Eignungstests für angehende Referendare

Umfrage und Diskussion über das aktuellste schulpolitische Thema

Sollen verbindliche Eignungstests für angehende Lehrer eingeführt werden?

Ja, unbedingt! Ungeeignete Kandidaten gehören nicht ins Klassenzimmer!
90
50%
Ein Eignungstest ist schon sinnvoll - aber er sollte nicht verpflichtend sein.
32
18%
Nein, Eignungstests können niemals die vielschichtige Realität wiedergeben. Der feinfühlige Lehrer wird an der Problemschule versagen, genauso wie der ruppige Typ am musischen Mädchengymnasium. Umgekehrt funktioniert das aber hervorragend.
57
32%
 
Abstimmungen insgesamt : 179

Eignungstests für angehende Referendare

Beitragvon admin » 03.01.2007, 17:35:41

Die derzeitige Präsidentin der Kultusministerkonferenz Ute Erdsiek-Rave fordert eine verpflichtende Eignungsprüfung, bevor Lehramtsstudenten den Masterstudiengang (früher Hauptstudium) aufnehmen.
Nachdem die Universität Potsdam herausgefunden hat, dass 30-40% der Lehramtsstudenten nicht für das spätere Berufsbild geeignet sind, möchte Erdsiek-Rave durch den Eignungstest den späteren Praxisschock verhindern und ungeeignete Personen von einer Fortführung des Studiums abhalten.

Was sind Euere Beobachtungen? Wie sinnvoll ist der Vorschlag?

PS: Unsere Umfrage polarisiert die Problematik wie immer!
Quelle: http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,457095,00.html
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Beitragvon Mrs.K » 03.01.2007, 17:47:56

ich gehöre zu jenen 30-40%, und ein Test hätte mir eine Menge Tränen erspart. also: ja!
der Test ist sicher nicht die ultimative Selektionsmethode, aber er ist ein Schritt in die richtige Richtung.
Zuletzt geändert von Mrs.K am 03.01.2007, 20:38:53, insgesamt 1-mal geändert.
Mrs. Krabappel http://www.ref-ex.de/phpBB2/images/avatars/gallery/Specials/mrsk.gif
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Beitragvon Lili » 03.01.2007, 20:09:32

Ob ein Test einem sagen kann, ob man ein guter ist? Hm... Da müsste wohl auch erst evaluiert werden, wie valide, reliabel und objektiv so ein Test ist.

Ich wäre dafür, die Lehrerausbildung mehr in der Schule stattfinden zu lassen. Nicht erst in der 2. Ausbildungsphase. Vielleicht wäre es umgekehrt sinnvoller? Erst Referendariat, dann Studium?
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Beitragvon Seytania » 03.01.2007, 20:15:28

Hallo,

ich denke, dass ein Eignungstest sinnvoll ist. Ich habe einige Menschen erlebt, denen es gut getan hätte, bereits im studium zu erfahen, an welchen Stellen sie noch an sich arbeiten sollten. Allerdings halte ich es für wichtig, dass die Menschen, bei denen Defizite festgestellt werden trotzdem Lehrer werden können und ihnen entsprechende Fortbildungen und Hilfen an die Hand gegeben werden, so dass sie gezielt in ihren Schwachpunkten gefördert werden. Stellt also z.B. ein Eignungstest fest, dass jemand was weiß ich, vielleicht Probleme im selbstbewussten Auftreten vor Gruppen hat, dann sollte es bereits an der Uni entsprechende Seminare geben, in denen das Problem aufgearbeitet werden kann. Auch eine Wiederholung solcher Tests wäre dann sinnvoll, um zu zeigen, dass eine Weiterentwicklung stattgefunden hat.

Diese Tests könnten eine gute Chance sein, rechtzeitig eigene Schwächen zu erkennen und sie frühzeitig aufzuarbeiten. Wenn diese Tests nur dazu eingesetzt werden, um z.B. Vorwissen abzutesten oder um Leuten ihren Weg in das Berufsleben zu verbauen, bin ich dagegen...

Ich habe im Referendariat mehrere Menschen scheitern sehen. Das war sehr bitter. Bei vielen denke ich, dass es ihnen gut getan hätte, bereits vorher mit ihren Problemen konfrontiert zu werden - insofern halte ich die von Lili vorgeschlagene engere und frühzeitigere Verknüpfung von Theorie und Praxis auch definitiv für den richtigen Weg. Wenn man im Referendariat Probleme hat, dann ist es teilweise fast zu spät, sie aufzuarbeiten oder einen anderen Berufsweg einzuschlagen!

Liebe Grüße,

Seytania
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Beitragvon Herbie » 03.01.2007, 23:18:04

Hi!

