Elternmail Weihnachtsmann

Wer sich seine Sorgen und Nöte mit dem Referendariat von der Seele reden will, ist hier richtig. Vielleicht gibt es ja jemanden, der einen guten Rat hat.

Re: Elternmail Weihnachtsmann

Beitragvon Zitronenfalter » 23.12.2010, 18:04:42

@hanna1000

Hanna1000 hat geschrieben:Gerade erreichte mich folgende Mail:

Guten Abend Frau XXX

Ich schreibe Ihnen hiermit, weil ich mich sehr über sie geärgert habe. Nele kam schon vor Tagen nach Hause und sagte das Sie ihnen erklärt hätten ,dass der Weihnachtsmann von Coca Cola erfunden wurde und es ihn garnicht gibt sondern das Christkind. Ich hatte mit Nele darüber gesprochen das die einen halt an den Weihnachtsmann glauben und die anderen an das Christkind. Heute morgen klärte Nele ihren kleinen Bruder auf und sagte das ich Lüge. Nele meinte das ich immer sage sie soll nicht Lügen und ich es aber täte. Aber das Frau XXX sie wohl nicht anlügen würde. Nele hat viel geschimpft und ich musste sie dann ganz aufklären, wodurch sie dann bitterlich zu weinen begann. Ich finde die Aufklärung wäre unsere Sachen gewesen und wenn dann hätten sie die Kinder richtig aufklären müssen , dass es keinen von beiden gibt . Nele hat sich bis vor einigen Tagen sehr auf Weihnachten gefreut und jetzt ist sie nur enttäuscht.Diese Sache war für die Auseinandersetzungen die ich eh schon mit Nele habe nicht sehr förderlich.

Eure Meinung?


Für eine halbwegs objektive Einordnung des Briefes erscheinen mir vor allem 3 Dinge wichtig:

1. Das Thema ist per se emotional aufgeladen (s. die Diskussion) und je nach Standpunkt mit einer Bandbreite versehen, die eine Kategorisierung "richtig" oder "falsch" aus meiner Sicht unmöglich macht.
2. Es gibt in der Klasse möglicherweise noch 20 andere Kinder, die das zuhause erzählt haben und für die und deren Eltern das offenbar kein so großes Problem war, als dass die Eltern sich bemüßigt gefühlt hätten, Dich deswegen anzuschreiben.
3. Ein Schlüsselsatz aus dem Brief ist sicher auch der letzte:"...die Auseinandersetzungen, die ich eh schon mit Nele habe..."

Das bedeutet doch, dass sich derzeit Mutter und Tochter generell nicht ganz grün sind, oder? Folglich war Dein Verhalten der berühmte Tropfen, der bei der Mutter das Fass zum Überlaufen brachte. Und allein schon deshalb dankbar, weil der Auslöser von extern (also von Dir) kam. Im Gegensatz zu den offenbar sonst schon vorhandenen Querelen, die die Mutter wohlmöglich nicht so elegant auf andere schieben kann.
Im Prinzip steckt meiner Wahrnehmung dahinter auch die Tatsache, dass die Mutter gekränkt ist, dass Du in den Augen ihrer Tochter glaubwürdiger bist als sie (und auch das muss Gründe haben, gelle?)

Wenn Du jetzt diese 3 Faktoren zusammennimmst, kannst Du wohl am ehesten selbst eine Einordnung der Reaktion der Mutter vornehmen. Weihnachten würde ich mir davon auf jeden Fall nicht vermiesen lassen!

Gruß
Zitro
heiter weiter!
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Re: Elternmail Weihnachtsmann

Beitragvon Ulysses » 23.12.2010, 18:13:14

Fränzy hat geschrieben:
jelo hat geschrieben:Loreley, also, im Zusammenhang mit Religionsunterricht von Fakten zu reden, ist schon irgendwie absurd!


