Ref treibt mich in Depressionen

Wer sich seine Sorgen und Nöte mit dem Referendariat von der Seele reden will, ist hier richtig. Vielleicht gibt es ja jemanden, der einen guten Rat hat.

Ref treibt mich in Depressionen

Beitragvon verzweifelt » 27.12.2006, 17:57:06

Hallo

Wahrscheinlich langweilt dieses Thema einige von euch inzwischen, weil es immer wieder auftritt, aber ich glaube ersthaft, dass das Ref mich in Depressionen getrieben hat. Ich bin nur noch traurig und niedergeschlangen, ich weiß ehrlich nicht, wann ich mich das letzte mal richtig über etwas gefreut habe. Z.b. Heilig Abend, ich habe wirklich schöne Geschenke bekommen, aber ich konnte mich über keines richtig freuen. Wisst ihr, was ich meine? Die letzten beiden Tage waren der Horror. Ich bin ständig grundlos in Tränen ausgebrochen. Außerdem grüble ich ständig über das Ref nach, besonders über die Klasse, mit der ich die größten Probleme habe und die mich nicht ansaztweise respektieren. Abbrechen will ich eigentlich nicht, denn was soll ich dann machen???? Irgendwie muss ich noch ein Jahr überstehen, obwohl ich langsam nicht mehr glaube, dass ich eine Chance habe, die UPP zu bestehen. Der letzte U-Besuch war auch ziemlich besch...
Ich überlege jetzt, ob ich nicht dringend zu einem Artz gehen sollte, um mich behandeln zu lassen. Wer hat Erfahrungen damit? Kann einem eine Therapie helfen, dass Ref besser zu überstehen, bzw. überhaupt zu überstehen?
Vielleicht wird dann auch mein Verhältnis zu den Schülern bessern. Die Phase, dass ich mich über nichts mehr freuen kann, dauert schon sehr lange an (bestimmt seit den Sommerferien, wenn nicht sogar länger) und die Schüler bekommen es natürlich mit, wenn ich so drauf bin. :cry: :cry:
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Beitragvon Stadtkind » 27.12.2006, 18:07:12

Hallo, du!
Tut mir Leid, dass es dir so schlecht geht. Kannst du dich nicht mit jemand zusammen tun, gemeinsam planen, gemeinsam nach Lösungen suchen, wenn es Probleme gibt, also so eine Art Stammtisch suchen? Ich fand es immer ungemein produktiv, wenn ich nicht auf mich allein gestellt war. Die Referendare an meiner Schule besuchen sich gegenseitig, kritisieren sich und suchen nach Verbesserungsmöglichkeiten und das hilft sehr. Ganz abgesehen von dem netten Nebeneffekt, dass man sich auch mal was von der Seele reden kann.
Plane die Reihen und die Stunden für UBe mit netten Kollegen und gönne dir was schönes (Sauna, Massage, Kino, klönen mit Freunden,...), lass die Schule nicht zum einzigen Zentrum deines Lebens werden.
Wie wäre es mit Sport? Ich weiß, dazu hat man als letztes LUst, aber das hilft gegen Depressionen!
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Beitragvon kristof » 27.12.2006, 22:20:34

Sei gegrüßt liebe/r Verzweifelte/r.

Die Frage, ob dir eine Therapie helfen kann, die Ref-Zeit besser zu überstehen, kann ich nicht beantworten. Aber mit ganz gewisser Sicherheit vermag ich zu sagen, dass eine solche, solltest du an Depression leiden, dir helfen kann, damit erfolgreich fertig zu werden.
Wenn du auf den Rat eines Menschen zu hören gewillt bist, der die Hölle einer
Depression durchgemacht hat, dann koppele dich zuerst von all jenen Plänen
ab, die dich unter Druck setzen; denn unter Druck kann man einer Depression
nicht beikommen. Heldenhaft weiter machen zu wollen, ist das Verkehrteste, das man machen kann, denn irgendwann kriegst du die Quittung, und zwar mit
Wucht.
Dein eigenes seelisches Wohlbefinden ist wichtiger als alle Pläne, die du für
dein Leben gemacht hast, denn du bist der Mensch, mit dem du die allermeiste
Zeit deines Lebens verbringst.
Du kannst nicht für andere da sein, solange du nicht für dich selbst liebevoll,
klug und nachsichtig da sein kannst. Und denke daran, du bist mehr als das,
wie du dich fühlst.

