Den prognostizierten Lehrermangel gibt es nicht!

Wer sich seine Sorgen und Nöte mit dem Referendariat von der Seele reden will, ist hier richtig. Vielleicht gibt es ja jemanden, der einen guten Rat hat.

Den prognostizierten Lehrermangel gibt es nicht!

Beitragvon MUMU » 09.02.2006, 11:24:52

Anstatt 70.000 bis 80.000 fehlenden Lehrern bis 2015, gibt es zukünftig zu viele Lehrer. Bis auf wenige Mangelfächer bzw. Lehrer an bestimmten Schulformen, wird der Konkurrenzdruck immer größer. Grund: Die restriktive Einstellungspolitik der Bundesländer. Arbeitszeitverlängerungen, größere Klassen, Schließung kleiner Schulen, schlechtere Pensionsregeln sorgen dafür, dass weniger Lehrer benötigt werden.

Übrigens noch nicht berücksichtigt: Das wahrscheinlich auf für Beamte geltende Pensionseintrittsalter ab 67.

Mehr: Der Artikel auf folgendem Link!

http://www.spiegel.de/unispiegel/jobund ... 64,00.html
MUMU
 
Beiträge: 12
Registriert: 09.02.2006, 11:22:00

Beitragvon Beatrice » 09.02.2006, 12:46:15

Hallo!

Ganz Recht, der Beitrag kommt genau richtig zur Mittagspause! Was ich im Forum stets gepredigt habe, wird endlich auch von anderer Seite offiziell bestätigt. Wurde auch Zeit, die letzten Schlafenden aus ihrem Schlummer der Unwissenheit zu wecken! Das Lehrerhassbuch ist erst der Anfang aller Tatsachen.

Zum Glück habe ich an das Märchen "Lehrerberuf mit Zukunft" nie geglaubt, sondern mich frühzeitig bei den Stellen informiert, die schon 2004 wussten, das Seiteneinsteiger bzw. Lehramtsanwärter und Referendare nur Lücken stopfen, aber nur wenige von ihnen nach der II. Staatsprüfung tatsächlich die Chance auf eine Vollzeitstelle erhalten. Die wenigen Ausnahmeerscheinungen, die unmittelbar nach der II. Staatsprüfung Beamte werden, sind nicht repräsentativ für die hohe Anzahl der Absolventen, die bei der Arbeitsagentur seit Jahren ohne festes Engagement gemeldet sind -- verstärkt in GHR SI, wo angeblich der höchste Bedarf besteht. Wer allerdings Vergnügen dabei empfindet, wie ein Saisonarbeiter nach getaner Arbeit stets von Arbeitgeber zu Arbeitgeber weiter zu ziehen, dem wird die aktuelle Einstellungspolitik der Länder mehr als gerecht und Programme wie "Geld statt Stellen" oder "Unterrichtsgarantie plus" beweisen, wie einfach (und günstig) man den Bedarf bedienen kann, um Statistiken zu schönen. Selbst Pensionäre und Studenten sind wieder gefragt, um zu unterrichten. Wer will? Wer hat noch nicht (genug davon)?

Viele Grüße von der anderen Seite
Beatrice
Die Sprache ist die Quelle aller Missverständnisse. (Antoine de Saint-Exupéry)
Beatrice
 
Beiträge: 299
Registriert: 31.05.2005, 11:49:15

Beitragvon MUMU » 09.02.2006, 13:21:23

Der Artikel in der Zeit:

http://www.zeit.de/2006/07/C-_Lehrer
MUMU
 
Beiträge: 12
Registriert: 09.02.2006, 11:22:00

Beitragvon Rose » 09.02.2006, 14:45:33

Und was ist dann 2015? Lehrermangel oder immer noch keine Chance auf eine Einstellung?
Rose
 
Beiträge: 3
Registriert: 09.02.2006, 14:44:01

Einstellungschancen im Schulbereich

Beitragvon Herbie » 09.02.2006, 15:08:26

Hallo, Leute!

Zunächst einmal: Seit einigen Jahren sind die Einstellungschancen recht gut. Das kann ich zumindest im Bereich der Gymnasien in Baden-Württemberg sagen. Da haben schon sehr viele Bewerber eine Stelle bekommen, auch wenn es beim einen oder anderen erst im Nachrückverfahren war.