Also ich bin hin- und hergerissen zwischen einem „Ja“ und einem „Nein“. Was die Universität Potsdam herausgefunden hat, läßt sich schlicht und einfach nicht abstreiten. Ich kenne auch persönlich Beispiele dafür. Insofern muß im Interesse aller Beteiligten etwas dafür getan werden, daß die jungen Menschen ihr Berufsziel rechtzeitig hinterfragen und ihre persönliche (nicht unbedingt fachliche) Eignung überprüfen können.

Die andere Seite ist aber diese: Wenn jemand direkt im Anschluß an die eigene Schulzeit sofort in eine Schule geht und ein Praktikum absolviert, besteht natürlich die Gefahr, daß die ersten Eindrücke zu euphorisch bzw. zu kritisch aufgefaßt werden. Entgegen der weitverbreiteten Meinung behaupte ich, daß man auch hinsichtlich der notwendigen Fähigkeit, vor Menschen stehen und sprechen zu können, im Laufe einiges dazulernen kann. Besonders die persönliche Reife, die die folgenden Jahre und das Studium mit sich bringen, können dabei eine wesentliche Rolle spielen.

Ich persönlich kann mir vorstellen, daß so ein frühzeitiges Praktikum in einer Grundschule unproblematisch sein wird. Aber in einem Gymnasium? Vielleicht sogar in der Oberstufe? Da gibt's noch nicht mal so etwas wie einen Altersvorsprung ...

Und dann gebe ich noch etwas zu bedenken: Wir sollten uns den Luxus erlauben, soweit es überhaupt möglich ist, zwischen Studiengang und Berufsziel zu trennen. Es ist nämlich vermessen zu glauben, daß wir eine derartige Bildungsplanwirtschaft auf die Beine stellen könnten, daß zu jeder Zeit exakt die gewünschte Anzahl von Neubewerbern für das Lehramt bzw. für andere Berufe zur Verfügung stehen wird („Lehrerschwemme“ – „Lehrermangel“). Ganz ehrlich: Ich hatte wie viele Studienkollegen von Anfang an auf Lehramt studiert, mir aber andere Wege stets offengehalten. Die wirklich endgültige Entscheidung fürs Referendariat habe ich gegen Ende des Studiums getroffen und bis heute nicht bereut.

Schließlich muß man noch bedenken, daß auch andere Akademiker, die nicht auf das Lehramt zusteuern, oftmals mit Menschen umgehen , etwa vor einer größeren Menge von Menschen einen Vortrag zu halten oder Leitungsfunktionen zu übernehmen haben. Das ist vermutlich nicht immer einfacher als Unterricht. Man sollte also das Lehramt nicht in übertriebenem Maße als Besonderheit ansehen.

Daher würde ich sagen: Ein solches Praktikum halte für möglich, aber ich fände es fatal, wenn man damit junge Menschen aufgrund einer weniger guten Praktikumsbeurteilung einfach vorzeitig aus dem Lehramtsstudium aussortieren würde.
Gruß von Herbie
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Beitragvon Kajana » 04.01.2007, 8:51:55

Ich bin gegen einen Eignungstest, zumal er am Ende des Grundstudiums zu spät kommt. Außerdem: wie und wer will das testen? Es gibt jetzt schon nicht genug finanzielle Mittel für die Unis.

Viel besser fände ich, wenn angehende Lehramtsstudenten auch danach ausgesucht würden, ob sie schon mit Kindern gearbeitet haben, z.B. im Sportverein. Ich kann mich erinnern, dass es in der DDR so üblich war und das war gar nicht so schlecht.
Außerdem würde ich die didaktische Ausbildung ab dem ersten Semester durchführen und für die Semesterferien verpflichtende Schulpraktika einführen, in denen die Studis auch mal unterrichten oder assistieren sollten. Die Praktika müssen ja nicht wochenlang gehen, sollten aber die Option bieten, wer will darf mehr.
Ich denke, ob man geeignet ist oder nicht, findet jeder in solchen Praktika selber am besten heraus. Man muss nur die Chance und Möglichkeit bekommen.
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Beitragvon Fränzy » 04.01.2007, 9:04:16

Ich bin unbedingt für einen Eignungstest nach dem Grundstudium, wenn das Grundstudium so aufgebaut ist, dass man dann problemlos sich umorientieren kann, also Magister machen in einem Fach oder Dipl EW. Das würde einigen vieles ersparen. Ich fands in der Schule nicht so schlimm, aber ich hätte mir die 1,5 Jahre auch schenken können und gleich in die sozialarbeit gehen können.