Halte die Ohren steif! K.
kristof
 
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Beitragvon Piccola » 28.12.2006, 0:58:16

Hallo Verzweifelt,

was du schreibst, erinnert mich an meine Situation im ersten Ausbildungsjahr.

Irgendwann konnte ich nicht einmal mehr heulen und wollte nur noch sterben.
Jedes noch so keine Problem in meinem Privatleben (leider handelte es sich um große Probleme) zog mich noch mehr runter. Ich hab nichts mehr machen wollen: keinen Sport, ich wollte auch keinen Menschen sehen, nur noch (sorry, aber so war es) einschlafen und nie mehr aufwachen müssen.

Ich stand echt kurz davor, alles zu schmeißen...

Was mir geholfen hat:
Johanniskraut, die seelische Unterstützung meiner Familie aus der Ferne, und irgendeine Art von Glück, die mir wieder Kraft gab, durchzuhalten.

Jetzt bin ich an einer netten Schule, die Verstorbenen sind begraben und ich weiß, dass sie nun glücklicher sind als in dieser Welt.

Nochmal zu dir und einer möglihcen Therapie: ich finde es sehr sinnvoll, eine Therapie zu machen, denn wenn man krank ist, geht man ja auch zum Arzt.

Was bei psychischen Erkrankungen leider selten berücksichtigt wird, ist, dass dabei auch oder sogar oft überwiegend physiologische Prozesse im Spiel sind. In dieser harten Zeit des Refs können Depressionen ebenso entstehen wie eine Erkältung, wenn man wenig schläft, mit nassen Haaren in die Kälte rausgeht und das Immunsystem am Boden ist.

Du weißt ja um das dumme System hier in Deutshcland, in dem jemand, der sich bemüht, wieder berufsfähig zu werden, Gefahr läuft, nicht verbeamtet zu werden und blaaaa.

Wenn deine Eltern dich unterstützen könnten, wäre es super, denn dann könntest du eine Therapie machen und diese selbst bezahlen, damit es nicht "herauskommt".

Normalerweise finde ich derartige Geheimnistuereien furchtbar, aber solange man in diesem Land nicht begreift, dass es sinnvoller ist, sich heilen zu lassen als Depressionen bis zur Verbeamtung zu verschleppen, um dann NACH derselben völlig arbeitsunfähig zu sein, halte ich diesen Weg für gerechtfertigt.

Auf jeden Fall muss sich etwas in Deinem Leben ändern.
Ich blicke mit Schaudern auf das letzte Jahr zurück.
Auch heute noch habe ich das Gefühl, dass ein Teil von mir gestorben ist. Doch mittlerweile sehe ich es gar nicht mehr ein, zu leiden. Ich bin oft richtig wütend auf mich selbst, dass ich zugelassen habe, dass das Ref mich so kaputt gemacht hat.

Diese Zeit ist ohne Zweifel hart, und noch härter für sensible Menschen bzw. für Menschen, die sie ganz alleine durchstehen müssen.

Verzweifelt: Wenn dir das mit der Therapie zu heikel ist (ich finde es schlimm, dass man nicht offen sein kann mit diesem Thema), dann versuche Folgendes:
-Lass Dir Johanniskraut verschreiben (es wirkt erst nach ca. 3 Wochen ein wenig und nach 3 Monaten richtig). Ich nehme es seit 1,5 Monaten, und es wirkt schon ein wenig :-)!
-Sag dir, dass das Ref zwar eine harte Zeit ist, die aber vorbei geht. Ich weiß, dass einem im Ref jeder Tag wie eine Ewigkeit vorkommen kann, aber es ist dann doch nur ein Tag!
-Richte den Focus deines Lebens auf etwas anderes, lass nicht das Ref deinen Lebensmittelpunkt bilden, denn DAS IST ES NICHT!
-Nimm dir am Tag mindestens 15 Minuten, in denen du bewusst etwas machst, was definitiv nichts mit dem Ref zu tun hat. Das fällt am Anfang schwer, aber man kann es trainieren!
-Lass auch immer wieder mal zu, dass es dir dreckig geht. Verdränge es nicht, das zerfrisst dich nur!
-Wenn du merkst, dass du es alleine nicht schaffst, lass dich erstmal krank schreiben, um dich zu erholen (würde ich nur im Notfall machen).
-Wenn alle Stricke reißen: mach eine Therapie, ist eine super Sache!