Zumindest für die Existenz eines Predigers Namens Jesu gibt es hinreichende Indizien, er wird in mehreren Quellen genannt (z.B. bei den Synoptikern, bei Flavius Josephus, bei Tacitus, in den Paulusbriefen, in den Apogryphen). Dabei handelt es sich nicht nur um christlich motivierte Literatur (Flavius/Tacitus).


da muss ich als Altertumswissenschaftler zustimmen. dass Jesus existiert hat, ist aufgrund der Quellenlage ziemlich sicher belegt.

wenn man die Existenz Jesu nicht als Faktum ansehen wollte, müsste man konsequenterweise auch die Existenz von Personen wie Hammurabi, Sokrates oder Zaratustra (oder wie auch immer man den schreibt) bestreiten, über die wir nur ähnlich vage Quellen haben. ihre Existenz wird aber von der altertumswissenschaftlichen Forschung durchweg anerkannt.

alles Weitere ist dann eine Glaubensfrage:

Fränzy hat geschrieben:(Allerdings ist er aus meiner Sicht bestimmt kein Messias)


ob Jesus ein durchgeknallter Möchtegern-Prophet, der von Gott gesandte Messias oder Gottes Sohn ist, ist dann eine Glaubensfrage.

der Unterschied zum Weihnachtsmann besteht darin, dass wir beim Weihnachtsmann ziemlich sicher nachweisen können, dass er nur eine phantasievolle Erfindung ist und als historische Person niemals existiert hat.

was die betreffende Elternmail angeht: ich würde sie erstmal bis ins neue Jahr ignorieren und schauen, ob sich die Eltern danach noch daran erinnern oder die Sache überhaupt noch für wichtig erachten.
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Re: Elternmail Weihnachtsmann

Beitragvon jelo » 23.12.2010, 19:17:29

Ich habe nirgendwo geschrieben, dass es Jesus nicht gegeben haben soll! Aber das, was man "aus ihm macht", das ist reine Interpretationssache.

Zitro: Das ist eigentlich genau das, was ich nicht gut finde: Man liest den Brief und denkt sich: "Wir müssen das Ding so drehen, dass der Lehrer am Ende gut dasteht und die Mutter wieder den Schwarzen Peter hat". So, wie das ein guter Strafverteidiger macht, wenn er seinen Mandanten "raushauen" möchte :twisted:

Darum geht es aber nicht.
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Re: Elternmail Weihnachtsmann

Beitragvon Lysander » 23.12.2010, 22:38:14

jelo hat geschrieben:Ich habe nirgendwo geschrieben, dass es Jesus nicht gegeben haben soll! Aber das, was man "aus ihm macht", das ist reine Interpretationssache.

Zitro: Das ist eigentlich genau das, was ich nicht gut finde: Man liest den Brief und denkt sich: "Wir müssen das Ding so drehen, dass der Lehrer am Ende gut dasteht und die Mutter wieder den Schwarzen Peter hat". So, wie das ein guter Strafverteidiger macht, wenn er seinen Mandanten "raushauen" möchte :twisted:

Darum geht es aber nicht.


Und das war von Zitro auch so nicht intendiert.
Genauso gut könnte man Dir vorwerfen, dass es Dir darum geht, primär eine Verfehlung bei der Lehrkraft zu suchen (und zu finden).
Wo "muss" Zitro das Ding so "drehen", dass das dabei herauskommen muss?
Abgesehen davon klingt das so, als wäre Zitros Version per se auszuschließen.