Fraglich natürlich, ob man die richtigen mit so einem Test herausfindet?
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Beitragvon Lili » 04.01.2007, 9:05:57

@ Kajana: Bei uns zahlt man ab nächsten Semester 600 Euro im Halbjahr...

@ Herbie: Ja, vielleicht hab ich da eher die Grundschulbrille auf. Viele Dozenten und Seminarleiter sind auch absolut gegen mehr Praxis - da könnte man von einer Hochschulausbildung in eine "normale" Ausbildung rutschen.

Ich kenne speziell eine Kommilitonin, da hab ich mich vom ersten Semester an gefragt, ob das was werden kann. Jetzt im 2. Refjahr ist nicht sicher, ob sie die Lehrprobe besteht.
Ich denke, dass man ihr das schon viel eher hätte sagen können...
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Beitragvon Rittersport » 04.01.2007, 11:24:05

Ich bin grundsätzlich für einen Test. Ob man natürlich über Fragen und Antworten rausfinden kann, wer geeignet ist oder nicht, darüber lässt sich streiten. Grundsätzlich fände ich es sinnvoller, die gesamte Lehrerbildung anders zu organisieren, von Anfang viel mehr Praxis. Man könnte sich z.B. an der Ausbildung der Verwaltungsbeamten (FH) oder den Berufsakademien orientieren, auf diese Art und Weise wäre noch dazu das Ref überflüssig.

Herbie hat geschrieben:Aber in einem Gymnasium? Vielleicht sogar in der Oberstufe? Da gibt's noch nicht mal so etwas wie einen Altersvorsprung ...

Den hat man an der Abendschule oder in der Berufsschule oft auch als "fertiger" Lehrer nicht.
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Beitragvon Kajana » 04.01.2007, 14:10:35

In der DDR gab's für die Lehrerausbildung sogenannte Pädagogische Hochschulen. Die Ausbildung selbst war sehr praxisbezogen, Referendariat entfiel, weil man im Zuge der Abschlussprüfung (für Sek I/II meist Diplom) sowieso ein halbes Jahr an eine Schule musste.

Aber wahrscheinlich muss das erst wieder einer erfinden...genauso wie den wieder eingeführten und als "neu" verkauften Bildungsauftrag an den Kindergärten.

Ich bin wahrlich nicht ostalgisch veranlagt - aber die guten Dinge hätten auch nach der Wiedervereinigung eine Daseinsberechtigung gehabt.
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Beitragvon Piccola » 04.01.2007, 14:44:28

Schwieriges Thema,

denn ein Mensch kann sich im Laufe der Zeit ändern.

Ich selbst stand immer hinter dem, was ich mache, hatte jedoch seit dem Referendariat auch Phasen, in denen ich am Liebsten alles schmeißen wollte und mich extrem ungeeignet für den Beruf hielt.

Ich denke auch, dass der Erfolg oder Misserfolg im Ref mehr von äußeren Faktoren abhängig ist als im Studium.

Die erste Ausbildungsschule hatte mich unglücklich gemacht. Erst als ich an die zweite kam, blühte ich auf.
Wer seine Schule nicht wechselt, z.B. im VD 18 oder Grundschullehramt, kann da echt "Pech" haben.

Wichtiger ist doch die Frage, ob jemand wirklich Lehrer werden will. Das Praxis-Semester halte ich für sehr sinnvoll.

Wenn man etwas bestimmtes erreichen will, dann schafft man es meistens auch.

Mit diesen sogenannten "Eignungstests" könnte man guten zukünftigen Lehrern genauso den Weg verbauen, wie man eben solche gerade dadurch fördern kann.

Eine heikle Sache.

Piccola
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Beitragvon Helene » 04.01.2007, 16:48:54

Ein Eignungstest nach Beginn des Studiums ist kontraproduktiv und reine Zeit- und Geldverschwendung. Wenn schon Test, dann als Voraussetzung für den Studienbeginn.

Doch alles wird nichts nutzen, wenn nicht die politisch-ideologisch geprägten pädagogischen Handlungsmaxime, die von den Lehrern verbindlich gefordert werden, aufgehoben werden. Wer nach Klafki, v. Hentig oder gar K. Reich etc. lehren m u s s, und sich damit ein künstliches Lehrerselbstkonzept, das so stabil ist, wie es die Schüler, Eltern, Kollegen zulassen, aneignen m u s s, der steht meist von vornherein auf verlorenem Posten.

Die Ent-Ideologisierung des Lehrerhandwerks im Kontext einer flexiblen und dogmenfreien praktisch-pragmatischen Pädagogik würde hier Wunder bewirken, und dies nicht nur beim Lehrernachwuchs.

Helene
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