Allerdings ist ungewiß, wie lange die Türen hier offen stehen. Ich bin mir auch nicht sicher, ob es berechtigt ist, bei den Schulabgängern soviel Werbung für den Lehrerberuf zu machen. In gewissen Fächern wird es wohl auf längere Sicht einen Lehrermangel geben, aber generell nicht unbedingt.

Dies sollten übrigens wir auch bedenken, wenn wir uns an der Diskussion über eine Neugestaltung bzw. Verbesserung der Lehrerausbildung beteiligen. Immer wieder wird gefordert, die Lehramtsstudiengänge stärker an der Praxis auszurichten. Das klingt natürlich absolut vernünftig, heißt aber im wesentlichen: weniger wissenschaftliche Ausbildung, mehr „Pädagogikschnickschnack“ :wink: und stärkere Bindung an die Schule während der Ausbildung.

Ich bin für eine weitestmögliche Trennung von Studiengang und Berufsziel. Das kann natürlich nicht soweit gehen, daß das Studium mit dem Beruf gar nichts zu tun hat. Aber das Bestreben, ein Lehramtsstudium zu 100,00 % auf den einen Beruf zuzuschneiden, halte ich für einen großen Fehler. Was nützt es, wenn man eine supertolle Lehrerausbildung absolviert und dann keine Chance auf eine Stelle hat? Ein und dasselbe Studium muß immer verschiedene Berufe ermöglichen!

Ich sag's mal anders: Laßt uns das (Lehramts-)Studium nicht zu Großreferendariat machen!
Gruß von Herbie
Herbie
 
Beiträge: 432
Registriert: 10.07.2005, 10:48:05
Bundesland/Schulart/Fächer: B.-W. Gymnasium

Beitragvon mia » 09.02.2006, 16:40:12

@beatrice: was bin ich froh eine Ausnahmeerscheinung zu sein, die bereits vor Ende des Refs. eine Beamtestelle zugesichert bekommen hat. Und ich habe weder Bio, Chemie noch Physik als Fach. :wink:
mia
 
Beiträge: 155
Registriert: 12.07.2005, 8:12:11

Beitragvon Beatrice » 09.02.2006, 18:27:09

Hallo Mia,

ich gönne doch jedem Lehramtsabsolventen eine Stelle (und setze dies auch voraus, nachdem selbst Seiteneinsteiger wie ich für den Beruf geködert wurden, weil es angeblich zu wenige Lehrer gibt), aber bitte strapaziere nicht das Glück, was wir beide erleben (Du den Job beim Staat, ich meinen Job im Unternehmen) angesichts der Realitäten vieler Kollegen, die dieses Glück bisher nicht hatten und für die es in der nächsten Zeit immer schwieriger werden wird, ihr Glück zu versuchen -- leider. Vielleicht mag es auch der Grund sein, warum sich in diesem Forum nur Menschen zur Wort melden, die bereits erfolgreich in Brot und Lohn stehen, weil die Erwerbslosen ganz andere Sorgen haben und sich u. a. den Luxus, über ihr Dasein sprechen zu können, nicht leisten können oder wollen. Niemand sagt, dass Lehrer in Zukunft keinen Job mehr bekommen, denn es wäre genauso unwahr, wie die Behauptung, dass die Wirtschaft niemand mehr einstellen wird. Doch die Untersuchungen beschäftigen sich eben nicht nur mit den Glückspilzen wie uns, sondern auch mit jenen, die weniger oder gar kein Glück haben.