Lass dich von dem blöden Ref nicht fertigmachen. Kennst du den Film "Mulan" und die Szene in der der Schatten des winzigen Drachens aufgrund des Lagerfeuers, das Mulan und ihre Gefährten angezündet haben, riesengroß und furchteinflößend wirkt?

Und als er dann vor ihnen steht, ist er so klein wie eine Eidechse.

Es ist auch eine Frage der Perspektive, wie wir das Ref empfinden. Mir fällt es auch heute nicht immer leicht, das Ref für mich zu "entschärfen".
Aber es geht: immer häufiger.

Wir haben ab Januar die vier Lehrproben und im Mai die drei letzten mündlichen Prüfungen. Es gibt noch so viel Tralala drumherum, aber zum ersten Mal seit Beginn des Ref kommt es neuerdings immer wieder vor, dass ihc plötzlich innerlich ganz ruhig werde. Hält nicht ewig an, aber es kommt vor, und das ist wichtig.

Blick auf das zurück, was du schon hinter dir hast: das ist eine Menge.

Es ist gut, dass du nohc weinen kannst, das heißt, du bist noch nicht völlig in die Depression hinabgerutscht.
Gib nicht auf und auch wenn du es momentan nicht glaubst: es steckt noch viel Kraft in dir, du musst sie nur richtig anwenden!

Dein Vorsatz für das Neue Jahr: Ich schaffe es, egal, was kommt, ich arbeite an mir und lasse die zwei Jahre Ref nicht die restlichen Jahre meines Lebens zerstören!!! Schließlich bin ihc im Leben schon so weit gekommen, das Ref schaffe ihc also auch noch!

Fühl dich gedrückt!
Alles Gute für 2007!!! :-)

Piccola
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Beitragvon verzweifelt » 03.01.2007, 14:07:10

Danke für die Antworten.
Ich habe jetzt schon mehrfach gelesen, dass eine Therapie die Verbeamtung gefährden kann. Aber woher bekommen die Zuständigen die Informationen? Die Beihilfe darf diese Infos ja wohl nicht rausgeben, oder? Das müsste doch unter die Schweigepflicht fallen. Und wenn man direkt gefragt wird, ist es im Grunde egal, ob man die Therapie bei der Beihilfe meldet oder nicht.
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Beitragvon Dickie » 03.01.2007, 14:27:09

also ich glaube, das mit der verbeamtung bezieht sich auf die zeit nach dem ref. dann muss man ja zum amtsarzt und da sollte man bestimmte dinge nicht einfach verschweigen. denn wenn das irgendwie rauskommt, durch krankenkasse oder wie auch immer, dann biste richtig am a****. also lieber ehrlich sein. ist immer besser...
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Beitragvon Lysander » 03.01.2007, 15:08:45

verzweifelt hat geschrieben:Danke für die Antworten.
Ich habe jetzt schon mehrfach gelesen, dass eine Therapie die Verbeamtung gefährden kann. Aber woher bekommen die Zuständigen die Informationen? Die Beihilfe darf diese Infos ja wohl nicht rausgeben, oder? Das müsste doch unter die Schweigepflicht fallen. Und wenn man direkt gefragt wird, ist es im Grunde egal, ob man die Therapie bei der Beihilfe meldet oder nicht.


@verzweifelt

Das stimmt so nicht. Niemand wird wegen einer zurückliegenden Therapie pauschal nicht verbeamtet.

Was jedoch eine Therapie während des Refs angeht, so solltest Du folgendes bedenken:

1) Was soll konkret therapiert werden bzw. was sind Deine Therapieziele?

2) Was erhoffst Du Dir von einer Therapie (die Probleme verschwinden ja nicht einfach so sondern Du lernst allenfalls anders damit umzugehen).

3) Was sind Deine beruflichen Defizite? Die lassen sich durch eine Therapie nicht beseitigen.

4) Wie steht es um Deine Einstellung zum Lehrerberuf? Willst Du mit Leib und Seele Lehrer werden?
Die Argumentation, dass Du nicht weißt, was Du machen sollst, wenn Du das Ref. abbrichst, ist keine wirklich gute Begründung das durchzuziehen.
Und angenommen Du beendest das Ref. erfolgreich und willst aufgrund der Erfahrungen kein Lehrer werden - wieso dann ein 2. StEx. machen?

Gruß
Lysander
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