

Anamnese
Messung des Blutdrucks und weitere körperliche Untersuchung
Messung von Eiweiß und Kreatinin im Spontanharn (quantitative Eiwei߬bestimmung als Gramm Eiweiß pro Gramm Kreatinin), Harnsediment
Messung von Serumparametern (s.u.).


Anamnese

Kardiovaskuläre Vorerkrankungen?
Diabetes mellitus? Arterielle Hyper¬tonie? Nikotin?
Chronische Infektionen (Hepatitis, HIV, Rheumaerkrankung, Tumor etc.)?
Medikamentenanamnese?
Familienanamnese (Nieren-, Tumor-, Rheumaerkrankungen)?
Operationen?
Exantheme? Flush?
Hämaturie? Dysurie?
Arthralgien?
(Belastungs-)Dyspnoe?
Ödeme?
Juckreiz?
Gewichtsverlust?
Visus? Augensymptome?

Körperlicher Untersuchungsbefund
Eine arterielle Hypertonie begleitet fast alle Nierenerkrankungen, kann aber bei Amyloidose und bei begleitender Herzinsuffizienz fehlen. Ödeme (Beine, Anasarka, Lidödeme) sind schnell untersucht und weisen bei Proteinurie auf ein nephrotisches Syndrom hin. Auf Höhlen¬ergüsse achten (Pleuraerguss, Ascites)! Perikardreiben und Kratzspuren der Haut (Juckreiz) weisen auf eine terminale Niereninsuffizienz hin. Exantheme, Purpura oder Gelenksergüsse lassen an eine Autoimmunerkrankung denken.
Was kann der Arzt unternehmen?

Wiederholte Kontrolle der Proteinurie im Streifentest (Abgrenzung einer vo¬rüber¬gehenden oder intermittierenden von einer persistierenden Proteinurie). Quantifizierung der Proteinurie (s.o.).
Labor: Blutbild, Serum-Kreatinin, Harnstoff, GPT, Blutzucker, ggf. HbA1c, Albumin, Gesamteiweiß, Cholesterin
Weiterführendes Labor: ANA, ANCA, C3, C4, Eiweißelektrophorese
Urinstatus und -sediment: Erythrozyten? Leukozyten? Zylinder? Akanthozyten? 24-h-Sammel¬urin: Kreatinin-Clearance, Proteinurie
Augenhintergrund spiegeln (diabetische/hypertensive Retinopathie?)
Sono Abdomen: Nierengröße? Harnaufstau? Ergüsse? Leber-/Tumorerkrankung?

Eine frühe Überweisung zum Internisten bzw. Nephrologen ist bei Proteinurie mit erhöhtem Serumkreatinin, mit Mikrohämaturie oder bei Protein¬urie über 1 g/g Kreatinin ratsam. Ist eine Nierenerkrankung mit Histologie oder anderen Methoden gesichert, kann oft eine spezifische Behandlung eine terminale Niereninsuffizienz (Dialyse oder Nierentransplantation) vermeiden.
Ursachen einer Proteinurie

Diabetes mellitus
Arterielle Hypertonie
Akute oder chronische Glomerulo¬nephritis, idiopathisch oder im Rah¬men von Autoimmunerkrankungen (z. B. systemischer Lupus erythematodes, M. Wegener) oder assoziiert mit z. B. Tumorerkrankun¬gen oder Infektionen (z. B. HIV, Hepatitis)
Amyloidose
Plasmozytom
statische Proteinurie
Ortho
Vorübergehende Proteinurie (z.B. bei Fieber)
Nierenarterienstenose
Allergische interstitielle Nephritis, z.B. durch Medikamente
Autor: F. Rüdiger
Stand: 20-02-2009
(Es handelt sich hier um eine persönliche Meinungsäußerung, die nicht unbedingt identisch sein muss mit der Auffassung meines Dienstherrn)
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