Genießen wir unsere Zeit und vergessen dabei aber nicht die "Kollegen", denen es weniger gut geht.
Beatrice
Die Sprache ist die Quelle aller Missverständnisse. (Antoine de Saint-Exupéry)
Beatrice
 
Beiträge: 299
Registriert: 31.05.2005, 11:49:15

Beitragvon mia » 10.02.2006, 7:37:47

Meiner Meinung nach müssen viele einfach mal ihre eigene Einstellung hinterfragen. Mit der Einstellung: Ich unterrichte nur in der Grundschule und auch nur im Umkreis von 50 km kann man bestimmt kein Blumentopf gewinnen. Ich habe selber GS studiert und bin nun an der HS und was soll ich sagen: Es macht mir sehr viel mehr Spaß.
Fakt ist, dass die gefragten Lehrämter der kommenden Jahre HS, RS und BBS sind. Stand neulich in einem Artikel im "Spiegel".
Aber du hast recht Beatrice, auch dort stand, dass der Lehrermangel, der so groß angepriesen wurde, stark nach unten korrigiert werden muss.
Flexibilität ist meiner Meinung nach das Zauberwort!
mia
 
Beiträge: 155
Registriert: 12.07.2005, 8:12:11

Beitragvon Karl-Friedrich » 10.02.2006, 14:49:05

Hallo zusammen,

muss mich zu diesem Thema auch mal zu Wort melden.

1. Im Hinblick auf den Lehrerarbeitsmarkt finde ich besonders bedenklich, dass in den Schulen und in den übergeordneten Behörden so herumgetrickst wird, um den Unterrichstbedarf zumindest auf dem Papier zu decken. Da unterrichten auf einmal Grundschullehrer in den Schulen der Sekundarstufe I, da kommen Diplom-Mineralogen, die auf einmal 16 Stunden Mathe und Chemie an der Realschule erteilen. Was soll diese Praxis? Man hat entweder GS studiert oder nicht, man ist Mineraloge oder nicht. Das sagt doch was über die Gesellschaft aus. Diese Quereinsteiger haben auf dem Arbeitsmarkt keine Stelle gefunden und werden nun "mal eben so" Lehrer. Das kann doch nicht die Antwort auf PISA sein.

2. Ich möchte diese Leute, von denen einige mit Sicherheit hervorragende Lehrkräfte werden oder sind nicht diskreditieren aber die Konsequenz daraus ist, dass nach 2010, maximal 2012 der Bedarf gedeckt sein wird und jene Studenten, die man mit groß angelegten Kampagnen um 2005 zu ködern versucht hat, auf der Strecke bleiben. Hinzu kommen Arbeitszeiterhöhungen, Klassengrößenerweiterungen usw., die den Lehrerbedarf nachhaltig drücken.

3. An einigen Schulformen in bestimmten Regionen wird in bestimmten Fächern (Mathematik, Naturwissenschaften) wahrscheinlich auch weiterhin ein Mangel bestehen, da sich einfach die Nachwuchsrekrutierung in diesen Fächern als schwieriger erweist als in anderen Fächern. Die Folge wird sein, dass diese angehende Lehrer vermutlich immer mehr Zeitverträge abklappern müssen, um den Bedarf zu decken. Nichts desto trotz wird es auch weiterhin Lehrer geben, die in den Genuss einer vollen Stelle kommen. Hier spielen wie von mia angesprochen Flexibilität und Unabhängigkeit eine Rolle.

Gruß
Karl-Friedrich
 
Beiträge: 3
Registriert: 10.02.2006, 14:35:08

Beitragvon starman » 11.02.2006, 17:14:13

Hallo zusammen!
Ich fange in Bayern als Seiteneinsteiger das Ref im Feb. an (Gymnasium: Mathe/Informatik). Ich muss zugeben, dass ihr mich schon ein wenig verunsichert! Weiss einer, wie es mit dieser Kombination aussieht? Zumal ja viele Mathe-Lehrer auf Info 'umgeschult' werden und wohl auch bald Lehrer aus Oesterreich 'aushelfen' werden ...

Gruss!
starman
 
Beiträge: 1
Registriert: 11.02.2006, 17:05:12

Beitragvon MUMU » 15.02.2006, 19:41:16

Ganz interessanter Link. Hier steht, wie viele Lehrer eingestellt wurden bzw. diverse Prognosen.

http://www.studis-online.de/Studieren/a ... hancen.php
MUMU
 
Beiträge: 12
Registriert: 09.02.2006, 11:22:00

Beitragvon MUMU » 16.02.2006, 8:58:47

MUMU
 
Beiträge: 12
Registriert: 09.02.2006, 11:22:00

Nächste

Zurück zu Leid & Frust

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: enrique und 2 Gäste