Wenn man sich die innere Logik der E-Mail ansieht, würden sicherlich einige andere Leute auch auf die Idee kommen - fernab des "Eltern gegen Lehrer" (und umgekehrt) Feindbilds.
Gruß
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Re: Elternmail Weihnachtsmann

Beitragvon jelo » 23.12.2010, 23:19:41

Naja, man muss halt aufpassen, wie Kommunikation (schief-)laufen kann: Die Lehrer sollten so was wie "Kommunikationsexperten" sein - Eltern nicht unbedingt. Die Mutter macht ihrem Ärger Luft und ist dabei ehrlich. Ich vermute, sie hat in ihrem Frust die anderen Probleme, die sie mit ihrem Kind hat (und der Punkt ist: Wir alle haben mal Probleme mit unseren Kindern!), mit in den Brief geschrieben. Das war sozusagen das, woraus der Lehrer der Mutter einen Strick dreht, weil er - ganz menschlich, eigentlich - sofort reflexartig reagiert: "WAS?! Ich soll etwas falsch gemacht haben?! Da sieht man es doch schwarz auf weiß: Die Mutter hat sowieso Probleme mit ihrem Kind. Ich kann mich also entspannen und den Ball zurückgeben".

Das geht aber am Kern des Problems vorbei, denn auch Eltern (vielleicht die sogar noch mehr?!), die keinerlei nennenswerte Schwierigkeiten mit ihrem Nachwuchs haben, können enttäuscht darüber sein, dass ein Lehrer erklärt, wie Weihnachten richtig zu feiern sei. Es interessiert dabei eigentlich gar nicht, ob Mutter und Kind sich sowieso jeden Tag streiten oder ob zu Hause chronische Harmonie herrscht.
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Re: Elternmail Weihnachtsmann

Beitragvon Lysander » 23.12.2010, 23:32:44

jelo hat geschrieben:Naja, man muss halt aufpassen, wie Kommunikation (schief-)laufen kann: Die Lehrer sollten so was wie "Kommunikationsexperten" sein - Eltern nicht unbedingt.


Das hört sich für mich danach an, als könnte man von Lehrern rund um die Uhr aufgrund ihres Expertenstatus' (mehr noch wohl aufgrund der Ansprüche, die von Außen an sie herangetragen werden) die Verhaltensweisen von Kommunikationsexperten erwarten.

Und noch mehr: Von Kommunikationsexperten kann man natürlich erwarten, dass sie die Verantwortung (Schulz von Thun lässt grüßen) für die Reaktion ihres Gegenübers mit tragen, auch wenn die Ursachen hauptsächlich woanders zu suchen sind.

Und noch weiter: Von Kommunikationsexperten kann man verlangen, dass sie Verständnis für diejengen aufbringen, die keine Experten sind. Böse Zungen (nicht ich) würden daraus einen Persilschein für Elternreaktionen basteln.

Ich weiß nicht, ob ich bei dem Ausgangsproblem die Karte "Kommunikationsexperte" ziehen muss - das hat mir zu viel von "wenn sich Lehrer perfekt verhielten, so wie sie es ja auch in der Ausbildung gelernt haben sollten (und wie es von Eltern mittelbar erwartet wird), gäbe es keine Probleme. Und weil es Probleme gibt, darf man die Lehrer für das Nichterfüllen dieser erwähnten Erwartungen kritisieren."
OK, das ist zugegebenermaßen polemisch überspitzt zusammengefasst, aber manchmal muss das sein, um das eine oder andere zu verdeutlichen.
Gruß
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Re: Elternmail Weihnachtsmann

Beitragvon jelo » 23.12.2010, 23:38:34

Ich erwarte keine perfekten Lehrer, aber ich würde erwarten, dass bei Problemen Eltern vs. Lehrer der Lehrer in der Lage ist, ein gewisses Programm ablaufen zu lassen, das dafür sorgt, dass der Lehrer solche Konflikte versucht zum Deeskalieren zu bringen, dass er sein eigenes Handeln reflektiert ("könnte an dem Vorwurf etwas dran sein?"), dass er versucht, eine Lösung zu finden.

Konkret: Die Eltern kotzen sich beim Lehrer aus. Der Lehrer sollte nicht zurückkotzen, sondern bis 10 zählen und dann sich sagen: O.K., was haben wir denn da? Und wie kann ich dazu beitragen, das Problem zu lösen?

Dass das nicht immer Spaß macht, kann ich mir vorstellen 8)
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